Die Gäste bei „Hart aber fair“
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Die Gäste bei „Hart aber fair“

Pandemie-Ende in Sicht? 

„Hart aber fair“: Plasberg düpiert Lauterbach und stellt dessen Polit-Zukunft infrage

Wann kehren wir wieder zur Normalität zurück? Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen unterschiedliche Strategien und fordert einen Ausblick: Wann ist das alles endlich vorbei? 

Berlin - „Wann wird es endlich wieder Sommer?“, fragt Frank Plasberg in seiner „Hart aber fair“-Talk-Anmoderation im Ersten in Anspielung an den alten Rudi-Carrell-Schlager. So ein Sommer, wie er früher einmal war? Ohne Ausgangssperren, Abstandsregelungen und Maskenpflicht im Freien? Und, will Plasberg weiter wissen, wenn er kommt - gilt er dann für alle? Und für wie lange?

Karl Lauterbach macht zu Beginn der Sendung klar, wie er sich die nächsten Wochen vorstellt, wenn wir noch drei Wochen im Pandemie-Status „durchhalten“: „Draußen ist vieles möglich, in Innenräumen nicht!“ Plasberg zeigt sich erstaunt und hält seinem fleißigsten Talk-Show-Gast des vergangenen Jahres dessen eigenes Zitat vor: „Ich glaube, die große Zeit der Pandemie ist vorbei!“, hatte der Gesundheitsökonom kürzlich erklärt.

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Prof. Karl Lauterbach (SPD) - Bundestagsabgeordneter
  • Prof. Christiane Woopen - Vorsitzende des Europäischen Ethikrates      
  • Natalia Bachmayer - Leiterin des ARD-Fernsehstudios Madrid, zugeschaltet
  • Anna Mayr - Politik-Redakteurin bei der Zeit
  • Ute Dallmeier - Präsidiumsmitglied des Deutschen Reise-Verbandes
  • Cornelia Poletto - TV-Köchin, Gastronomin

Lauterbach in seinem typisch rheinischen Sing-Sang: „Das gilt, wenn überhaupt, nur für Deutschland. Wenn man die ganze Welt betrachtet, dann ist gerade der Beginn der Pandemie überwunden!“ Und er stellt klar: „Fünf Milliarden Menschen werden Ende des Jahres noch nicht geimpft sein.“ Als die Blicke in der Runde düster werden, wird Lauterbach etwas milder: In Deutschland liefe es aber gerade gut, räumt er ein. Sinkende Fallzahlen und fortschreitende Impfungen seien eine „sehr glückliche Kombination“.

Die Jüngste in der Runde, die 28-jährige Zeit-Redakteurin Anna Mayr, überrascht nun als Bedenkenträgerin: „Mir kommt das Ganze so ein bisschen surreal vor“, moniert sie, eine Urlaubs-Debatte würde „gerade einen Tacken“ an dem vorbeigehen, „was die Bevölkerung sich eigentlich wünscht!“ Woher sie die Wünsche der Bürger kennt, verrät sie nicht. Mayr: „Ich habe kein gutes Gefühl dabei, zu sehen, wie Menschen nicht gut darin sind, Gefahren abzuschätzen.“

Moderator Plasberg düpiert bei „Hart aber fair“ Lauterbach in der Live-Sendung

Ob die Freiheiten eigentlich für alle gelten, will Plasberg wissen. Ethikerin Woopen gibt eine Prognose, wie es in Zukunft laufen könnte. Die Bürger würden in Kategorien eingeteilt: Genesene, Geimpfte und Getestete. „Das kann so funktionieren, dass jeder ein anderes Ticket bekommt, auf dem er dann die gleichen Freiheiten leben kann“, erklärt Woopen und macht ihren Standpunkt deutlich: Nur den ersten beiden Gruppen Vorteile zu gewährleisten, halte Woppen „nicht für angemessen“. Das führe zu „einem Gerechtigkeitsproblem“, zu „Unmut“ und zur „Neid-Debatte“.

„Was denken Sie als Mediziner darüber?“, will Plasberg an Lauterbach weitergeben. Doch der Moderator düpiert damit Woopen: „Medizinerin bin ich auch!“, wirft sie ein. Plasberg versucht die Kurve zu kriegen und schmiert Woopen Honig um den Mund: „Sie sind für mich in erster Linie die europäische Ethikrat-Päpstin. Sie gucken ein wenig von der Loge drauf …“ und ergänzt mit Blick auf Lauterbach, der als Sohn eines Arbeiters aufwuchs und als Kind diskriminiert wurde, mit einem unglücklichen Vergleich: „… während er im Kohlekeller noch arbeitet.“

„Hart aber fair“-Talk: Ethikrat-Präsidentin mahnt die Politik - Transparenz und Gerechtigkeit sind jetzt besonders wichtig!

Lauterbach ist sichtlich angezählt, doch Woopen steht ihm bei: „Ich pendle auch gerne zwischen den Etagen hin und her“, wirft sie Plasberg vor die Füße. Und Lauterbach gibt ihr erleichtert das Wort: „Ladys first!“, und gibt später noch den Hinweis dazu, dass Woopen und er gemeinsam studiert hätten.

Woopen stellt klar, dass eine medizinische Definition, wer Pandemie-Treiber sei und wer nicht, noch ausstehe. Woopen sieht die Handlungsaufgabe bei der Politik: „In Zeiten, wo etwas knapp wird, wird die Gerechtigkeitsfrage umso dringender.“ Die Politik müsse in Zeiten, in denen sie auf die Disziplin und die Solidarität der Bevölkerung angewiesen ist, besonders glaubwürdig sein, so Woopen. Und weiter: „Aber auch transparent sein und möglichst gerecht sein, damit die Bevölkerung mitgeht.“ Es führe zu populistischen Strömungen, „wenn sich ganze Gruppen vergessen fühlen.“

Wie das gehen kann, schildert Madrid-Korrespondentin Natalia Bachmayer. Eine Neid-Debatte wie in Deutschland gebe es in Spanien nicht. Das liege vielleicht auch daran, dass der Zusammenhalt der Generationen im südlichen Europa sehr stark sei. Das Motto laute dort eher: „Hauptsache unsere Oma ist in Sicherheit!“ Plasberg spielt Feier-Bilder ein, die Spanier beim ausgelassenen Tanzen - ohne Maske - zeigen. Die ARD-Journalistin kommentiert: „Auch wenn die Spanier in der vierten Welle stecken, ihre Lebensfreude lassen sie sich nicht nehmen!“

Plasberg will von Lauterbach wissen, wie er ohne Listenplatz die Wahl gewinnen will

Wie geht es eigentlich im Herbst weiter, wagt Plasberg einen Ausblick für die Nach-Urlaubs-Saison. Und Lauterbach gibt wieder den Mahner: „Wenn wir jetzt noch eine gefährliche Mutation wie die indische über England nach Deutschland bekämen“, warnt der SPD-Mann, könnte es passieren, „dass wir mit dieser Mutation dann im Herbst zu kämpfen hätten“.

Plasberg knüpft sich nun Lauterbach ein zweites Mal vor, dieses Mal von ungewohnter Seite - nicht als Wissenschaftler, sondern als Politiker. „Sie müssen Ihren Wahlkreis gewinnen, sonst sind Sie nicht mehr im Bundestag, weil Ihre SPD sie nicht auf der Liste abgesichert hat“, verkündet der Moderator und schiebt seine kritische Frage nach: „Glauben Sie, dass Ihr Image als oberster Corona-Mahner dieses Landes günstig ist für Sie oder dass es Ihnen schadet?“ Lauterbach ernst: „Ich habe nie darüber nachgedacht. Ich bin zum Teil Mahner gewesen, aber ich habe auch immer versucht, Lösungen zu bringen. Wenn ich für diese Haltung abgewählt würde, dann gäbe es schlimmere Gründe, für die man abgewählt würde.“

Fazit des „Hart aber fair“-Talks

Karl Lauterbach wirkt als einziger „Hahn“ in den Damenrunde sichtlich milder als sonst - vielleicht aber auch schlichtweg müde. Die Seitenhiebe von Moderator Plasberg wirken auf den Zuschauer überraschend. Inhaltlich bietet der Talk dagegen kaum Neues. Die Frage, ob es einen Unterschied in Bezug auf Freiheiten zwischen Ungeimpften und Geimpften geben wird, wird kaum debattiert - dabei wären hier die Argumente interessant gewesen.

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