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Impf-Streit bei „Hart aber Fair“: Plasberg gerät mit Philosophin aneinander

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Philosophin Flaßpöhler (l.) und Moderator Plasberg (r.) gerieten bei „hart aber fair“ aneinander.
Philosophin Flaßpöhler (l.) und Moderator Plasberg (r.) gerieten bei „hart aber fair“ aneinander. © ARD-Mediathek

„hart aber fair“ greift das derzeitige Thema Nummer eins auf: Impfzwang oder nicht? Die Runde ist sich einig, nur eine Gästin protestiert.

Berlin - Um 20:35 Uhr – früher als gewohnt – meldet sich am Montag ARD-Moderator Frank Plasberg mit „hart aber fair“. Seine Frage an die Talkrunde, Stunden nach dem Hick-Hack der Ampel-Parteien um eine Teilimpfpflicht: „Ist die Politik zu feige für einen Impfzwang?“. Ein kurzer Einspieler leitet die Debatte ein: Ein Vergleich zwischen den Inzidenzzahlen bei Geimpften und Ungeimpften. Plasberg fragt die Tübinger Ärztin Lisa Federle, ob sie noch Verständnis für Impfverweigerer habe. „Also ich muss gestehen, es fällt mir zunehmend schwer, auch in meiner Praxis. Und ich muss mich da echt zusammenreißen“, sagt die Medizinerin.

Sie habe manche Patienten wochen- und monatelang bearbeitet. Vor Kurzem sei sie in eine Kneipe gegangen, weil der Wirt sie gebeten habe, die Bediensteten zu überzeugen. Sie sehe sich auch mit Aggression konfrontiert, berichtete Federle. Zum viel strapazierten Argument „Freiheit“ hat Federle auch eine klare Meinung: „Freiheit hat für mich auch etwas mit Verantwortung zu tun.“ Wer Freiheit haben wolle, müsse auch Verantwortung für andere übernehmen und für sich selbst. Das sieht sie bei den Ungeimpften nicht. 

Plasberg konfrontiert Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil mit der vielbeachteten Aussage des Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery: Deutschland erlebe eine Tyrannei der Ungeimpften. SPD-Politiker Weil hält das für eine drastische Formulierung, stimmt aber zu - Konsequenzen seien nötig. Eine Impfpflicht hält er für eine „verfassungsrechtlich schwierige Aufgabe“, spricht sich aber für 3G am Arbeitsplatz aus. Plasberg fragt daraufhin auch Georg Mascolo, Leiter des Rechercheverbundes von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR, nach der Möglichkeit einer Impfpflicht. Der Journalist glaubt an die Wirkung und zieht die Pflicht zur Impfung gegen Pocken 1874 als Vergleich heran. Er unterscheidet aber zwischen Menschen, die tatsächlich Angst vor einer Impfung haben und denen, die ihre Freiheitsrechte beschnitten sehen.

Journalistin Svenja Flaßpöhler: „Nichtgeimpfte nicht als dummes Kollektiv hinstellen“

Frank Plasberg holt Svenja Flaßpöhler in die Runde. Die Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins geht als erste der bisherigen Diskutanten auf Konfrontation – das wird auch so bleiben: Sie hält es für „fatal und falsch“, Menschen zu kriminalisieren, die vom Recht Gebrauch machten, Eingriffe in ihren Körper abzulehnen. Sie rügt, dass Ungeimpfte als „unterschiedsloses dummes Kollektiv“ hingestellt würden. Es gebe unterschiedliche Motive für die Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen.

Der Immunologe Carsten Watzl erkennt das Motiv „Angst“. Er führt diese aber auch auf über Soziale Netzwerke verbreitete „Warnungen“ von Impfgegnern zurück. Er sei ehrlich, wenn ihn Leute zu Risiken der Impfung fragen. Der Mediziner gesteht ein, dass man etwa eine Herzmuskelentzündung bekommen könne, stellt die Menschen aber vor die Wahl: Impfung oder Infektion. Das Risiko einer solchen Entzündung durch eine Infektion sei sechs bis sieben Mal höher als durch eine Impfung.

„Hart aber fair“ - diese Gäste diskutierten am 15 November:

Flaßpöhler wirft zudem den Medien einseitige Berichterstattung vor. Plasberg nimmt Fahrt auf und fragt sie, ob sie gerne im Studio noch jemand mit alternativen Fakten hätte und fragt süffisant: „Wenn sie das unter ausgewogener Berichterstattung verstehen?“ Flaßpöhler meint: Sie verstehe nicht, was an solchen Positionen schlecht sei. Georg Mascolo verteidigt die Medien mit zwei einfachen Fakten: Fünf Millionen Infizierte und bald hunderttausend Tote.

Ärztin Lisa Federle: „Wir haben die Politik ausgetrickst“

Watzl berichtet von Menschen, die ihm regelrechte Fragenkataloge schicken. Nachdem er die Antworten zurückgeschickt hat, bekomme er oft zur Antwort: „Jetzt habe ich es endlich verstanden, jetzt lassen wir uns impfen.“ Bei der Information über das Impfen nimmt er die Nicht-Mediziner in die Pflicht: „Wenn Fußballer oder Politiker sich über Impfungen äußern, dann dürfen sie das natürlich. Dann sollten sich aber bitte vorher informieren.“

Federle verrät gegen Ende der Sendung, wie Tübingen die Schließung von stationären Impfzentren umgangen hat. Da Impfwillige in der Kälte vor Bussen warteten, hätten sie und andere Verantwortliche kurzerhand ein Pop-Up-Zelt aufgestellt, ohne Aufschrift, ohne Hinweis auf ein Impfzentrum.

„hart aber fair“ - Das Fazit der Sendung

Einhellige Meinung der Runde zum Impfen – bis auf die Standpunkte der Philosophin Svenja Flaßpöhler, die übrigens explizit hervorhebt, dass sie persönlich geimpft sei. (Michi Jo Standl)

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