Die Regelsätze für Hartz-IV steigen ab Januar 2021.
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Die Regelsätze für Hartz-IV steigen ab Januar 2021.

Kinder zwischen 14 und 17 profitieren am stärksten

Hartz-IV-Erhöhung: Bereits im Dezember 2020 gibt es mehr Geld

  • Luisa Billmayer
    VonLuisa Billmayer
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Ab 2021 erhalten Leistungsberechtigte höhere Regelsätze. Zum ersten Mal wird die größere Summe noch im Dezember 2020 ausgezahlt.

  • Die Regierung hat sich darauf geeinigt, die Hartz-IV-Sätze zu erhöhen.
  • Weil das Geld immer schon im Voraus, am Monatsende, ausgezahlt wird, kommt das Geld schon im Dezember 2020 bei den Empfängern an.
  • Generell steht das System schon lange stark in der Kritik. Die Diakonie fordert ein völlig neues Berechnungssystem.

Berlin - Ab 2020 steigen die Regelsätze für das Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV. Alleinstehende erhalten dann pro Monat 446 Euro - 14 Euro mehr als bisher. Zudem kommt die Änderung vor allem Kindern und Jugendlichen zugute. Der Satz für Kinder bis 5 Jahren steigt um 33 Euro. Kinder zwischen 14 und 17 erhalten sogar 45 Euro mehr.

Hartz-IV-Erhöhung: Die neuen Regelsätze

Regelsätze 2020Regelsätze 2021Differenz
Alleinstehende Erwachsene432 Euro446 Euro+ 14
Partner in Bedarfsgemeinschaft389 Euro401 Euro+ 12
Kinder im Haushalt bis 25 Jahre345 Euro357 Euro+ 12
Kinder 14 bis 17 Jahre328 Euro373 Euro+ 45
Kinder 6 bis 13 Jahre308 Euro309 Euro+ 1
Kinder bis 5 Jahre250 Euro283 Euro+ 33

Weil die Jobcenter das Geld bereits am Monatsende im Voraus überweist, erhalten Leistungsempfänger die erhöhten Beträge noch 2020. Am Mittwoch, 30. Dezember, wird der neue Regelsatz ausgezahlt, wie das Portal HartzIV.org berichtete.

Das Corona-Jahr 2020 hatte auch soziale Auswirkungen. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Bayern ist in diesem Jahr stark gestiegen. Schon bis Februar wuchs die Zahl der Leistungsempfänger aufgrund der Rezession auf 265.000. Nach dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr sprang die Zahl dann bis Juni auf 301.000, im August lag sie bei gut 295.000 Leistungsempfängern. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit im Dezember mit.

Hartz-IV: Corona-Krise trieb viele in das Arbeitslosengeld II

Zum Vergleich: Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in Bayern hatte im August 2019 noch bei knapp 272.000 gelegen - das waren fast 23.000 Leistungsempfänger weniger als 2020. Zahlen für den Herbst 2020 lägen der Bundesagentur für Arbeit noch nicht vor und seien mit Blick auf die Novemberhilfen und den zweiten Lockdown auch schwer einzuschätzen, sagte eine Sprecherin in Nürnberg.

Schon lange steht das Hartz-IV-System generell in Kritik. Die Diakonie hat vor kurzem eine grundsätzliche Reform zur Berechnung des Regelbedarfs vorgeschlagen. Das Modell zielt im Kern darauf ab, die Bezüge auf Grundlage eines „realistischen Existenzminimums“ zu erhöhen, zugleich aber den Abstand zu den mittleren Einkommen zu wahren, wie die Diakonie im Dezember in Berlin mitteilte.

Hartz-IV: Diakonie fordert grundsätzliche Reform

In Zahlen ausgedrückt sieht das Modell so aus: Referenzausgaben für „physische Grundbedarfe“ wie Nahrung und Kleidung, sollen künftig um maximal 25 Prozent, die weiteren Ausgaben um nicht mehr als 40 Prozent hinter dem zurückbleiben dürfen, was die „gesellschaftliche Mitte“ ausgibt.

Der so berechnete Regelsatz solle „das Lebensnotwendige und gesellschaftliche Teilhabe“ ermöglichen, erklärte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Das neue Modell solle dabei „die Fehler der Vergangenheit und willkürliche Streichungen von Ausgaben vermeiden“.

Für die Bezieher würde die neue Berechnung in höhere Bezüge resultieren. Der Hartz-IV-Satz würde von 446 Euro pro alleinstehendem Erwachsenen auf 579 Euro ansteigen. Bei Beziehern in Paargemeinschaft stiege er von 802 Euro auf 971 Euro. Auch die Sätze für Kinder sollen steigen. Ausgearbeitet wurde das Modell von der Verteilungsforscherin Irene Becker. (lb mit dpa/AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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