Streit bei „hart aber fair“ (ARD)
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Streit bei „hart aber fair“ (ARD)

„Was nehmen wir als nächstes weg?“

Gipfel-Zorn bricht sich bei „Hart aber fair“ Bahn: Plasberg bekommt „Angst“

Lockdown und kein Ende? Bei „hart aber fair“ wurde parallel zum Bund-Länder-Gipfel getalkt. Weil das Ergebnis auf sich warten ließ, blieb Zeit für massive Kritik. 

Berlin - Der „hart aber fair“-Talk im Ersten lief am Montagabend zeitgleich zum Corona-Gipfel - eine Live-Schalte in die digitale Zusammenkunft mit der Kanzlerin gab es aber nicht. Am Ende reichte die Sendezeit bei weitem nicht aus, um noch die Ergebnisse der Bund-Länder-Runde zu präsentieren. So blieb Moderator Frank Plasberg und seinen Gästen nur, darüber zu spekulieren, ob es zu einem „dritten Lockdown statt weiter lockern“ kommen werde. Doch auch diese Versuchsanordnung geriet hitzig…

Eine Nacht später ist klar: Der Lockdown wird auch über Ostern bis zum 18. April verlängert. Ein offizieller Plan für danach: Fehlanzeige. Fakt ist aber auch, dass viele Länder und auch Kommunen inzwischen eigene Wege gehen. Thema der Sendung war das aber nicht. Bei Plasberg wurde hingegen ordentlich vom Leder gezogen: Gegen Staat, Regierung, Kanzleramt …

„Hart aber fair“ zum Corona-Gipfel: FDP-Generalsekretär bekommt Wut auf „den Staat“

FDP-General Volker Wissing machte den Anfang und verurteilte in der Sendung mögliche Ausgangssperren als „echte Zumutung“. Sichtlich erregt klagte der Landesminister in Rheinland-Pfalz mit deutlichen Worten den „Staat“ an, meinte damit wohl aber in erster Linie die Bundesregierung, die, so Wissing, „alles an sich ziehen“ wolle, die Menschen „gängele“ und sich in der Krisen-Organisation „verzettelt“ habe. Wissing haut ordentlich auf den Putz: „Was hier in Deutschland funktioniert, sind Freiheitsbeschränkungen!“ Was dagegen fehle, sei das Organisieren von Impfstoff, einer Teststrategie und das rechtzeitige Zur-Verfügung-Stellen von FFP2-Masken.

Corona-Streit bei „hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Karin Maag (CDU) - Gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU- Bundestagsfraktion
  • Volker Wissing (FDP) - Generalsekretär und Wirtschaftsminister Rheinland-Pfalz
  • Georg Mascolo - Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“
  • Elvira Rosert - Politikwissenschaftlerin und Mitautorin des Strategiepapier „No Co- vid“
  • Dr. Sibylle Katzenstein - Fachärztin für Allgemeinmedizin und Geriatrie

Hausärztin Dr. Sybille Katzenstein - die nach eigenen Angaben in Berlin bereits 2.700 Covid-Patienten behandelte, aber keine Ansteckung bei ihren vierzehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verzeichnete - appellierte eindringlich, den Menschen wieder mehr Eigenverantwortung zuzumuten. Es sei „fürchterlich einfach“ sich zu schützen: Mit FFP2-Maske und geöffneten Fenstern in geschlossenen Räumen. Es sei wichtiger, den Menschen die Werkzeuge in die Hand zu geben, „statt immer nur von oben gesagt zu bekommen, was man zu tun und zu lassen hat!“. Auch Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert stimmte ins Klagelied mit ein und monierte die Einfallslosigkeit der Politik: „Es geht immer nur darum: Was nehmen wir als Nächstes weg? Was schränken wir als Nächstes ein?“

Corona-Gipfel: „Viele haben das Gefühl, der Staat ist nicht in Bestform“

Journalist Georg Mascolo zeigte sich ebenfalls besorgt über die derzeitige Lage: „Viele Menschen haben das Gefühl, dass der Staat nicht in Bestform, nicht in Höchstform ist“. Auch die Ländervertreter seien enttäuscht von der schlechten Performance des Bundes, was wiederum das Vertrauen erschüttert habe und dazu führe, dass es keine Einigkeit, keine gemeinsame Strategie mehr gebe, die es eigentlich brauche, um „durch diese schwierige Phase“ hindurch zu kommen.

Bei so vielen Vorwürfen hat CDU-Politikerin Karin Maag keine leichte Rolle. Sie zeigte sich regierungstreu und schob den Ländern den „Schwarzen Peter“ zu, die sich zu sehr gegen die „klare Linie“ der Kanzlerin stellen würden. Maag: „Jeder hat da seine eigenen Interessen auf Landesebene und ich würde mir herzlich wünschen, dass wir endlich mal wieder zu einer einstimmigen Entscheidung kommen, die eine Halbwertszeit von mehr als 30 Minuten hat.“

Spahns Corona-Tests sorgen immer noch für Streit: Landes-Minister tobt bei Plasberg (ARD)

Wie tief die Gräben und wie deutlich die kommunikativen Schwierigkeiten sind, zeigte anschaulich ein Bund-Länder-Streit im Kleinen zwischen Maag und Wissing. Letzterer beschwerte sich in seiner Funktion als Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz, dass die angeblich zugesagten Tests der Bundesregierung immer noch nicht geliefert worden seien. Maag wandte sofort ein, dass es um die Kostenübernahme, nicht um die Beschaffung gegangen sei. Sie versetzte Wissing einen Seitenhieb: Einige Bundesländer verfügten sehr wohl bereits über Tests, weil sie sich selbst darum gekümmert hätten - Rheinland-Pfalz offensichtlich aber nicht … Wissing ließ das nicht auf sich sitzen und beharrte: Jens Spahn habe Anfang März sehr wohl ein Test-Versprechen gegeben! Maag ließ sich das letzte Wort nicht nehmen: „Nein, so war es nicht!“.

Am Ende der Sendung schaute Plasberg noch mal nach Berlin, um aktuelle Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens von der Reporterin abzurufen. Doch die meldete nur: „Es geht gar nichts“, die Bundeskanzlerin habe eine „Denkpause“ verordnet. Plasberg reagierte verstört: „Mir macht das Angst.“ Womöglich war er da nicht der einzige …

Fazit des „hart aber fair“-Talks

Vielleicht hatten Frank Plasberg und seine Redaktion gehofft, exklusiv und live über die aktuellen Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz zu talken. Das wäre vermutlich schon ein kleiner Coup gewesen - doch die Kanzlerin und die Landeschefs machten der Idee einen Strich durch die Rechnung. Konkrete Ergebnisse gab es erst nach Ablauf der Sendezeit. So blieb den Gästen nur die Hypothese - und das Meckern. Was deutlich wurde: Der Unmut ist groß. Aber Zuschauer erwarten eigentlich mehr …

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