News-Ticker: Gesuchter Imam bei Explosion in Alcanar getötet

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Marine Le Pen und ihr Gegner Emmanuel Macron während der Live-TV-Debatte. Foto: Bob Edme

Macron vor Le Pen

Pöbeleien bei TV-Duell vor Schicksalswahl in Frankreich

Paris - Nett ist anders: Frankreichs Präsidentschaftskandidaten schenken sich beim einzigen TV-Duell vor der Wahl nichts. Auch vor Beschimpfungen schrecken Macron und Le Pen nicht zurück. Am Sonntag müssen die Franzosen entscheiden.

Kurz vor dem Finale der französischen Präsidentenwahl hat der Favorit Emmanuel Macron das einzige TV-Duell mit seiner Kontrahentin Marine Le Pen laut einer Umfrage gewonnen.

63 Prozent der befragten Zuschauer fanden den sozialliberalen Politjungstar in der hart geführten Debatte am Mittwochabend überzeugender, wie der Nachrichtensender BFMTV berichtete. 34 Prozent sahen die Rechtspopulistin Le Pen vorn. Die übrigen Befragten hatten keine Meinung.

Die Stichwahl am Sonntag gilt als Schicksalsentscheidung für Europa. Die Front-National-Politikerin Le Pen will den Euro abschaffen und ihre Landsleute über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Der sozialliberale Macron tritt dagegen mit einem pro-europäischen Kurs an. Umfragen sahen ihn zuletzt bei 59 bis 60 Prozent der Stimmen, Le Pen lag bei 40 bis 41 Prozent.

Ungewöhnlich heftige TV-Debatte

Die zweieinhalbstündige Debatte am späten Mittwochabend war von Beschimpfungen und persönlichen Angriffen geprägt, die im bisherigen Wahlkampf beispiellos sind. Macron warf seiner Kontrahentin in der Debatte um den Kampf gegen den Terrorismus vor, einen Bürgerkrieg ins Land zu bringen. Er wurde seinerseits von Le Pen beschuldigt, Entgegenkommen gegenüber dem islamistischen Fundamentalismus zu zeigen. Frankreich wird von einer Terrorserie erschüttert, seit Anfang 2015 wurden fast 240 Menschen ermordet.

"Der Euro ist die Währung der Banker, nicht die Währung des Volkes", sagte Le Pen. Die 48-Jährige will einen "neuen Franc" einführen. Allerdings solle es parallel dazu weiterhin eine gemeinsame Währung geben, die etwa von Großunternehmen genutzt werden könne. "Das ist großer Unsinn", sagte Ex-Wirtschaftsminister Macron. Le Pens Vorhaben sei ein "tödliches" und "gefährliches Programm". "Meine Vision ist gerade, einen starken Euro zu bauen."

Le Pen: "Entweder ich oder Merkel"

Le Pen bezichtigte Macron, Frankreich dem Nachbarn Deutschland zu unterwerfen. "Frankreich wird auf jeden Fall von einer Frau geführt werden. Das werde entweder ich sein oder Frau Merkel." Macron wolle nichts machen ohne das Einverständnis der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Es sind die Ungleichgewichte in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, die in der Wirklichkeit die Keime des Krieges sind."

Macron sagte zu Le Pen in ungewöhnlich harter Weise, sie lebe von dem System, das sie kritisiere. "Sie sind sein Parasit." Le Pen sei zudem die "echte Erbin" der "Partei der extremen Rechten Frankreichs". Le Pen bemüht sich seit Jahren, ihrer Front National eine gemäßigtere Außendarstellung zu verschaffen.

Macron tritt als Chef der neuen politischen Bewegung En Marche! an. Er gewann den ersten Wahlgang am 23. April mit 24 Prozent, Le Pen kam auf 21,3 Prozent. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts OpinionWay könnte Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Bewegung bei der Parlamentswahl im Juni auf Anhieb stärkste Kraft werden. Das Abschneiden von "En Marche!" bei der Parlamentswahl gilt als großer Unsicherheitsfaktor für den 39-Jährigen.

Niedrigere Einschaltquote als vorhergehende TV-Debatten

16,5 Millionen Franzosen haben das Fernsehduell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen verfolgt. Das waren deutlich weniger als bei den TV-Duellen in den Jahren 2007 und 2012, wie das Analyseinstitut Médiamétrie am Donnerstag mitteilte.

Im Jahr 2007 schauten sich rund 20 Millionen Menschen die Debatte zwischen der Sozialistin Ségolène Royal und dem dann siegreichen Konservativen Nicolas Sarkozy an. Das Duell 2012 zwischen Sarkozy und dem derzeitigen sozialistischen Staatschef François Hollande verfolgten rund 17,8 Millionen Zuschauer.

dpa/AFP

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