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Hans-Peter Uhl.

Bundeswehr-Wehrmacht-Debatte

Gastbeitrag von Hans-Peter Uhl: Von der Leyens Unwerturteil

Die Verteidigungsministerin vergisst bei ihrem Pauschalurteil über die Bundeswehr wichtige Schritte der Aufarbeitung in den vergangenen 72 Jahren. Ein Gastbeitrag des Münchner CSU-Bundestagsabgeordneten und Innenexperten Hans-Peter Uhl.

München - Verteidigungsministerin von der Leyen will das Traditionsverständnis der Bundeswehr überprüfen lassen. Die Wehrmacht dürfe „in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr“ sein, sagt die Ministerin. Ausnahme seien „einige herausragende Einzeltaten im Widerstand“. Damit fällt die Ministerin ein totales Unwerturteil über die Soldaten der deutschen Wehrmacht.

Ich bin erstaunt über die Pauschalität ihrer Bewertung, die in bemerkenswertem Widerspruch zu bisherigen viel differenzierteren Äußerungen von deutscher und ausländischer Seite stehen. Ich nenne einige Beispiele: 

„Bei den deutschen Soldaten, die in großer Zahl starben, kommt es mir kaum auf die Uniform an und noch nicht einmal auf die Idee, die ihren Geist bestimmte. Sie hatten Mut. Sie waren in diesen Sturm losmarschiert unter Einsatz ihres Lebens, sie haben seinen Verlust für eine schlechte Sache hingenommen, aber wie sie es taten, hat mit der Sache nichts zu tun. Es waren Menschen, die ihr Vaterland liebten – und dessen muss man sich gewahr werden.“ – Francois Mitterrand am 8. Mai 1995 in Berlin.

Blick auf die Wehrmacht war ein differenzierter

„Ebenso wahr ist auch, dass sich der größte Teil der deutschen Soldaten nicht schuldig gemacht hat. Sie haben ihre Pflicht getan. Viele haben in dem Konflikt gelebt, ihrer Eidespflicht genügen zu wollen oder zu müssen, obwohl sie die Natur der verbrecherischen Staatsführung erkannten oder erahnten.“ – Otto Graf Lambsdorff am 13. März 1997 vor dem Bundestag.

„Mir hat der Katalog gereicht. Schon der ist allzu einseitig. Es gibt Leute, die einen gewissen autosuggestiven Masochismus gegenüber dem eigenen Land für ihre Aufgabe halten. Dazu gehört Hannes Heer …, dazu gehört Jan Philipp Reemtsma. Das gibt es in jedem Land.“ – Helmut Schmidt in der „SZ“ vom 23. Dezember 1998 zur sogenannten Wehrmachtsausstellung

„Wir möchten heute und vor diesem Hohen Haus im Namen der Regierung erklären, dass wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Rahmen der hohen soldatischen Überlieferung ehrenhaft zu Lande, zu Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen.“ – Konrad Adenauer, am 3. Dezember 1952 vor dem Bundestag.

„Ich war 1945 der Auffassung, dass die Wehrmacht, insbesondere das deutsche Offizierskorps, identisch mit Hitler und den Exponenten seiner Gewaltherrschaft sei – und deshalb auch voll mitverantwortlich für die Auswüchse dieses Regimes. Genauso wie ich mich damals eingesetzt habe gegen die Bedrohung der Freiheit und Menschenwürde durch Hitler, so sehe ich heute in Stalin und dem Sowjetregime dieselben Erscheinungen. (...) Inzwischen habe ich eingesehen, dass meine damalige Beurteilung der Haltung des deutschen Offizierskorps und der Wehrmacht nicht den Tatsachen entspricht. Der deutsche Soldat hat für seine Heimat tapfer gekämpft. Wir wollen alle für die Erhaltung des Friedens in Europa, das uns allen ja die Kultur geschenkt hat, gemeinsam eintreten.“ – Dwight D. Eisenhower, Erklärung vom 22. Januar 1951.

NS-Regime missbrauchte Prinzipien der Armee

Ich meine, hinter diesen Bewusstseinsstand sollten wir nicht zurückfallen. Soldaten sind zum größtmöglichen Opfer bereit, ihr Leben für ihr Vaterland einzusetzen. Im Fall der deutschen Wehrmacht ist dieser Idealismus durch die nationalsozialistische Staatsführung auf schreckliche Weise missbraucht worden. Dieser politische Missbrauch kann aber nicht zu einer Pauschalverurteilung der Wehrmacht und damit ihrer Soldaten führen.

Dies fordert die Achtung gegenüber unseren Vätern und Großvätern. Aber auch der Soldat von heute muss wissen, dass seine Bereitschaft zur Aufopferung des eigenen Lebens in späteren Zeiten nicht als erinnerungsunwürdig verachtet wird. Im Gegensatz zu einem linken Milieu muss von der politischen Führung hier in Wort und Tat Sensibilität, historische Urteilskraft und Gerechtigkeitssinn verlangt werden.

Hans-Peter Uhl

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