Tipps gegen Hassrede

Was kann jeder gegen Hate Speech im Netz tun?

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Befragungen zufolge haben drei von vier Internetnutzern bereits Hate Speech im Netz gesehen. Hier ein paar Tipps, was jede und jeder dagegen unternehmen kann.

München - Zivilcourage ist nicht nur in der Offline-Welt gefragt. Denn Hate Speech im Netz kann nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden. Deshalb ist jeder Internetnutzer aufgerufen, sich gegen Hetze im Web zu stellen. Oft genügen schon ein paar Klicks, um Hass die Stirn zu bieten. Ein paar Möglichkeiten und Tipps finden Sie in diesem Artikel.

Selbst von Hate Speech betroffen? Hilfe holen

Zunächst: Wer selbst mit Hassrede konfrontiert wird und damit überfordert ist, sollte sich schnellstmöglich Hilfe holen. Hate Speech kann schlimme Ausmaße annehmen - deshalb sollte niemand zögern, um Unterstützung zu bitten. Das kann erst einmal bei Freunden, Familienmitgliedern oder Vertrauten sein, mit denen man über Kommentare oder Beiträge spricht. Doch es gibt auch Beratungsstellen, die auf Hass im Netz spezialisiert sind. Dazu gehört beispielsweise die Betroffenenberatung von HateAid.

Strategien gegen Hate Speech: Ignorieren

Da Hate Speech im Netz mittlerweile weitverbreitet ist, kommen immer mehr Internetnutzer damit in Berührung. Wer einen Hasskommentar bemerkt, reagiert nicht unbedingt öffentlich darauf. In vielen Fällen wird der Hass bewusst oder unbewusst ignoriert.

Gerade wenn Personen nicht genug Zeit haben, Hasskommentaren zu begegnen oder sie keine Gefahr sehen, selbst in den Fokus der Täter zu rücken, kann das Ignorieren manchmal richtig sein. Je nach Situation erhalten Störer dann auch keine größere Aufmerksamkeit und die aggressive Diskussion verläuft womöglich im Sande. Gleichzeitig muss jedem aber auch bewusst sein: Der Hass bleibt so im Zweifel offen für alle sichtbar stehen. Debatten können sogar am Ende dadurch noch übergriffiger werden.

Strategien gegen Hate Speech: Gegenrede betreiben

Auch deswegen rufen Initiativen im Netz zahlreich dazu auf, „Counter Speech“, also Gegenrede, zu betrieben. Der Hass soll nicht einfach kommentarlos stehen bleiben, sondern Nutzer sind dazu aufgefordert, Stellung zu beziehen, Haltung zu zeigen, Hetze zu kontern und Widerstand mit Worten zu betrieben.

Häufig hilft es, kruden Äußerungen zu begegnen, indem man den Täter direkt nach Belegen und Quellen fragt, selbst sachlich bleibt und stichhaltige Argumente und neue Perspektiven einbringt. Die Folge dieser Gegenreaktion: Hater bekommen nicht mehr das machtvolle Gefühl, im Sinne einer Mehrheit zu handeln. Tätern, aber auch Mitlesenden wird klar, dass nicht jeder dieses Verhalten und hasserfüllte Äußerungen hinnimmt. Ziel ist dabei nicht in erster Linie, den Hater zu überzeugen, sondern anderen Nutzern deutlich zu machen, dass Herabwürdigungen und Generalisierungen nicht hingenommen werden.

Klar ist aber auch: Wer inhaltlich in solche Diskussionen einsteigt, braucht viel Zeit und Energie. Es besteht zudem die Gefahr, dass man selbst daraufhin zum Opfer von Hate Speech wird, weshalb Gefahren abgewogen werden sollten. Aller Anfang ist schwer, aber ein kurzer Kommentar, wie „Das sehe ich nicht so“, kann schon helfen. Und an alle, die schnell stürmisch reagieren: Tief durchatmen vor dem Antworten kann nützlich sein - denn beleidigende, unbedachte Antworten helfen auch nicht.

Zielführend kann es auch sein, die angegriffene Personen zu kontaktieren und Hilfe anzubieten. Mit Counter Speech soll Betroffenen klar werden, dass sie nicht allein sind.

Strategien gegen Hate Speech: Humor nutzen

Auf Hasskommentare lässt sich an manchen Stellen auch gut mit Humor reagieren. So können absurde Argumente und Schwachstellen in der Logik entlarvt werden. Der Fokus geht in eine andere Richtung. Aber Vorsicht! Reaktionen dürfen auch hier nicht verletzend sein. Auch bei vermeintlich lustigen Kommentaren sollte man darauf achten, dass die Späße nicht auf Kosten anderer gehen. Außerdem regt dieses Vorgehen nicht unbedingt eine sachliche Diskussion an. Eventuell verhärten sich die Fronten.

Memes, GIFs und Sprüche als Reaktion auf Hass im Netz gibt es auf der Seite der Kampagne „No Hate Speech“ zum Download.

Hate Speech im Netz

Strategien gegen Hate Speech: Beiträge melden

Wer Hate Speech in Sozialen Medien entdeckt, kann Kommentare und Beiträge bei den Netzwerkbetreibern melden. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG, verpflichtet Facebook, Twitter und Co. dazu, Hasskommentare mit offensichtlich rechtswidrigen Inhalten innerhalb von 24 Stunden nach Eingang der Beschwerde zu löschen oder zu sperren. Wer das Gefühl hat, eine Meldung werde nicht ordnungsgemäß bearbeitet, kann sich beim Bundesamt für Justiz beschweren.

Strategien gegen Hate Speech: Personen blockieren

Je nachdem, wo man Hate Speech im Netz begegnet, ist es möglich, Personen, die abwertende, menschenverachtende Kommentare posten, zu blockieren oder ihre Beiträge zu löschen.

Strategien gegen Hate Speech: Beiträge anzeigen

Verfasser von Hasskommentaren können unter Umständen zivil- und strafrechtlich belangt werden. Doch dafür bedarf es einer Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Das Bayerische Landeskriminalamt nennt in einem Flyer polizeiliche Tipps für die Beweissicherung, um auf diese Art gegen Hass im Netz vorzugehen:

  • URL des Inhalts und des Profils des Hasskommentar-Erstellers sichern
  • Screenshot des Inhalts (wenn möglich mit Kommentarverlauf) und vom Profil des Hasskommentar-Erstellers machen
  • festhalten, wann und von wem der Inhalt zuerst entdeckt wurde
  • den Netzwerkbetreibern die Person melden
  • sich über zivil- und strafrechtliche Schritte informieren

Wer sich unsicher ist, ob ein gesehener Beitrag strafbar ist, kann sich auch im Netz an Stellen wenden, die Inhalte prüfen. Dazu gehört etwa internet-beschwerdestelle.de oder hass-im-netz.info.

Initiativen und andere Aktionen gegen Hate Speech im Netz

Häufig gibt es im Internet auch Hashtag-Aktionen, die auf Probleme aufmerksam machen. #schauhin ist beispielsweise ein Hashtag zur Sichtbarmachung von Alltagsrassismus im deutschsprachigen Raum. #ichbinhier will zu einer anständigen Debattenkultur beitragen, wofür Teilnehmer unter anderem konstruktive Kommentare unter Hass-Postings verfassen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Initiativen, die sich mit Hass im Netz auseinandersetzen. Eine Auflistung einiger Organisationen gibt es auf der Seite von „klicksafe“. (cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Artikel ist Teil der Serie „Hate Speech im Netz“ von IPPEN.MEDIA. Darin beleuchten wir das Problem Hassrede aus unterschiedlichen Blickwinkeln und wollen konstruktive Möglichkeiten aufzeigen, diesem gesellschaftlich relevanten Thema zu begegnen. Als reichweitenstarkes Medium ist uns eine offene Community wichtig - doch Regeln müssen eingehalten werden. Hate Speech findet bei uns keinen Platz. Um zügig gegen womöglich strafrechtlich relevante Kommentare vorzugehen, sind wir Teil der bayerischen Initiative „Justiz und Medien – konsequent gegen Hass​​​​​​​“.

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/Imago

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