Lauterbach nennt Zeitpunkt für Öffnung

Plasberg tobt bei Hart aber fair - auch Lauterbach bekommt es ab: „Dafür sorgen, dass jemand den Knall hört?“

Der Unmut wächst, bei Plasberg heißt das „Druck im Kessel“. Die Frage der Sendung: Wie sind Lockerungen möglich?  

München - Wie schon am Vorabend bei „Anne Will“ wird auch der Ton in Plasbergs „Hart aber fair“-Talk in Bezug auf den Regierungskurs rauer. Zu Beginn der Sendung wird die Wut-Rede von Volker Bouffier (CDU) eingespielt. Der hessische Ministerpräsident schimpfte vergangene Woche auf einer Wahlkampf-Veranstaltung über den Dauer-Lockdown: „Die Leute haben die Schnauze voll!“ Thalia-Chef Michael Busch gibt zu, Bouffier habe ihm „zu hundert Prozent aus der Seele“ gesprochen.

Busch: „Der Lockdown ist für den Handel, die Gastronomie und die Innenstädte ein totales Desaster.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass sogar das RKI den Handel eindeutig nicht zu den Verbreitungsorten erklärt hatte.

„Viel Druck im Kessel“, kommentiert Moderator Plasberg und will an dem Abend von seinen Gästen wissen: „Wie lange ist ein Lockdown noch zu halten?“. Derjenige, der an dieser Information am nächsten dran ist, ist SPD-Abgeordneter Karl Lauterbach. Der eifrigste aller deutschen Talk-Show-Gäste der Corona-Ära bleibt auch heute seiner Rolle des Bedenkenträgers treu.

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Karl Lauterbach (SPD) - Bundestagsabgeordneter
  • Nelson Müller - Sternekoch und Restaurant-Besitzer
  • Dr. Jördis Frommhold - Chefärztin an der MEDIAN Reha-Klinik Heiligendamm
  • Michael Busch - Vorsitzender der Geschäftsführung der Buchhandelskette Thalia
  • Lamya Kaddor (Bündnis 90/Die Grünen) - Publizistin, Lehrerin für Islamische Religion an einem Gymnasium in Duisburg

Bei „Hart aber fair“ sind alle für die freie Vergabe von Selbsttests - bis auf Lauterbach

Trotz seines direkten Informationszugang zu Regierungskreisen lässt Moderator Plasberg bei „Hart aber fair“ Lauterbach ganze 30 Minuten warten, bis er ihn erstmalig zu Wort kommen lässt. Und setzt ihm dann das Messer auf die Brust: „Butter bei die Fische: Wann haben wir genug Tests um über Öffnungen zu reden?“ Lauterbach gibt tatsächlich ein vages Datum: „Mitte bis Ende März.“ Erfreut ist die Runde darüber dennoch nicht.

„Die Menschen wollen wieder ihr Schicksal in die Hand nehmen“, grollt Busch und stellt Lauterbachs Aussage in Frage. „Sie wollen nicht immer weiter abgeschlossen und weggeschlossen werden.“ Es sei jetzt besser, die Situation zu gestalten, „als immer nur zu erklären, warum es jetzt gerade noch nicht geht.“ Plasberg bringt freiwillige Selbsttest als Möglichkeit zum kontrollierten Öffnen in die Diskussion und will von Lauterbach dessen Meinung dazu hören.

Der Gesundheitsexperte führt langatmig aus, dass er dagegen sei: „Ich warne davor, die Aufgabe zu unterschätzen.“ Sein Argument: Die Fehlerquote liege mit 40 Prozent bei einer Infektion ohne Symptome zu hoch. Außerdem zweifle er daran, dass positiv Getestete ihre Ergebnisse den Gesundheitsämtern melden würden. Plasberg zieht empört die Augenbrauen hoch: „Herr Lauterbach, mit Verlaub, ist das das richtige Menschenbild?“

Lehrerin Kaddor verteidigt bei „Hart aber fair“ Jugendliche gegen Lauterbachs pauschale Verurteilung

Auch Sterne-Koch Nelson Müller ist überrascht über Lauterbachs Argumentation: „Wir haben doch ohnehin eine Grauzone - selbst, wenn man Symptome hat, wird man doch nicht bei seinem Hausarzt immer getestet.“ Der Restaurant-Betreiber gibt zu bedenken: „Alles, was jetzt möglich ist, ist doch immer noch besser als nicht zu testen!“ Er habe seiner Belegschaft Test-Kits gekauft und prüfe regelmäßig.

Der Gesundheitsexperte erntet weiter Unmut in der Runde, als er die Knappheit der vorhandenen Tests-Kits mit Seitenhieb auf junge Leute ausführt: „Im Moment haben wir 100 Millionen Tests und wenn ich die einfach auf den Markt gebe und die werden verbraucht, um am Wochenende Party zu machen, dann kriege ich die Schule und die Betriebe nicht sicher!“ Dieses Mal tobt Lehrerin Lamya Kaddor: „Dass sie jetzt wieder mit Party kommen und jetzt wieder einer Gruppe etwas in die Schuhe schieben…“ Die Unmut-Kurve steigt …

Beim Thema Impfen platzt Plasberg der Kragen - Aussage zu AstraZeneca sorgt für Unmut

Die schlechte Stimmung erreicht ihren Tiefpunkt als Plasberg zum Thema Impfstoff-Zulassung wechselt. Der Chef der Ständigen Impfkommission Prof. Dr. Thomas Martens erscheint im Einspieler. In einem ZDF-heute-Interview auf die Frage angesprochen, warum die AstraZeneca-Zulassung auf unter 65-Jähre begrenzt worden sei, hatte Martens lapidar Auskunft gegeben: „Das Ganze ist einfach, ja, irgendwie schlecht gelaufen …“

Plasberg platzt jetzt der Kragen: „Kann denn jeder in diesem Land Sand ins Getriebe schütten, wenn er die Kompetenz dazu hat?“, ruft er Karl Lauterbach zu. „Was machen Sie als Politiker? Gibt es irgendjemand, der den Leuten mal Beine macht?“ Lauterbach hadert und verweist auf Gespräche, die derzeit geführt würden. Plasberg ist das zu wenig: „Wir hören, dass AstraZeneca sogar besonders gut wirkt bei älteren Menschen“, schimpft er weiter in Richtung Lauterbach, „muss man da mal dafür sorgen, dass jemand den Knall hört?“ Lauterbach gibt sich weiter emotionslos: „Ich gebe hier niemandem Noten“, antwortet er und lässt durchblicken, dass er die Vorwürfe nachvollziehen kann und kündigt baldige Änderungen der Zulassung an.

Der Thalia-Chef bringt es auf den Punkt: „Es macht einen fast fassungslos“, gesteht er, „wenn man auf der einen Seite um Arbeitsplätze kämpft und auf der anderen Seite sieht, dass Handlungsmöglichkeiten nicht wahrgenommen werden!“

Fazit des „Hart aber fair“-Talks - Diskussion um Schnelltests und Fehler im Umgang mit AstraZeneca

Das war keine Reklame-Sendung für deutsche Politik, sondern lief eher unter dem Motto „Pleiten, Pech und Pannen“. Lauterbachs Ankündigung, dass Ende des Monats Öffnungen möglich sind, verhallte fast im Donnergrollen über Schnelltest-Mangel und Impfstau. Der deutsche Regulierungsdrang bekam in dieser Sendung sein Fett ordentlich weg.

Rubriklistenbild: © Screenshot: Hart aber fair/ARD

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