Frank Plasberg führt durch die Sendung Hart aber fair (ARD)
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Frank Plasberg führt durch die Sendung Hart aber fair (ARD)

Urlaub im Corona-Lockdown

Bittere TV-Panne bei „Hart aber fair“: Messner fliegt aus der Sendung - ARD gibt Erklärung ab

  • Momir Takac
    vonMomir Takac
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Bei „Hart aber fair“ drehte sich alles um das Thema Urlaub nach dem Corona-Lockdown. Die Diskussion wurde von einer Panne überschattet. Dazu äußerte sich nun die ARD.

  • Bei „Hart aber fair“ diskutierten Moderator Frank Plasberg und seine Gäste über Urlaub nach dem Corona-Lockdown.
  • Zu dem Thema sollte auch Extrembergsteiger Reinhold Messner seine Einschätzung abgeben.
  • Doch dazu kam es wegen einer Panne nicht. Die ARD reagierte inzwischen.

Update vom 24. Februar 2021, 15:54 Uhr: Frank Plasberg hatte in der letzten „Hart aber fair“-Sendung viel Geduld. Zum Thema Coronavirus und Urlaub wollte der Moderator nicht nur seine Studiogäste befragen, auch Reinhold Messner sollte seine Meinung äußern.

Der Extrembergsteiger war allerdings nicht im Studio, sondern aus Bozen in Südtirol zugeschaltet. Und das erwies sich als Problem. Die Technik wollte einfach nicht mitspielen. Es begann mit Tonproblemen, die sich fortsetzten. Zuschauer sahen schließlich nur noch ein Standbild Messners - ohne Ton.

Panne bei „Hart aber fair“: Sender ARD äußert sich

Plasberg witzelte zunächst noch und bat um Geduld, der Gesprächspartner werde gleich zu hören sein. Doch nach 20 Minuten folgte der Hinweis der Regie, dass es doch nichts werde. Der Bildschirm mit Messners Konterfei darauf wurde abmontiert. Der Moderator kündigte an, ihn ein anderes Mal in die Sendung zu holen.

Was der Grund für die technische Panne war, war auch einen Tag später unklar. Die ARD* äußerte im Namen der „Hart aber fair“-Redaktion dem Newsportal watson gegenüber: „Wir arbeiten an der Fehleranalyse. Offenbar hat es auf dem Weg zwischen Berlin und Bozen mehrere Probleme mit den Leitungswegen gegeben.“

„Hart aber fair“: Moderator Frank Plasberg wusste von technischen Problemen

Offenbar bestand das Problem bereits vor der Sendung. Das erklärt auch Plasbergs Worte „es wird schwierig, aber unterhaltsam.“ Wie die Redaktion weiter erklärte, sei es kurz vor dem Start aufgefallen. Eine Reparatur der Leitung habe sich jedoch nicht mehr bewerkstelligen lassen.

Wann Messner bei „Hart aber fair“ zu sehen sein wird, steht unterdessen noch nicht fest. „Mit Herrn Messner haben wir noch keine weiteren Absprachen getroffen“, hieß es weiter gegenüber watson.

Bittere TV-Panne bei „Hart aber fair“! Messner fliegt aus der Sendung - Plasberg: „Nehmt ihn mal bitte weg“

Erstmeldung vom 23. Februar 2021

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Andreas Bovenschulte (SPD) - Bürgermeister von Bremen, zugeschaltet
  • Corinna Pietsch - Virologin am Universitätsklinikum Leipzig
  • Norbert Fiebig - Präsident Deutscher Reiseverband DRV
  • Reinhold Messner - Extrembergsteiger, zugeschaltet
  • Andrea Zschocher - Journalistin
  • Manuel Andrack - Reisebuchautor

Ganz schön „verrückt“ einen Talk zum Thema „Lockdown ohne Ende – ist jetzt die Zeit, trotzdem den Urlaub zu planen?“ im Öffentlich-Rechtlichen zu starten, findet selbst Moderator Frank Plasberg. Seiner Sendung schiebt er zur Sicherheit schon mal eine Entschuldigung vorweg: „Drüber reden, schadet ja nicht …“ Dass Plasberg mit seinem aktuellen Reizthema aber auch vielen Mensch aus der Seele spricht, soll die Umfrage zu Beginn der Sendung verdeutlichen. Auf die Frage, was sie als erstes nach dem Lockdown machen würden, kommt als Antwort von den Befragten: „Urlaub!“

„Sie haben einen Fehler gemacht“, kündigt Plasberg seinen ersten Talk-Gast an. Die Journalistin Andrea Zschocher hat kurz vor der Sendung die Sozialen Medien gecheckt und neue Hass-Kommentare entdeckt. Anlass des Sturms im Internet: Zschocher sitzt mit Mann und drei Kindern seit 68 Tagen auf 80 Quadratmetern fest und hatte angekündigt, in den Sommerferien mit ihrer Familie verreisen zu wollen - auf eine einsame Berghütte. In Zeiten von Corona reicht das, um den Zorn der Menschen zu entflammen. „Ich will einfach mal alleine sein“, rechtfertigt Zschocher ihre Entscheidung beinahe flehend. Und fügt später fast reumütig hinzu: Sie habe es extra so eingerichtet, dass sie auch noch problemlos stornieren könne.

Verbandspräsident Norbert Fiebig verteidigt die Reisebranche: Nicht immer alles kaputt reden!

Dass Urlaub inzwischen wie Teufelswerk empfunden werde, davon kann auch der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, ein Lied singen. Seine Branche liegt seit fast einem Jahr in weiten Teilen tot am Boden, vielen Anbietern stünde das Wasser bis zum Hals. Fiebig: „Hier fehlt‘s vielleicht ein bisschen an der Sensibilität und auch dem Sachverstand, was Touristik leisten kann.“ Mit „hier“ meint er unter anderem die Virologin Corinna Pietsch, die einen Spaziergang im Wald okay findet, „Kreuzfahrten, Flugreisen, Partyurlaub am Strand und Städtereisen“ aber deutlich auf die rote Liste schiebt.

Reiselobbyist Fiebig kommt in Fahrt und widerspricht heftig: Schnell- und Hygienetests hätten auf Kreuzfahrtschiffen super funktioniert. Von 70.000 Beförderungen der TUI seien nur vier positiv getestet gewesen - und die waren auch noch symptomfrei. Norbert Fiebig warnt, nicht immer alles kaputt zu reden. Die Virologin kontert schnoddrig: „Dass da null Kontakte bei Landgängen bestehen, kann ich mir nicht vorstellen.“

TV-Panne bei „Hart aber fair“: Plasberg zu Messner: „Nehmt ihn mal bitte weg“

Dann wollte Plasberg unbedingt die Einschätzung von Extrembergsteiger Reinhold Messner erfahren, doch eine technische Panne verwehrte ihm das. Dabei kündigte Plasberg bei Sendungsbeginn schon groß an: „Es wird schwierig, aber unterhaltsam.“ Denn Messner war aus Bozen in Südtirol zugeschaltet, es dauerte etwa drei Sekunden, bis der Ton bei ihm ankam. Bei der Begrüßung funktionierte noch alles. Doch schon nach den ersten zehn Sendungsminuten sah der Zuschauer immer ein gleiches Bild von Messer. „Gleich ist er zu hören, Geduld“, sagte Plasberg an einer Stelle. Schon leichtes Lachen im Studio. Doch das Bild war eingefroren. Der Moderator witzelt, als er es noch einmal versucht: „Herr Messner, mein Name ist Plasberg, wir sind bei ‚Hart aber fair‘ und ich würde mich freuen, wenn Sie gleich dabei sind.“ Nichts. Der Moderator, etwas verzweifelt, kündigte an, man werde sich noch mal sammeln, „noch mal 20 Euro in die Leitung investieren“ und später einen weiteren Versuch starten.

Doch daraus wurde nichts. Nach 20 Minuten stellt sich Plasberg vor den Bildschirm mit dem eingefrorenen Messner-Bild und hört von der Regie: „Es wird nicht klappen, wir werden ihn hinterher einmal anrufen und uns entschuldigen.“ Plasberg, weiter etwas aufgeregt wirkend: „Nehmt ihn mal bitte weg, weil jetzt werden Bühnenarbeiter kommen und ich möchte nicht, dass es so aussieht, als wenn wir ihn raustragen. Vielleicht legt ihr ein anderes Bild drauf?“ Kurze Zeit später tauchen die Mitarbeiter auf und ziehen Messner den Stecken. Dabei verschwindet auch Bürgermeister Bovenschulte kurzzeitig, doch er kommt später wieder.

Reisebuch-Autor Manuel Andrack macht einen Gag, nachdem Messner aus der Sendung geflogen war

Als Urlaubsretter darf nun Wanderexperte Manuel Andrack auftreten, der spontan für Reinhold Messner einspringt. Andrack, ehemaliger Gag-Schreiber und Sidekick der „Harald Schmidt Show“, kann sich einen Spruch nicht verkneifen: „Witzig, dass der Mann, der den Yeti gefunden hat, eingefroren ist.“

Es gebe eventuell eine Möglichkeit für das Volk, doch noch zum Urlaub zu kommen, verkündet Plasberg: Individualtourismus in der freien Natur. Der Moderator ist bemüht, seinen Zuschauern das Wandern als das neue Mallorca zu verkaufen. Da Messner ausgefallen ist, soll nun der „Wanderpapst in Deutschland“ (O-Ton Plasberg) Manuel Andrack die Werbetrommel rühren. Der propagiert brav: Wandern sei das Einzige, was man viruskonform machen könne. Dann widerspricht er sich allerdings ein wenig, wenn er warnt, dass nicht alle an die gleichen Orte fahren sollten, wie vor kurzem nach dem Schneefall im Harz. Andrack: Die Wander-Community in Deutschland sei im letzten Jahr um eine Million angewachsen.

Vom Thema Reisen geht es zum Thema Fußball. Dass das nicht so weit auseinanderliegen, zeigt ein Einspieler: Die Mannschaften fliegen zu Pokalspielen allerorts munter durch die Lüfte - Quarantäne? Fehlanzeige. Der Bremer Bürgermeister Bovenschulte räumt ein, dass zur Berufsausübung andere Regeln gelten als zum privaten Reisen - will sich aber nicht unbeliebt machen und setzt schnell hinterher, dass das jetzt schon schwer vermittelbar sei. Andrea Zschocher sichtlich genervt: „Klar, da hängt eine Menge Geld dran.“ Aber der Sportverein für die Kinder ist dicht.

„Hart aber fair“: Bürgermeister Andreas Bovenschulte gibt eine Prognose für die Osterferien

Bovenschulte nimmt dann auch noch alle Hoffnungen auf einen Osterurlaub, wenn er durch die Blume erklärt: „Wir müssen ein bisschen auf Sicht fahren, und dann vielleicht zwei Wochen oder drei Wochen vorher sagen: Entweder sind die Zahlen runtergegangen und wir können uns das in Kombination mit Schutzmaßnahmen wie Schnelltests leisten, oder wir liegen bei 60, 70, 80 und dann, glaube ich, ist tatsächlich nicht die Zeit, um den Osterreiseverkehr zu eröffnen.“

2,1 Prozent der Deutschen sind bislang vollständig geimpft, rechnet Plasberg vor. Auch unter Idealbedingungen könnten bis zu den Sommerferien bloß 50 Prozent der Über-20-Jährigen geimpft sein. „Wir impfen nicht, um jemanden lustig in den Urlaub zu schicken“, mahnt die Virologin streng - und alle sind wieder stumm.

Fazit des „Hart aber fair“-Talks

„Schön, dass wir mal wieder gesprochen haben!“, heißt es nach einem Kaffeekränzchen, Feierabendbier oder dem Wiedersehen mit einem Bekannten. Ein wenig Abklopfen von Stimmungen und Befindlichkeiten, ein bisschen Aufregen, ein bisschen Lamentieren – das tut der Seele gut und weiter geht’s. So in etwa war auch die Stimmung der Sendung, viel nettes Plaudern, um Infos ging es da nicht. *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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