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Die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz führte bei „Hart aber fair“ zu kontroversen Diskussionen. 

Ist Martin Schulz die erhoffte Alternative zu Merkel? 

Hart aber fair: Kraft verrät Schulz-Schwäche - Lindner wortgewaltig  

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Berlin - Bei „Hart aber fair“ schalteten die Protagonisten bereits in den Wahlkampfmodus: Lindner zeigte sich wortgewaltig, Kraft und CDU-Mann Reul zofften sich. 

Eine euphorisierte Basis, ein regelrechter Social-Media-Hype und obendrein die besten Umfrage-Werte seit Jahren: Die SPD hat nach der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten für ordentlich Aufruhr in der Parteien-Landschaft Deutschlands gesorgt. Eine solch drastische Veränderung im öffentlichen Stimmungsbild innerhalb weniger Wochen gebe es nur ganz selten, wie Nico Siegel von infratest dimap gleich zu Beginn der Talkshow „Hart aber fair“ zitiert wurde. Einen derartigen Anstieg allein durch die Nominierung habe man sogar noch nie gemessen. Vor diesem Hintergrund titelte der Polit-Talk: „Der Alternative – wie gefährlich wird Schulz für Merkel?“ 

Eine Frage, zu der die unterschiedlichen Parteien wenig überraschend kontroverse Meinungen hatten. Während Hannelore Kraft, aktuelle SPD-Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen, ihren Parteikollegen angesichts eines noch unklaren Wahlprogramms verteidigte und zur allgemeinen Ruhe mahnte, wurde sie von fast allen Seiten - sei es von FDP-Chef Christian Lindner, Armutsforscher Christoph Butterwegge oder Journalist Hajo Schumacher - inhaltlich angegriffen. Besonders schien allerdings CDU-Mann Herbert Reul an der Schulz-Kritik Gefallen gefunden zu haben. Immer wieder griff er Schulz ob seiner angeblichen Verstrickung in Mitarbeiter-Vergünstigungen an und warf ihm Amtsmissbrauch vor; sogar ein mehrseitiges Dossier hatte er hierfür erstellt. "Wenn das alles so schrecklich ist, wieso hat ihre Fraktion ihn dann zwei Mal zum Präsidenten gewählt?“, konterte Kraft cool und ließ Reul, der sich fast ständig in Rage redete und die ganze Sendung über „ziemlich angefasst“ (O-Ton Plasberg) wirkte, deutlich auffahren. 

Beim Thema Steuerdumping geht Lindner aus dem Sattel 

Dabei hatte Kraft am Anfang selbst einigermaßen offensichtlich durchblicken lassen, wo der SPD-Kanzlerkandidaten die größte Angriffsfläche bietet. „Er sagt ja nichts anderes als Sigmar Gabriel sagt, oder als ich sage“. Eine Steilvorlage, die Reul nicht wirklich aufgriff - im Gegensatz zu den anderen Anwesenden. So kritisierte Butterwegge die von Schulz angedachte Agenda-Abkehr als inhaltlich nicht sozial genug, während Schumacher den SPD-Kanzlerkandidaten als „Lafontaine-light“ bezeichnete und ihn wegen seiner Untätigkeit gegen Steuerschlupflöcher rügte. Schulz großer Vorteil - nämlich „neu“ zu sein - reiche bloß „für die erste Welle", so der Journalist. 

Und Lindner? Der blieb erst einmal handzahm. Schließlich sei auch die FDP im Aufwind. „Wir haben, seit Martin Schulz Kanzlerkandidat ist, allein in NRW 450 neue Mitglieder“, so Lindner. Dafür, dass die SPD lange Zeit unterbewertet gewesen sei, gönne er der Partei mögliche zehn zusätzliche Abgeordnete jedenfalls mehr als der AfD. Großer Applaus. Doch wenig später dann wieder der angriffslustige, in alle Richtungen austeilende Lindner. Merkel beispielsweise habe nach seiner Einschätzung die deutsche Politik narkotisiert. Außerdem, und hier ließ sich Lindner kaum mehr einbremsen, habe Schulz „die Steuerdumping-Ideen aus Luxemburg lange gedeckt“. Nachdem Kraft das als „Quatsch“ abtut - der europäische Rat habe nicht mitgezogen - ist Lindner auch nicht mehr von Moderator Plasberg einzufangen. "Frau Nahles ist dabei, den Rentenversicherungsbeitrag auf 25 Prozent zu erhöhen. Und dann gleichzeitig macht Frau Kraft eine Entscheidung, dass die Grunderwerbssteuer erhöht werden. Man muss sich doch nicht wundern, dass die Leute in der Mittelschicht sauer werden, wenn ihnen jede Möglichkeit, Eigentum zu erwerben, genommen wird“, wettert er. 

Erst hier wird Plasberg wieder Herr der Situation; dann ist die Sendung, die mehr Emotionen und Zoff als Argumente lieferte, allerdings auch schon fast vorbei. 

lpr

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