+
In Erfurt kam es zu Krawallen zwischen der Polizei und Neonazis.

Lange Nacht erwartet

Polizei geht gegen Krawallmacher vor

Berlin - Auf Berlins Straßen feiern Zehntausende Menschen friedlich am 1. Mai. Andere werfen mit Steinen und sorgen für aggressive Stimmung. Die Polizei fährt eine harte Linie.

Tausende Polizisten in voller Einsatzmontur sind ausgerückt. Sie sollen verhindern, dass am 1. Mai in Berlin rechte und linke Gruppen aufeinanderprallen. Die Stimmung am Nachmittag ist gereizt, bisweilen aggressiv. Im Stadtteil Schöneweide, der als rechte Hochburg bekannt ist, drängen Polizisten mutmaßliche Störer eines NPD-Aufmarsches mit einem Wasserwerfer zurück. Andere sprühen Pfefferspray.

Krawallmacher werden bei den 1. Mai-Demonstrationen in der Hauptstadt nicht geduldet, so die klare Linie der Polizei. „Es gab Steine- und Flaschenwürfe auf Polizeibeamte. Deshalb musste in einigen Fällen Pfefferspray und auch in einem Fall kurzfristig der Wasserwerfer eingesetzt werden“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf zum Vorgehen der Beamten.

Für den Abend sollten sich die Einsatzkräfte mit schwerem Gerät in Berlin-Kreuzberg postieren, wo es in der Vergangenheit zu Gewalt und Ausschreitungen kam. Rund 7000 Beamte aus mehreren Bundesländern standen am 1. Mai in der Hauptstadt bereit. Bis zum Nachmittag aber blieb die Zahl der Zwischenfälle in Berlin gering. Auch in der Walpurgisnacht war es weitgehend ruhig geblieben.

Die meisten Menschen feierten den 1. Mai, den Tag der Arbeit, friedlich. Knapp 40 000 Bürger kamen in Kreuzberg zu einem Straßenfest mit viel Musik zusammen. Am Brandenburger Tor versammelten sich nach Angaben des Gewerkschaftsbundes mehr als 10 000 Menschen, um gegen geringe Löhne zu protestieren.

Laut und ruppig ging es seit dem Vormittag im Stadtteil Schöneweide zu. Polizei-Hubschrauber kreisten in der Luft, um Filmaufnahmen zu machen. Die NPD zog dort unter anderem an der Kneipe „Zum Henker“ vorbei - ein Treffpunkt für die rechte Szene.

Schon beim Eintreffen am S-Bahnhof trennten die Polizisten Anhänger der rechten und linken Szene, die lautstark „Nazis raus“ skandierten. Immer wieder wurden einige aus der Anti-NPD-Demo von Polizisten umringt. Auch Politiker kamen zu der Demonstration und forderten zu Zivilcourage gegen Rechts auf, verlangten ein Verbot der rechtsextremen NPD. Die Polizei sprach von rund 2000 Teilnehmern der Gegendemonstration und rund 480 Anhängern der Rechten.

Vor Beginn des Nazi-Aufmarsches gelang es Gegendemonstranten, den Aufzug der Rechten mit einer Betonpyramide für kurze Zeit zu verzögern. Vier Menschen verankerten sich mit ihren Armen in dem Betonklotz. Mit einem Kran konnte die Polizei die Störung aber ohne große Probleme beenden.

Den Gegendemonstranten gelang es am Ende nicht, den Aufmarsch der Rechten zu stoppen. „Für uns war es eine Niederlage“, sagte der Veranstalter der Demo „1.Mai - Nazifrei“, Jan Landers. Eine Bilanz der Polizei stand am Mittwochnachmittag noch aus - schließlich rüsteten sich die Einsatzkräfte erst noch für die traditionelle Demo linker Gruppen in Kreuzberg.

Rechtsextreme Demonstranten halten Polizei auf Trab

Rechtsextreme Demonstranten halten Polizei auf Trab

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Seehofer: „Die SPD hat einen Fehler gemacht“
Nach den Sondierungen könnten Gespräche über eine neue GroKo starten - wenn der Parteitag der SPD zustimmt. Die Sozialdemokraten hadern aber mit den …
Seehofer: „Die SPD hat einen Fehler gemacht“
Britisches Unterhaus verabschiedet wichtiges Brexit-Gesetz
Das Unterhaus des britischen Parlaments hat ein wichtiges Brexit-Gesetz verabschiedet. Damit hat EU-Recht nicht mehr Vorrang vor nationalem Recht.
Britisches Unterhaus verabschiedet wichtiges Brexit-Gesetz
Guttenberg blickt kritisch nach Deutschland - und erinnert Merkel an ihren Auftrag
Karl-Theodor zu Guttenberg sieht von außen zu, wie die großen Parteien Deutschlands versuchen, eine neue Koalition zu bilden. Der einstige Hoffnungsträger der Union …
Guttenberg blickt kritisch nach Deutschland - und erinnert Merkel an ihren Auftrag
Ausnahmezustand in der Türkei vor sechster Verlängerung
Die türkische Führung will den Ausnahmezustand zum sechsten Mal verlängern. Eine Zustimmung des Parlaments gilt als sicher. Menschenrechtler kritisieren die Maßnahme …
Ausnahmezustand in der Türkei vor sechster Verlängerung

Kommentare