V. l. Wolfgang Bosbach (CDU), Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), die FAZ-Korrespondetin Helene Bubrowski, Kevin Kühnert (SPD) und der Unternehmer Martin Richenhagen
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V. l. Wolfgang Bosbach (CDU), Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), die FAZ-Korrespondetin Helene Bubrowski, Kevin Kühnert (SPD) und der Unternehmer Martin Richenhagen

Hart aber fair

Plasberg-Runde legt Söders Charakter offen: Seine Biografin sicher - „Er geht aufs Ganze“

„Offener Kampf bei den Schwarzen, Harmonie bei den Grünen“ - bei „Hart aber fair“ geht es um die Frage: Welche Partei vermittelt mehr Führungsqualitäten? 

Zu Beginn des „Hart aber fair“-Talks im Ersten verteilt Moderator Plasberg Lorbeeren an die Grünen. Ein Einspieler zeigt Robert Habeck, wie der seine Co-Partei-Chefin und frisch gekürte und „erste Kanzlerinnenkandidatin der Grünen“, Annalena Baerbock, mit den Worten ankündigt: „Bitte, Annalena, die Bühne gehört Dir!“ Plasberg kommentiert süffisant: „Wenn die Union so weitermacht“, dann sei das „grüne Kanzleramt“ nicht nur ein Wahlkampftitel, sondern eine reale Option … 

FAZ-Journalistin Helene Bubrowski sieht die Lage dagegen nicht so eindeutig: „Für den Moment haben die Grünen einen Stich gemacht!“, sagt sie, gibt allerdings zu bedenken: „Wie geschlossen ist die Partei wirklich und was davon ist eine Inszenierung?“ Die Grünen seien kein monolithischer Block, so Bubrowski, „zwischen Kreuzberger Linken und Stuttgarter Realos liegen Welten!“

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) - Fraktionsvorsitzender
  • Wolfgang Bosbach (CDU) - stellv. CDU-Fraktionsvorsitzender von 2000 bis 2009
  • Kevin Kühnert (SPD) - stellv. Parteivorsitzender
  • Martin Richenhagen - Unternehmer
  • Helene Bubrowski - FAZ-Korrespondentin
  • Anna Clauß - Spiegel-Korrespondentin, Söder-Biografin

CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach gibt später unumwunden zu: „Wir geben als Union im Moment kein gutes Bild ab!“ Ihn zerreiße es derzeit förmlich, so Bosbach. Die Grünen will er dennoch nicht gut dastehen lassen: „Nach 40 Jahren Parlamentsgeschichte wird deutlich, dass das System die Grünen mehr verändert hat als die Grünen das System“, spottet der Polit-Profi in Erinnerung an die chaotischen Anfangsjahre der einstigen Alternativ-Partei.

Beim Thema „Steuererhöhung“ geht bei „Hart aber fair“-Talk der Wahlkampf los

Plasberg will seinen Talk mit ein wenig Wahlkampf-Flavour anwürzen und bringt das Thema „Steuererhöhungen“ aufs Tableau. Grüne und SPD sehen die für die nächste Legislatur vor - wollen Familien allerdings schonender behandeln als gutverdienende Singles. Auch die Vermögenssteuer soll wieder aktiviert werden.

Unternehmer Martin Richenhagen überzeugt das nicht: „Die Unternehmen handeln heute schon viel grüner, als die Grünen denken“, motzt er. Wenn er eine Million nach Steuern erwirtschafte - und die wieder gut investiere, damit das Unternehmen wächst, Arbeitsplätze geschaffen werden, soll er dann dafür bestraft werden? Und benachteiligt gegenüber jemandem, der das Geld einfach ausgibt. Ihn wundere, so der Ex-Chef eines US-Landmaschinenherstellers, dass die Grünen sich „jetzt zutrauen, die deutsche Wirtschaft zu regeln!“ Und findet sogar: „Das grüne Wahlprogramm ist ein Rückfall in den Sozialismus!“

„Ein schwieriger Vorwurf, wenn man aus der CDU kommt, wo es nicht mal Ansätze für ein Wahlprogramm gibt“, springt SPD-Mann Kevin Kühnert ein. Das ruft wiederum CDU-Mann Bosbach auf den Plan: „Wir hatten Zeiten, da musstest du das Fünfzehnfache des Durchschnittslohnes verdienen“, erinnert er an Vor-Kohl-Zeiten, „dann erst griff der Spitzensteuersatz. Heute greift er schon, wenn du das 1,8-fache verdienst!“

Spiegel-Journalistin bei „Hart aber fair“ über Markus Söder: „Er geht aufs Ganze“

Plasberg wird es zu viel. Er stoppt das „Geplänkel“ und leitet über zu seinem nächsten großen Thema das Abends: Söder. Dass er den Mann aus Bayern aber (noch?) nicht ganz ernst nimmt, offenbart das nächste Bild, das er einblenden lässt. Es zeigt den bayrischen Ministerpräsidenten im Wald mit beiden Händen an einem Baum. Plasberg an Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter gerichtet: „Sehen Sie da Leidenschaft oder eher Pose?“ Hofreiter tendiert eher zur zweiten Option und antwortet: „Am Ende muss man die Menschen danach beurteilen, was sie tun.“

Substantieller wird es beim nächsten Gast. Interessante Einblicke in das Leben Markus Söders gibt die Münchener Spiegel-Korrespondentin und Söder-Biografin Anna Clauß. Im Einzelinterview darf sie aus dem Nähkästchen plaudern, acht Jahre, so die Korrespondentin, folge sie dem bayrischen Kandidaten Söder nun schon auf „Schritt und Tritt“. Clauß schildert Söder als einen ehrgeizigen Gewinner-Typus, der voll und ganz in der Politik aufginge, privat schon fast langweilige Züge habe.

Ob es Söder um Macht ginge, will Plasberg wissen. Und Clauß zögert keine Sekunde: „Natürlich“, sagt sie, es ginge Söder ausschließlich darum, „der Union die Macht zu sichern“. Für sie sei es keine Überraschung gewesen, dass er ein Amt in Berlin anstrebe. Den Satz „Mein Platz ist in Bayern!“ habe Söder schon lange nicht mehr gesagt. Überrascht hätte sie allerdings die „Risikobereitschaft“, die Söder derzeit an den Tag lege. Clauß: „Er geht aufs Ganze!“

„Hart aber fair“-Talk: Gast vergleicht Markus Söder mit „Duracell-Hase“

Ob Söder Hobbys habe, fragt Plasberg unverblümt. Clauß denkt kurz nach: „Tennis. Cola light.“ Und: „Söder hat mal gesagt: Sein einziger Luxus sei ein großer Fernseher im Wohnzimmer!“ Er möge Blockbuster-Filme. Doch eigentlich will Söder als jemand gelten, analysiert Clauß, der keine Zeit habe, sich einem Hobby zu widmen. Söders Legende sei die des „Duracell-Hasen - immer unterwegs im Freistaat - und jetzt bis nach Berlin …“

Wie steht es bei Söder mit Humor, fragt Plasberg weiter. Clauß formuliert es so: „Er simuliert Selbstironie.“ Söder habe sich z.B. mal einen Dreitage-Bart wachsen lassen, ihn wieder abrasiert und gesagt, der stünde ihm nicht so gut wie dem Habeck … Söder sei ein begnadeter Redner und bewege sich als ausgebildeter Kameraredakteur selbstsicher in der Medienwelt. Stark ausgeprägt sei seine Kritikfähigkeit, befindet die Journalistin. Söder hätte einen „Schildkrötenpanzer“ und würde an Kritik immer versuchen zu wachsen.

Söder als Bundeskanzler - wie wäre er, will Plasberg noch wissen. Clauß schildert leicht amüsiert: „Er wäre der Bundestrainer-Typ, der sich am liebsten selber einwechseln würde, um die Tore zu schießen.“ Stellt aber auch klar: Markus Söders „Weste“ sei weißer als viele meinen, allerdings gehöre „die Lust am Sticheln, an der Rangelei“ schon zu seinem Charakter.

Fazit des „Hart aber fair“-Talks

Mal kein Corona - das hat bestimmt einigen Zuschauern gefallen. Wahlkampf ist das aber auch noch nicht. Unterhaltsam ist im zweiten Teil der Sendung „hart aber fair“ der Einblick in die „Söder-Seele“ - es scheint, als ließe sich Plasberg beide Optionen offen: dem Mann aus Bayern ein wenig Schützenhilfe leisten - oder Trostpflaster sein … Den Gefallen eine Entscheidung noch während der Sendezeit zu verkünden, tut die Union Plasberg nicht.

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