1. Startseite
  2. Politik

„Hart aber fair“: Immunologe erklärt Haupt-Grund für diverse Corona-Einschränkungen

Erstellt:

Kommentare

Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl zu Gast bei „Hart aber fair“
Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl zu Gast bei „Hart aber fair“ © Screenshot ARD

Frank Plasbergs Talkshow richtet ihren Blick auf Weihnachten und das kommende Jahr mit Corona. Seine Gäste sagen nichts Gutes voraus.

Köln – Frank Plasberg richtet eine Frage an die Talkrunde von „Hart aber fair“, die derzeit wohl viele beschäftigt: Müssen wir uns dieses Jahr zu Weihnachten erneut in Verzicht üben? Die Sendung beginnt mit einem Einspieler: Laut der aktuellen Weihnachtsstudie der Bundewehr-Universität in München können sich 47 Prozent der Befragten vorstellen, zu Weihnachten Regeln zu brechen. Plasberg wendet sich Berlins regierendem Bürgermeister Michael Müller zu und fragt, ob man das überhaupt kontrollieren könne. Der Politiker gesteht ein, dass dies schwierig sei und appelliert an die Vernunft: Jeder Kontakt sei gefährlich und er erläutert sein privates Verhalten: „Ich habe auch jetzt in einem Freundeskreis einen Kaffee gemacht und das war für mich ganz klar: Es gilt die 2G-Regel.“ Plasberg hakt nach: „Und Sie fragen das auch?“ Müller bejaht das: „Jemand, der nicht geimpft ist, wird zu dem Kaffeetrinken nicht kommen können.“

Die zum Zeitpunkt ihrer Coronaerkrankung zweimal geimpfte Moderatorin Charlotte Würdig erzählt: „Ich habe mich, glaub‘ ich, bisschen zu viel auf der Impfung ausgeruht.“ Sie erklärt, dass sie dachte, dass ihr nichts mehr passieren könne. Sie habe sich mit ihren beiden Kindern in der vierzehntägigen Quarantäne allein gefühlt. Würdig erinnert sich, dass sie sich Gedanken gemacht habe, was mit den Kindern sei, wenn sie ins Krankenhaus muss. Ein Anruf beim Gesundheitsamt habe keine Ergebnisse gebracht.

„Hart aber fair“: Gesundheitspsychologin Sieverding wird aus Studie nicht schlau

Moderator Plasberg macht sich Gedanken: „Wir haben uns daran gewöhnt, in solchen Sendungen, dass man Fragen stellt und nicht gleich eine Antwort bekommt. Weil die Zuständigkeiten auch sehr unterschiedlich sind in diesem Land. Das haben wir auch gelernt.“ Er fragt die Gesundheitspsychologin Dr. Monika Sieverding, ob die Leute nach fast zwei Jahren Pandemie für sich in Anspruch nehmen würden, wieder für sich selbst zu entscheiden. Sie antwortet: „Es ist eine kleine Minderheit, die sich über die Regeln hinwegsetzt.“ Sie kritisiert die Corona-Frage der eingangs erwähnten Bundeswehr-Studie als zu ungenau und liest die betreffende Frage vor: „Hand aufs Herz! Würden Sie sich an Weihnachten über coronabedingte Verbote zumindest teilweise hinwegsetzen?“ Ihr Kritikpunkt: Unter der Frage könne man sich nicht viel vorstellen. Man müsse erst Fragen, welche Verbote die Befragten überhaupt kennen und für wie sinnvoll die Verbote gehalten würden. Viele würden die Regeln gar nicht kennen. Plasberg begeistert: Es sei auch mal interessant, Studien lesen zu lernen und wendet sich dem Berliner Bürgermeister zu: „Herr Müller, ich ziehe meine Einstiegsfrage zurück mit den 47 Prozent. Das scheint wissenschaftlich nicht valide zu sein.“

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten am 13. Dezember:

Frank Plasberg fragt den Unternehmer Michael Hütter, ob er die Regeln kenne. Dieser holt aus: „Wir haben, glaube ich, das Problem in dieser Krise, dass der Staat es nicht geschafft hat, den Leuten transparent rüberzubringen, auf was es ankommt.“ Hütter kritisiert das „Wirrwarr an Regeln“. Er wünscht sich, dass von „oben heraus“ dieses Land „im Kampf gegen diesen gefährlichen Gegner“ bestehen könne. Plasberg lenkt ein, dass das von „oben heraus“ aufgrund der sehr unterschiedlichen Inzidenzen schwierig sei und holt sich bei Müller politische Expertise ein. Der Politiker hebt die „positiven Ergebnisse“ hervor und dass man gemeinsam viel gelernt habe, wie die Wirksamkeit von Masken und Abstand. Er betont: „In Berlin hatte ich noch vor einer Woche eine 350er-Inzidenz und jetzt eine 300er. Das heißt: Die Menschen nehmen diese Regeln auch an und befolgen sie, weil sie doch die Erfahrung auch gemacht haben, dass es schützt.“

Unternehmer Hütter: „Wir wurden zur Corona-Polizei verdonnert“

Plasberg will von Dr. Carsten Watzl wissen, ob er ein „Impfpaket“ für Weihnachten empfehlen kann, zum Beispiel „Großeltern geboostert, Eltern mindestens zweimal geimpft, Kinder getestet“. Watzl: „Sicherlich.“ Er erklärt: „Die Älteren haben das höchste Risiko und von daher sollten die Großeltern jetzt schon geboostert sein.“

Auf die 2G-Regeln in Geschäften angesprochen, zeigt Geschäftsmann Hütter Verständnis. Er merkt aber an, dass das dem Handel schade. Er kritisiert auch, dass ältere Menschen nicht mit dem teilweise geforderten Impfnachweis auf dem Smartphone klarkämen. Einen konkreten Vorwurf jedoch richtet er in Richtung Politik: „Wir sind ein bisschen verdonnert worden, die Polizei zu spielen.“ Müller sieht ein, dass das eine Belastung für den Handel sei, aber auch für die Gastronomie und die Hotels.

Immunologe Watzl über Grund für Einschränkungen: „Einschränkungen entlasten auch Gesundheitssystem“

Plasberg will von Watzl wissen, ob der Handel überhaupt zu den Corona-Hotspots zähle. Dieser erklärt: Es gehe im Allgemeinen um die Kontaktreduzierung. „Dann geht’s einfach um die Ansteckung. Da muss man unterscheiden: Wenn sich halt ein Ungeimpfter ansteckt, der ist halt gar nicht geschützt. Der hat immer noch ein sehr hohes Risiko für einen schweren Verlauf.“ Er weist darauf hin, dass man die Einschränkungen nicht nur mache, um die Inzidenzen zu senken, sondern auch um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. „Und da muss man ganz klar unterscheiden, es macht einen Unterschied, ob sich jemand ansteckt, der zweimal geimpft war oder jemand, der sich ansteckt, der noch gar nicht geimpft ist.“ Die Lösung sei deshalb Menschen, die dieses Risiko tragen, von Risikobegegnungen auszuschließen.

Am Rande wird das Thema „Impfverweigerung“ angesprochen. Watzl sagt: Die Möglichkeit an einer Impfung zu sterben, sei verschwindend gering. Als Grund für das Verhalten vieler Menschen nennt er Angst durch Fehlinformationen. Er fordert, konsequenter gegen Leute vorzugehen, die Fake News verbreiten.

Abschließend spricht Plasberg an, was sich wohl viele Menschen fragen: Müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben? Dr. Sieverding vergleicht die Situation mit Krebs. Auch bei einer solchen Erkrankung müsse man Hoffnung haben und überträgt das auf Corona: Man müsse zwischendurch immer wieder hoffen, dass wir es schaffen.

„Hart aber fair“ - Das Fazit der Sendung

Die sanfte Talkrunde um Frank Plasberg zwischen Wissenschaft, Stagnation und Hoffnung: Man ist sich einig, dass Deutschland die Pandemie gemeinsam bewältigen muss. Kollateralschäden, zum Beispiel im Handel, müssten wohl oder übel in Kauf genommen werden. Ein Ja oder Nein zur Impfpflicht kommt nicht richtig durch. Es wird nach wie vor an die Vernunft der Menschen appelliert. Die Radikalisierung von Impfgegnern steht nicht zur umfassenden Debatte.

Michi Jo Standl

Auch interessant

Kommentare