Hassrede im Netz

Was ist Hate Speech? Definition, Formen, Betroffene

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Hate Speech im Netz ist in den vergangenen Jahren verstärkt in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit gerückt. Doch was meint „Hassrede“ überhaupt?

München - Hass, Hetze und Diskriminierung scheinen im Netz allgegenwärtig. Beleidigende Kommentare unter Artikeln, Aufrufe zu Gewalt in Sozialen Medien, abwertende Bemerkungen als Privatnachricht: Das Internet steckt voller hasserfüllter Sätze. Solche Botschaften können in Form von Worten, Bildern, Memes oder Videos auftreten. Der Hass ist über das Netz schnell verschickt.

Auch wenn die Zahl der Hater vergleichsweise gering scheint, erweckt ihre permanente Sichtbarkeit den Eindruck einer breiten Bewegung. Eine Forsa-Befragung zu Hate Speech im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW ergab im Jahr 2020, dass fast drei Viertel der befragten Internetnutzer (73 Prozent) bereits Hate Speech beziehungsweise Hasskommentare im Internet gesehen haben. In der Altersgruppe 14 bis 24 Jahre sind es sogar 94 Prozent.

Hasskommentare sind auch in der Offline-Welt ein großes Problem. Im Internet geht der teils anonyme Klick jedoch häufig noch schneller als Hetze über die Lippen zu bringen ist. Das Wort „Hate Speech“ taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Aber was wird allgemein unter dieser „Hassrede“ verstanden?

Was ist Hate Speech? Auszug aus der 28. Auflage des Dudens

Definition: Was ist Hate Speech?

Eine einheitliche Definition für das Wort „Hate Speech“ existiert nicht. Doch ein gemeinsamer Nenner lässt sich schnell aus verschiedenen Beschreibungen herauslesen: Es handelt sich um abwertende Sprache, die zur Verurteilung anderer Menschen und Personengruppen verwendet wird. Im Duden etwa heißt es zur Bedeutung von Hassrede: „Hassbotschaften enthaltende (öffentliche) Rede“ und „Hass verbreitende Art des Sprechens oder Schreibens“.

Mit Hate Speech werden Worte als Waffe eingesetzt - die auf bestimmte Personengruppen als Zielscheibe gerichtet wird. Die Äußernden werten Menschen in Kommentaren ab, greifen sie verbal an, oder rufen zu Gewalt auf. Der Begriff steht eng in Verbindung mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ (siehe unten: Wer ist häufig von Hate Speech betroffen?). Dahinter steckt die Annahme der Täter, bestimmte Gruppen von Menschen hätten weniger Wert als andere. Ziel ist es, sie schlecht zu machen.

Hate Speech: Wo endet Meinungsfreiheit in Deutschland?

Diese menschenverachtende Sprache überschreitet oft die Grenzen der Meinungsfreiheit (Artikel 5 des Grundgesetzes*). Denn gemäß Grundgesetz gibt es Grenzen für die Meinungsäußerung. Sobald zum Beispiel die Menschenwürde tangiert, Persönlichkeitsrechte oder der Schutz der Jugend verletzt und Strafrechtsnormen erfüllt sind, gehen Äußerungen zu weit.

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Artikel 5 Grundgesetz

Zwar ist „Hate Speech“ kein feststehender, juristisch definierter Begriff. Aber es gibt Paragrafen im Strafgesetzbuch, um gegen Hetze vorzugehen. Dazu gehören Volksverhetzung, Beleidigung, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung und die öffentliche Aufforderung zu Straftaten. So kann Hate Speech unter bestimmten Bedingungen zur Straftat werden. Denn Hassrede kann für Betroffene gravierende Folgen haben, etwa für ihre Psyche und das alltägliche Leben.

Wie äußert sich Hate Speech im Netz?

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen listet in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in einer Publikation eine Reihe von Vorgehensweisen und Mustern auf, in denen sich Hate Speech im Netz manifestiert. Weil Sprache so vielfältig ist, nimmt auch der Hass eine Vielzahl von Formen an. Hier ein paar Beispiele:

Muster von Hate SpeechBeispiele
Bewusste Verbreitung falscher Aussagen'Die Flüchtlinge haben alle teure Handys.'
Tarnung als Humor/Ironie'Ich will auch ein neues Smartphone. Werde ich im nächsten Leben halt Asylant.'
Beleidigungen'Schlampe!'
Verallgemeinerungen'Alle Griechen sind faul.'
Wir/Die-Rhetorik'Die bedrohen 'unsere' Frauen.'
Gleichsetzung'Juden = Israel'
Aufruf zu Gewalttaten'Die sollte man alle abknallen.'

Wer ist häufig von Hate Speech betroffen?

Opfer von Hassrede sind häufig Personen, die bereits benachteiligten Gruppen angehören. Typische Hintergründe von Hate Speech (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) sind:

  • Rassismus/Fremdenfeindlichkeit
  • Antisemitismus/Hass gegen Religionen
  • Sexismus
  • Homo- und Transphobie
  • Behindertenfeindlichkeit
  • Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft und des Aussehens

(Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

Oft richtet sich Hetze auch gegen Personen, die sich für die Rechte Betroffener einsetzen. Doch zur Klarstellung: Auch Angehörige von Minderheiten können zu Hatern werden.

Hate Speech und Cyber-Mobbing: Was ist der Unterschied?

Hate Speech und Cyber-Mobbing umfassen hasserfülltes, aggressives Verhalten im Internet. Täter wollen andere zielgerichtet schädigen. Doch es gibt auch einen Unterschied: Beim Cyber-Mobbing werden einzelne Personen attackiert, wobei im Prinzip alle Menschen im gleichen Maße betroffen sein können. Oftmals gibt es zwischen Täter und Opfer auch eine Beziehung im analogen Leben.

Hate Speech kann sich zwar auch gegen Einzelne richten, doch Hintergrund ist ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Der Hass spricht Hautfarbe, Herkunft, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder andere Merkmale an. (cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Artikel ist Teil der Serie „Hate Speech im Netz“ von IPPEN.MEDIA. Darin beleuchten wir das Problem Hassrede aus unterschiedlichen Blickwinkeln und wollen konstruktive Möglichkeiten aufzeigen, diesem gesellschaftlich relevanten Thema zu begegnen. Als reichweitenstarkes Medium ist uns eine offene Community wichtig - doch Regeln müssen eingehalten werden. Hate Speech findet bei uns keinen Platz. Um zügig gegen womöglich strafrechtlich relevante Kommentare vorzugehen, sind wir Teil der bayerischen Initiative „Justiz und Medien – konsequent gegen Hass​​​​​​​“.

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