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Moderator Frank Plasberg (r.) beruhigt Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen. 

„Hart aber fair“

Grünen-Chefin wütet so lange gegen CSU-Generalsekretär, bis Plasberg sie stoppen muss

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Am Montagabend diskutierte „Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen über Flüchtlinge und Kriminalität. Besonders Grünen-Chefin Annalena Baerbock redete sich in Rage. 

Berlin - „Flüchtlinge und Kriminalität“ - was als Diskussions-Thema recht plump und durchgekaut daherkommen mag, war am Montagabend Gegenstand der Debatte im ARD-Talk „hart aber fair“. Und wie auch in vergangenen Talk-Runden zu diesem Thema, gab es an diesem Abend erneut Streit. 

Eingeladen hatte Moderator Frank Plasberg Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen, den Generalsekretär der CSU, Markus Blume, BKA-Chef Holger Münch, Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung, und Isabel Schayani, WDR-Journalistin und Moderatorin des „Weltspiegel“.

CSU-Mann Blume und Grüne Baerbock auf Konfrontationskurs

Die wohl hitzigste Diskussion führten Blume und die Grünen-Chefin Baerbock. Während der CSU-Generalsekretär vor jungen Zuwanderern warnte, vor allem jenen aus den Maghreb-Staaten, hielt die Bundesvorsitzende der Grünen ein flammendes Plädoyer für die Integration von Flüchtlingen und gegen die Klassifizierung nach sicheren Herkunftsländern. Man müsse hingegen von Einzelfall zu Einzelfall differenzieren, befand Baerbock. 

Verfassungsrechtlich sei deutlich geregelt, dass es im gesamtem Land Verfolgungssicherheit für alle Gruppen geben müsse. In Algerien, beispielsweise, hätten Homosexuelle, Frauen und kritische Journalisten mit Einschränkungen bis hin zu Verfolgung zu rechnen. „Wenn sie diese Maßstäbe anlegen, sind diese Länder keine sicheren Herkunftsstaaten.“ Danach habe sich auch die CSU zu richten, schiebt sie in Richtung Blume nach. 

Markus Blume, Generalsekretär der CSU. 

Der verwies auf die Gespräche zur Jamaika-Koalition, bei denen die Grünen mitunter auch über solch eine Einteilung der Herkunftsländer verhandelten. Baerbock konterte sofort scharf, dass dieses Thema keines der Grünen, sondern der CSU gewesen sei. Doch Plasberg unterbricht die Diskussion und will die Gemüter beruhigen. 

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„Über welche Menschen sprechen wir jetzt?“

Was aber nicht gelingt: Etwas später in der Sendung, das Gespräch dreht sich mittlerweile um Flüchtlinge aus Afghanistan und deren Einstellung gegenüber Frauen, wird Baerbock wieder vehementer. Eine für ihren Geschmack zu allgemeine Formulierung Plasbergs, ob es denn gelingen könne, diese Menschen zu integrieren, kontert die 37-Jährige: „Da fragt man sich doch: Über welche Menschen sprechen wir jetzt? Bei Menschen, die in patriarchalen Strukturen aufgewachsen sind, wo Frauenrechte nichts gelten, ist es ein Riesenproblem, wenn die hierher kommen und dann einen absoluten Kulturschock haben. Aber nochmal: Das sind alles ganz unterschiedliche Menschen. Etliche von denen sind genau davor geflohen. Weil sie Frauen sind und vor Ort vergewaltigt werden, weil sie gesteinigt werden, weil sie ihre Männer in Afghanistan verlassen haben oder auch die Männer, die geflohen sind, weil sie gesagt haben, wir wollen in solchen Strukturen nicht leben.“ Die große Herausforderung sei, da sauber zu trennen. In einem Pass stehe ja nicht, diese Person sei ein Straftäter. 

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Die restlichen Gäste fallen weniger auf

Der neutralste Gast an diesem Abend war wohl Holger Münch, Chef des Bundeskriminalamts. Der präsentierte nüchtern die Zahlen (weniger Straftaten von Zuwanderern, obwohl die Gruppe der Zuwanderer neu definiert wurde und damit mehr Personen umfasst) und tat auch sonst seine Meinung nüchtern kund.  

Professor Koopmans war häufig ähnlicher Meinung wie Markus Blume, Isabel Schayani hingegen bemühte sich, Flüchtlingen ein menschliches Gesicht zu geben. Vor allem, dass meist nur über „die“ und „wir“ gesprochen werde, stört die „Weltspiegel“-Moderatorin in der Diskussion. Einen gemeinsamen Konsens finden die Gäste an diesem Abend also nicht. 

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