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Christian Schmidt wurde als Bundesagrarminister nicht erneut berufen.

CSU-Spitze diskutiert über Vorsitz

Wettlauf um Hanns-Seidel-Stiftung: Macht ein verschmähter Minister das Rennen?

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Diese Position ist heiß begehrt: Wer künftig die Hanns-Seidel-Stiftung leiten soll, dürfte sich in diesen Tagen entscheiden.

München – Als Ursula Männle 2014 ihren Dienst antrat, fand sie eine Baustelle vor. Begleitet vom nicht gerade zarten Summen der Presslufthämmer nahm sie die Arbeit in der Hanns-Seidel-Stiftung auf. Die Geräuschkulisse in der Münchner Zentrale der CSU-nahen Parteistiftung war passend – denn Männles Anspruch war, die politische Stiftung zu modernisieren und strukturell umzubauen.

Vier Jahre ist das her, der Bau-Staub hat sich gelegt – doch politischer Wirbel setzt wieder ein. In diesen Tagen wird hinter den Kulissen in der CSU-Spitze ausgemacht, wer künftig die Stiftung leiten soll. Nach allem, was zu hören ist, gibt es rege Auseinandersetzungen. Männle sieht ihre Mission mitnichten als erledigt an. Gleichzeitig hat sie interne Gegner, die auf einen Wechsel dringen. Sie unterstützen den nicht wiederberufenen Bundesagrarminister Christian Schmidt, einen gelernten Außenpolitiker. Er soll Interesse bekundet haben.

Kreuth-Verzicht machte bundesweit Schlagzeilen

Nach Informationen unserer Zeitung hat Männle derzeit die besseren Karten in der CSU-Führung. Offiziell bestätigen mag das in den eingeweihten Zirkeln um Horst Seehofer niemand, aber insgesamt wird ihre Bilanz als positiv bewertet. Der in Ehren ergraute Mitgliederkreis der CSU-nahen Stiftung wurde zumindest in Ansätzen verjüngt, die Satzung erneuert. Intern gab es Personalwechsel. Der nach außen spektakulärste Schnitt Männles war im Jahr 2015 die Entscheidung, das legendäre Wildbad Kreuth zu verlassen, weil die Pacht dort drastisch erhöht wurde. Die CSU-Landesgruppe tagt nun im Kloster Seeon. Der Kreuth-Verzicht machte zwar bundesweit Schlagzeilen, führte die Institution aber nicht in größere Turbulenzen. Männle solle die Stiftung nun auch durch die Phase führen, in der ein neuer Generalsekretär (das ist der oberste Mitarbeiter) kommen soll.

Ursula Männle führt seit dem Jahr 2014 die Hanns-Seidel-Stiftung.

Alles gut also? Männles Gegner verweisen auf Unruhe und Spannungen unter den Mitarbeitern. „Die Unzufriedenheit ist hoch“, sagt einer. Es gebe Probleme bei der Menschenführung. Die Verjüngung dürfe man durchaus auch auf den Vorsitz anwenden: Die Professorin, frühere Abgeordnete, ist 74 Jahre alt. Zweifelsfrei festzustellen ist: Mit ihrer resoluten Art ist Männle manchem auf die Füße gestiegen. Man erinnere sich an die Äußerungen vor Amtsantritt: Als „versäult“ und „versteinert“ hatte sie Teile der Stiftung beschrieben und „ein bisschen Mund-zu-Mund-Beatmung“ angedroht.

Gerüchte nach Spaenle-Demission

Zu Zeiten der Kabinettsbildung in Berlin und München war der Hanns-Seidel-Vorsitz jedenfalls für andere im Gespräch, Männle erfuhr das mitunter aus der Zeitung. Gerd Müller hätte mit dem Posten abgefunden werden sollen (blieb aber Entwicklungsminister), ähnliche Gerüchte gab es bei der Demission von Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle; nun eben Schmidt, auch vom früheren Bundestagsvizepräsidenten Johannes Singhammer war zwischendrin mal die Rede. In diesen Fällen wäre aber auch das böse Wort vom Austragsstüberl wieder gefallen.

Formal zu wählen hat am Ende die Mitgliederversammlung im Mai oder Juni. „Wir sind mitten in der Terminfindung“, sagt ein Sprecher. Und: „Frau Männle möchte sich jetzt nicht über eine Kandidatur äußern.“

Die Stiftung, 1967 gegründet, berät und analysiert, bietet umfangreich Seminare und Schulungen an, unterhält ein Stipendiatenprogramm und fördert mit 100 Projekten in 65 Ländern die internationale Zusammenarbeit. Große Büros betreibt sie unter anderem in Berlin, Washington, Brüssel und Moskau.

Christian Deutschländer

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