„Hart aber fair“ im Ersten zum Kanzlerkampf der Union
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„Hart aber fair“ im Ersten zum Kanzlerkampf der Union

„Aus Mist Marmelade machen“

„Zwei gravierende Übel“: Experten urteilen bei Plasberg hart über Söder-Laschet-Zoff - und geben klare Prognose

In der Union ist ein Kampf um die Kanzlerkandidatur entbrannt. „Hart aber fair“ kam mit Sondersendung und der Frage: „Verstolpert die Union das Kanzleramt?“

Kurzfristig fegte Frank Plasbergs Redaktion das geplante „Hart aber fair“-Thema vom Tisch. Eigentlich sollte im Ersten das neue Infektionsschutzgesetz debattiert werden. Dann schien der Kanzler-Streit der Union doch wichtiger. Während der bayrische Ministerpräsident und CSU-Chef Söder mit Umfragewerten punkten will, setzt der CDU-Parteivorsitzende Laschet auf den Rückhalt im Parteipräsidium. Noch diese Woche soll die Entscheidung stehen.

Im Plasbergs Talk teilen die Gäste ordentlich gegen die Union aus. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil macht den Anfang und vergleicht Söder und Laschet mit „zwei Zügen“, die „aufeinander zu rasen“. Klingbeil echauffiert sich: „Ich frage mich, ob die Union noch Führungsverantwortung übernehmen kann in diesem Land!“ Die aktuelle Situation zeige, wie „tief die Gräben innerhalb der Union seien“, so der SPD-Mann.

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Markus Blume (CSU) - Generalsekretär
  • Herbert Reul (CDU) - Innenminister von Nordrhein-Westfahlen, zugeschaltet
  • Lars Klingbeil (SPD) - Generalsekretär
  • Alexander Graf Lambsdorff (FDP) - stellvertretender Fraktionsvorsitzender
  • Kristina Dunz - stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND)
  • Albrecht von Lucke - Publizist, Jurist und Politologe

Journalistin Kristina Dunz formuliert mit einem skurrilen Vergleich ein zwiespältiges Söder-Lob. „Eine Stärke von Herrn Söder ist, aus Mist Marmelade zu machen und damit zu glänzen“, so die Journalistin süffisant. Laschet könne von Söder lernen, „sich etwas besser darzustellen, als er vielleicht ist“. Ernster wird ihre Miene bei der Frage, welche Folgen „das Vorpreschen Söders“ haben können. Dunz: „Eine klare Kampfansage des CSU-Chefs, die die Union wirklich in die Spaltung treiben kann und damit auch in den Verlust dieser Wahl!“

„Hart aber fair“-Gast kommentiert: Die Union kann nur zwischen zwei Übeln entscheiden

Auch Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke, der sich selbst dem linken Lager zuschreibt, sieht die Union derzeit in einem Dilemma, das die CDU/CSU-Fraktion vor eine schwere Aufgabe stelle: „Die Bundestagsabgeordneten werden morgen zwischen zwei gravierenden Übeln zu entscheiden haben“, prognostizierte er am Montagabend düster. Entweder sie entscheiden sich für den „eklatant schlechteren Kandidaten - Armin Laschet“, oder man sorge dafür, dass Söder bei einer Entscheidung der Fraktion für ihn, „die gesamte Parteispitze düpiert“.

NRW-Innenminister und Laschet-Befürworter Reul ist um seine Rolle nicht zu beneiden, als er nun versucht, seinen Ministerpräsidenten - nach so vielen Seitenhieben - zu verteidigen. Laschets Stärke, so Reul, sei es „Menschen unterschiedlicher Meinung an einen Tisch zu bringen“. Er wisse zwar, „der Effekt gehört dem, der die dicke Show macht“, versucht Reul einen Seitenhieb auf Söder, „doch wer gibt die Antworten für die Zeit danach?“ Und: „Wir wollen keinen Populismus bedienen! Wir wollen die breite Bürgerschaft abdecken!“ Laschet sei ein Kandidat, der authentisch sei und damit die Anforderung an die Kanzlerschaft besser erfülle als der bayerische Kontrahent.

Söder oder Laschet: Plasberg zeigt Umfrage - das Ergebnis fällt klar aus

Plasberg zeigt sich skeptisch und fragt rhetorisch, ob der Politikertyp „redlich und echt“, der sei, der sich am Ende durchsetzt? Zur Antwort blendet er aktuelle Umfragewerte zu einer direkten Kanzlerwahl ein - ohne sich nehmen zu lassen, NRW-Innenminister Herbert Reul vorzuwarnen: „Das bleibt ihnen jetzt nicht erspart...“ Denn bei diesen Umfragewerten liegt Laschet derzeit bei 14 Prozent - hinter SPD-Kandidat Olaf Scholz mit 16 und der bislang noch unentschiedenen Doppelspitze von Bündnis 90/Die Grünen Robert Habeck und Annalena Baerbock mit 18 Prozent.

Reul fällt da nur noch ein müdes „auf Umfrage-Werte würde ich jetzt nicht so setzen“ ein - und Lambsdorff spottet: „Nach dieser Umfrage könnten Olaf Scholz, Robert Habeck und Annalena Baerbock auch gleich einpacken!“

Doch Plasberg setzt nach der Laschet-Umfrage-Pleite noch einen drauf und spielt eine Straßenumfrage seiner Redaktion ein. In München und Düsseldorf wurde gefragt: Was denken die Menschen über die jeweiligen Kandidaten? „Konsequent“, „der weiß, was er will“, „zielbezogener“, „er stellt was dar - auch im Ausland“, heißt es da über Söder. Über Laschet dagegen: „zu lieb“, „zu wankelmütig“, „nicht staatsmännisch“ und sogar „pummelig“. Da hilft es wenig, wenn Plasberg ein „nicht repräsentativ“ hinzufügt - die Botschaft ist bei den Zuschauern angekommen.

CSU im Kanzler-Kampf: Blume verweist auf Probleme anderer Parteien

Plasberg wechselt zum Einzelinterview mit CSU-Generalsekretär Markus Blume, der aus München zugeschaltet wird. Der bittet gleich zu Beginn „die Kirche im Dorf zu lassen“. Und er rüffelt Plasbergs Talk-Runde: „Ich sehe noch andere Parteien, die ihre Personalfragen noch nicht geklärt haben - das hält jetzt nicht die gesamte Nation im Atem!“

Fakt sei doch, dass es zwei potentielle Spitzenkandidaten gebe, die den Rückhalt in der Partei haben. Das würde er „als Luxusproblem bezeichnen“, so Blume. Der CSU-General ist sicher: „Am Ende der Woche wird es eine gemeinschaftliche und kluge Entscheidung geben.“

Wer hält die nächste Neujahrs-Ansprache, will Plasberg zum Ende seiner Sendung von seinen Gästen noch wissen. Mit anderen Worten: Wer wird Bundeskanzler. Der Name Laschet fällt dreimal - Söder wird nicht genannt.

Fazit des „Hart aber fair“-Talks

Wird Söder Kanzler? Manche freut’s - anderen wird es bange. Um politische Inhalte oder Charakterfragen ging es in der Sendung aber wenn, dann nur am äußersten Rande. Ergötzt wurde sich hier am Ränkespiel.

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