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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sorgte bei „Hart aber fair“ mit einer Hammer-Forderung für Diskussionen.

ARD-Talkshow

„Hart aber fair“: Grünen-OB Palmer mit Knallhart-Forderung an alle Autofahrer

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr, wie der Umgang mit dem Auto. Im ARD-Talk „Hart aber fair“ hat nun Tübingens OB Boris Palmer mit einem Vorschlag polarisiert.

  • Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit Hammer-Vorschlag bei „Hart aber fair“
  • Thema der Sendung: „Welt im Klimawandel: Wieviel können wir selbst tun?“
  • Palmer: Man muss das System „umdrehen“

Berlin - Bei dieser Aussage dürften sich vieleAutofahrer inDeutschland gestern beinahe an ihrem Getränk verschluckt haben: In der ARD-Sendung „Hart aber fair“ hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Grüne) mit einer heftigen Forderung polarisiert. Das Thema der Sendung lautete: „Welt im Klimawandel: Wie viel können wir selbst tun?“ Neben Palmer waren bei Moderator Frank Plasberg folgende Teilnehmer eingeladen: Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Moderatorin Janine Steeger, Meteorologe Mojib Latif, Energiewirtschaftspräsidentin Marie-Luise Wolff und Chemieprofessor Michael Braungart. 

Boris Palmer bei „Hart aber fair“: Ein Auto-Parkplatz sollte immer Geld kosten

Palmers Vorschlag: Ein Parkplatz für ein Auto sollte immer 30 Euro im Monat kosten - egal wo. Auch „in der Straße im Dorf“. Aktuell sei es in Tübingen so: Zehn Prozent der Parkplätze seien wirklich teuer und 90 Prozent kosteten nichts. Man müsse jedoch das System „umdrehen“, erklärte der Tübinger OB. 

Statt kostenlos zu parken und für den öffentlichen Nahverkehr zu bezahlen, sollte man es in Zukunft genau andersherum machen: Der Nahverkehr sollte für alle kostenlos angeboten werden, findet der Grünen-OB. „Dann würden wir einen ganz anderen Effekt erzielen“, sagte Palmer. 

Doch bis dahin gebe es noch Hürden zu überwinden: Derzeit verbiete der Bundesgesetzgeber sogar, dass ein Anwohnerparkplatz mehr als 2,50 Euro im Monat koste, so der Grünen-Politiker. Sein Vorbild: Stockholm. Dort koste der Parkplatz 80 Euro im Monat - „und dann machen Leute eben was anderes.“ Auch in München waren höhere Preise für Parkausweise zuletzt ein Thema, wie Merkur.de* berichtete.

Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD): „Seit wann gewinnt man was durch Wegelagerei?“

Moderator Frank Plasberg hakte nach: „Seit wann gewinnt man was durch Wegelagerei?“ Man müsse die Menschen durch Überzeugung gewinnen, entgegnete Palmer. „Aber sie werden nur kooperativ gemeinsam ans Ziel kommen, wenn sie die Systeme komplett verändern.“ Danach brach eine lautstarke Diskussion unter den Teilnehmern aus. Der Ansatz der Tübinger OBs wurde kontrovers debattiert.

“Hart aber fair“ (ARD): Der Autofahrer wie der letzte Raucher auf der Familienfeier

Bereits zuvor hatte Palmer seinen Standpunkt klargemacht: „Ich finde, wir können im Zentrum der Städte nicht auf Klimawende, Energiewende und Mobilitätswende hoffen, wenn die Radfahrer keine Wege haben, weil die Plätze für die Autos reserviert sind.“ 

Ob er die Autofahrer mit dieser Einstellung vergrämen wolle? „Soll man sich vorkommen wie der letzte Raucher auf der Familienfeier?“, fragte Moderator Plasberg. „Nein soll man nicht“, so der Grünen-Politiker. Er halte vom Moralisieren des Themas nicht viel. „Ich gehe das pragmatisch an. Wenn ich in einer engen Straße in der Altstadt nur Platz für Autos oder Fahrräder habe, dann hat im Stadtzentrum das Fahrrad Vorrang.“

„Hart aber fair“: Autofreie Innenstadt würde die Geschäfte nicht kaputtmachen

Latif stieß ins selbe Horn: „Wir reden immer über Verzicht und nicht über das, was wir eigentlich gewinnen. Und eine autofreie Innenstadt ist meiner Meinung nach so etwas wie ein Kleinod - und es würde auch nicht die Geschäfte kaputtmachen.“ 

FDP-Politiker Lambsdorff konnte sich den beiden nicht wirklich anschließen: „Eine autofreieInnenstadt haben wir ja schon in ganz vielen Städten - heutzutage heißt das Fußgängerzone. Wir können uns auch ein bisschen besoffen reden, dass das alles ohne Verzicht geht.“ Palmer selbst hat allerdings bereits etwas aufgegeben: „Ich habe schon 25 Jahre kein Auto mehr und weiß, dass man damit gut leben kann.“ 

Boris Palmer ist bekannt für provokative Aussagen: Im vergangenen Jahr gab es große Diskussionen, weil er eine Werbe-Kampagne der Deutschen Bahn kritisiert hatte. Auch zum Thema Schnellladestationen für E-Autos äußerte Palmer bei „Hart aber fair“ eine kontroverse Meinung:

Aktuell ist das Thema Klimawandel vor allem Dank der Aktivistin Greta Thunberg in aller Munde. Ein Zukunftsforscher hat sich nun dazu geäußert, wie es mit ihrerFridays-for-Future-Bewegung weitergehen könnte

sep

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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