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Heftigere Corona-Folgen als anderswo? Lauterbach wird in ARD deutlich und sieht „unethische Wette“

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Karl Lauterbach (SPD) zu Gast bei „hart aber fair“ (ARD).
Karl Lauterbach (SPD) zu Gast bei „hart aber fair“ (ARD). © ARD (Screenshot)

Gesundheitsminister Lauterbach findet bei Frank Plasberg deutliche Worte. Eine Durchsuchung hält er für eine „unethische Wette“.

Berlin - Kein Zweifel: Frank Plasberg versucht Karl Lauterbach (SPD) in seiner Sendung „Hart aber fair“ aus der Reserve zu locken. Mehrfach schneidet der Moderator dem Minister das Wort ab, zum Beispiel, als Lauterbach zum Lob über die Arbeit seines Ministeriums ansetzt. Später fragt Plasberg provozierend: „Glauben Sie immer noch daran, dass Sie Menschen mit Argumenten überzeugen können? Wenn der Lauterbach das Wort ‚Studie‘ in den Mund nimmt – wer hört dann zu?“

Reichen die derzeitigen Maßnahmen überhaupt aus, die Omikron-Welle zu brechen? Oder haben wir das Schlimmste bereits überstanden? Plasberg fühlt Lauterbach im Bezug auf Prof. Christian Drosten auf den Zahn. Der Top-Virologe an der Berliner Charité hatte in seinem Corona-Podcast davon gesprochen, „die Tür zu öffnen“ und meinte damit, Maßnahmen langsam lockerer zu gestalten.

Lauterbach bei „Hart aber fair“: „Dem Virus brauchen wir nicht die Tür zu öffnen“

Lauterbach rümpft bei Plasberg die Nase, betont einerseits „ich schätze Herrn Drosten sehr“, berichtet über „intensive“ Zusammenarbeit mit dem Forscher, aber frotzelt: „Dem Virus brauchen wir nicht die Tür zu öffnen, sondern es kommt ja von alleine rein.“ Plasberg richtet den Blick nach Großbritannien: Dort setze eine relativ laxe Politik auf eine „Durchseuchung“ der Bevölkerung. Diese sei laut Lauterbach allerdings eine „unethische Wette“.

Allerdings gesteht der Minister ein, dass die Impfquote bei den über 65-Jährigen in Großbritannien besser sei als in Deutschland. Betont aber, dass die Sterblichkeitsquote der Engländer übertragen auf Deutschland zu doppelt zu viel Toten geführt hätte. Die Bundesregierung stünde daher für den englischen Weg „nicht zur Verfügung“, so Lauterbach.

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

Der Anstieg der psychischen Störungen sieht Lauterbach nicht im Zusammenhang mit dem Lockdown

Die Journalistin Claudia Kade thematisiert den Anstieg der psychischen Krankheiten, die seit Beginn der Corona-Pandemie signifikant - vor allem bei jüngeren Menschen - zugenommen hätten. Lauterbach hört mit versteinerter Miene zu und stellt in Frage, ob dies die Folge von Lockdowns gewesen seien, von strengeren Maßnahmen in Deutschland als anderswo. „Da muss man vorsichtig sein, das geben die Studien dies aus meiner Sicht nicht her.“ So könnte auch die Gesamtsituation - die „furchtbare Pandemie“ - traumatisierend gewirkt haben.

Die Hausärztin Anke Richter-Scheer beklagt den Mangel an Impfstoff-Lieferungen. Sie müsse direkt beim Bund bestellen, bekäme derzeit ausschließlich den Moderna-Impfstoff und habe mit Absagen und Überstunden zu kämpfen. Lauterbach kritisiert vorsichtig die „nicht unumstrittene Empfehlung, die in anderen europäischen Ländern so nicht gepflegt wird“ der Stiko und kündigt eine hausinterne Überprüfung an, die bereits gestartet sei. Es würde sich um ein „Missverständnis“ handeln, so Lauterbach, dass „Biontech ein besserer Impfstoff wäre als Moderna“.

Lauterbach zeigt sich gegenüber den Corona-Protesten und Drohungen unbeeindruckt

Zuletzt thematisiert Plasberg die Corona-Proteste, offenbart, dass im Abgeordneten-Büro von Karl Lauterbach in der Silvesternacht eine Scheibe eingeschlagen worden sei; dass es regelmäßige Gewaltandrohungen gegen den Minister gebe. Er sei „immer wieder überrascht“, reagiert der Minister nüchtern, dass viele Leute unter „Nennung ihres Klarnamens“ massive Drohungen aussprechen würden und damit sehr leicht zu verfolgen seien. Seinen Schutz, stellt der Minister dar, gewährleisten die Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes. Er stünde auf relativ hoher Stufe und jeglichen Drohungen würde systematisch nachgegangen.

Fazit des „Hart aber fair“-Talks

Es wurde viel „abgegrast“, Raum für Diskussion ließ der Moderator seinen Gästen nicht. Er hätte gerne die Sendung „Lehren aus einer schweren Zeit“ gemacht, führte Plasberg in den Talk ein. Geplant gewesen sei ein Rückblick, doch die Verbreitung der Omikron-Variante sei dem Vorhaben in die Quere gekommen. So hatte der Talk einen Wiederholungseffekt. Oder um im Griechischen zu bleiben: ein Sisyphus-Problem. (Verena Schulemann)

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