hart aber fair - der Talk im Studio
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hart aber fair - der Talk im Studio

Talk zur Schicksals-Wahl in den USA

hart aber fair (ARD): Republikaner wettert im deutschen TV gegen Biden - „durch und durch marxistisch“

Trump oder Biden? Bei „hart aber fair“ wurde einmal mehr klar, wie gespalten die Amerikaner vor der Wahl sind. Steht das Land sogar auf der Schwelle zum Bürgerkrieg?

  • Ingo Zamperoni appelliert: „Man muss für die Amerikaner kein Verständnis haben. Aber man sollte trotzdem versuchen sie zu verstehen.“
  • Journalist Matthew Karnitschnig ist überzeugt: „Wenn Trump verliert, werden seine Republikaner ihn fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.“
  • Republikaner George Weinberg: „Trump wird gewinnen, weil er eine erfolgreiche Innen- und Außenpolitik macht.“

Köln – Am Vorabend der Präsidentschaftswahl* schaut die Welt auf die USA. In den meisten Umfragen liegt der Demokrat Joe Biden klar vorn. Aber Trump holt auf. Was passiert, wenn er knapp verliert? Für den CDU-Politiker Norbert Rötten ist klar: „Dann gibt es für ihn keinerlei Schranken mehr.“

„hart aber fair“ - Diese Gäste diskutieren über die US-Wahl:

  • Norbert Röttgen (55, CDU) – Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
  • Ingo Zamperoni (46) - Moderator der ARD-Tagesthemen, Fernsehkorrespondent im ARD-Studio Washington
  • George Weinberg (72) - Aufsichtsrat der Republicans Overseas Germany.
  • Candice Cerestan (27) – Vorsitzende der Democrats Abroad Germany.
  • Christiane Lemke (69) - Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Universität Hannover.
  • Matthew Karnitschnig (48) – Europa-Korrespondent des amerikanischen Online-Portals „Politico“.

Außer George Weinberg, der Donald Trump ein hervorragendes Zeugnis ausstellt, sprechen sich alle Gäste gegen eine Wiederwahl des umstrittenen US-Präsidenten* aus. Dennoch ist allen Anwesenden bewusst: Die Gräben werden auf nach der Wahl tief bleiben.

Plasberg diskutiert: Haben die Deutschen keine Ahnung von der US-Politik

Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni ist aus Washington zugeschaltet, wo er gerade eine TV-Doku aufgezeichnet hat: „Trump, meine amerikanische Familie und ich“. Der Streifzug durch die USA, die Heimat seiner Frau, ging nahtlos in „hart aber fair“ über. Zamperonis Appell: „Man muss für die Amerikaner kein Verständnis haben, aber man sollte trotzdem versuchen, sie zu verstehen.“

Der österreichstämmige Journalist Matthew Karnitschnig vergleicht Trump mit Jörg Haider, bezeichnete ihn als „schlechte Kopie“ des charismatischen, 2008 bei einem Autounfall verstorbenen FPÖ-Parteichef. Obgleich offensichtlich kein Trump-Fan, mokiert sich Karnitschnig wiederholt über das gesunkene Ansehen der USA in den Augen vieler Deutsche: „Die Deutschen haben keine Ahnung von der US-Politik.“ Trump habe immerhin seine Wahlversprechen gehalten.

„hart aber fair“: George Weinberg: „Joe Bidens Wahlprogramm ist sozialistisch“

Um Trump-Anhänger George Weinberg geißelt Bidens Wahlkampf als „langweilig“ und verteidigt den Angriff von Trump-Anhängern auf einen Wahlkampfbus als „harmlos“. Bidens Wahlprogramm sei „durch und durch sozialistisch, marxistisch“.

Candice Cerestan, Vorsitzende der Democrats Abroad Germany, klärt anschließend auf, was die Republikaner damit meinen: „Alles, was der Staat reguliert, ist in ihren Augen sozialistisch, von der gesetzlichen Krankenversicherung bis zu kostenlosen Universitäten.“ Sie kontert Weinberg: „Immerhin hat Biden ein Wahlprogramm…“

„hart aber fair“-Talk: Christiane Lemke: „Wahl Donald Trumps wäre Stresstest für Demokratie“

Politik-Professorin Christiane Lemke doziert viel über amerikanische Geschichte und das Wahlrecht des Landes, findet aber auch deutliche Worte: „Eine Wiederwahl Donald Trumps wäre ein Stresstest für die Demokratie.“ Und: „Medizinische Versorgung hat nichts mit Sozialismus, sondern mit Lebensqualität zu tun.“

Karnitschnig findet mit Blick auf die vielen Trump-Sympathisanten unter evangelikalen Christen deutliche Worte: „Die Amerikaner sind bereit, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen.“ Schließlich sei Trump ein überführter Lügner, einer, der die Menschen in seinem Land bewusst spaltet. Röttgen pflichtet bei: „Die Evangelikalen sind eine bedeutende Wählergruppe, darum bedient er sie. Diese Instrumentalisierung finde ich abstoßend.“

Frank Plasberg will wissen: „Was passiert nach der Wahl?“

Gibt es unter den Republikanern jemand, der Trump im Falle einer Niederlage klarmacht: Das war’s jetzt, Donald? Karnitschnig: „Führende Mitglieder der Republikaner werden ihn fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.“ Röttgen nickte. Auch er ist sich sicher: Trump wird bei einer Niederlage zügig mit mehreren Zivilklagen konfrontiert werden, für die er als Präsident Immunität genießt.

Als Weinberg daraufhin nochmal ausholt und zum Rundumschlag gegen Bidens Sohn Hunter ausholt, dem unrechtmäßige Geschäfte in der Ukraine vorgeworfen werden, unterbricht ihn Candice Cerestan: „Die Menschen in den USA fragen sich ‚Kann ich meine Miete morgen noch bezahlen?‘, sie interessieren sich nicht für die Kinder von Biden und Trump.“

Flop bei „Hart aber fair“: Weinberg goss mit unfairem Vergleich Öl ins Feuer

Weinberg schießt übers Ziel hinaus, als er die blutigen Ausschreitungen der „Black Lives Matter“-Bewegung mit dem „harmlosen Abdrängen eines Wahlkampfbusses“ verglich: „Die Antifa ist schuld, dass Menschen starben.“ Für ihn ein Grund, den Law-and-Order-Präsidenten Trump zu wählen, der, hielt ihm Plasberg entgegen, diese Proteste mit Provokationen erst befeuert hatte.

Fazit: Keiner wird für Donald Trump in den Krieg ziehen

Trotz aller Schärfe im Wahlkampf – das gehöre zur amerikanischen Folklore, meint Karnitschnig – glaubt auch der „Politico“-Journalist nicht an einen Bürgerkrieg nach der Wahl: „Niemand wird für Donald Trump in den Krieg ziehen.“ Alles in allem kommt in der Talkarena keine rechte Wahlkampfkrimi-Stimmung auf. Vielleicht, weil die Trump-Gegner zahlenmäßig weit überlegen sind und Weinberg allein nicht viel ausrichten kann Nur beim Punkt „mögliche Verfassungsänderung in den USA“ landete er einen Wirkungstreffer: „Das habt ihr in Deutschland doch auch nicht geschafft“, sagt er mit einem Seitenhieb auf die kürzlich gescheiterte Wahlrechtsreform im Bundestag.

Am Wahltag finden Sie bei uns die neuesten Nachrichten zur Wahl im Wahl-Ticker der US-Wahl, sowie die neuesten Hochrechnungen, Zwischenergebnisse, den aktuellen Stand zur US-Wahl und natürlich wer der nächste US-Präsident wird. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redkationsnetzwerkes

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