Der Münchner Landtagsabgeordnete Florian Ritter ist neuer Bezirksvorsitzender der Oberbayern-SPD.

Florian Ritter neuer Chef der SPD-Oberbayern

Hauchdünner Sieg nach Eklat um Christian Ude

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Der Münchner Landtagsabgeordnete Florian Ritter ist neuer Bezirksvorsitzender der Oberbayern-SPD. Mit 51 Prozent setzte er sich hauchdünn gegen den bisherigen Amtsinhaber Ewald Schurer.

München – Trotz allem, was sonst noch so passierte am Samstag im Ebersberger Tagungszentrum „Alter Speicher“, sollte man die Hauptnachricht vorwegnehmen: Der Münchner Landtagsabgeordnete Florian Ritter ist neuer Bezirksvorsitzender der Oberbayern-SPD. Mit 51 Prozent setzte er sich hauchdünn gegen den bisherigen Amtsinhaber Ewald Schurer, Bundestagsabgeordneter aus Ebersberg, durch. Kampfkandidaturen sind häufig turbulent. Aber was an diesem Tag vor sich ging, dürfte den Verband noch beschäftigen. Am Ende gab es verärgerte Delegierte, eine lädierte Lichtgestalt und einen Wahlverlierer, der die Veranstaltung vorzeitig verließ.

Das Prozedere hatten die Kontrahenten vorher im Bezirksvorstand vereinbart. Nach den Grußworten sollte es den Rechenschaftsbericht samt inhaltlicher Aussprache geben. Vor der Vorstandswahl sollte jeweils ein Fürsprecher für die beiden Kandidaten werben, dann durften diese sich selbst präsentieren.

Zum Aufreger kommt es gleich am Anfang. Mit dem Münchner Bundestagsabgeordneten Florian Post, ein Hauptunterstützer Schurers, war Münchens langjähriger Oberbürgermeister Christian Ude gekommen. Zum Erstaunen mehrerer Bezirksvorstandsmitglieder sollte er ein Grußwort halten. Am Abend zuvor hatte das Gremium getagt, um den Ablauf zu besprechen. Von Ude war da nicht die Rede gewesen.

Das Grußwort des Ex-OBs gerät zur Lobrede auf Schurer. Irgendwann schreitet die Rosenheimer Europaabgeordnete Maria Noichl, Ritters Fürsprecherin, ein. Ude müsse sich entscheiden, ob er nun ein Grußwort halten oder für Schurer werben wolle. Es könne nicht angehen, dass sie als Mitglied im Bezirksvorstand nichts von einem solchen Grußwort erfahre. Delegierte sind empört. Ein kleiner Kreis habe versucht, „durch die Hintertür“ zusätzlich Stimmung für den Amtsinhaber zu machen.

Post habe schon zuvor hinter den Kulissen mächtig Stimmung für Schurer gemacht, heißt es in der Partei. Beiden gehe es schon darum, ihren Einfluss auf die nächste Wahlliste für den Bundestag zu sichern. Von Ude wird Post auch im Bundestagswahlkampf unterstützt.

Der Überraschungscoup in Ebersberg gerät allerdings zum Rohrkrepierer. Er wolle, dass sich der Bezirksverband nicht in erster Linie mit Listen, sondern mit Inhalten beschäftigt, sagt Ritter. Nahverkehrsprojekte, Strukturentwicklung, Wohnraum: Bei den für Oberbayern wichtigen Themen sei der Verband viel zu wenig präsent. Noichl stellt Ritter in Ebersberg als Gegenmodell dar. Sie erhoffe sich, dass mit ihm die Kommunikation in „Telefonzellen“, in kleinen abgegrenzten Zirkeln, aufhöre.

Bei den Delegierten kommt das offenbar an. 34 stimmen für Ritter, 31 für Schurer, zwei enthalten sich. Der seit 2003 amtierende Bezirkschef wird abgewählt. Auch Post wird abgewatscht. Nur 47 Prozent stimmen für ihn als Stellvertreter – das deutlich schlechteste Ergebnis der drei Vizechefs. Noch während des Parteitags verschwindet Schurer aus der Halle. Dass er wegen Ude verloren hat, glaubt er nicht. Der Block für Ritter sei vorher „festgegossen“ worden. „Das habe ich zu spät gemerkt.“ Schon im Februar habe Ritter ihn gewarnt. Er habe „Kronzeugen“, die ihm seine bevorstehende Niederlage bestätigen könnten. Er wolle Schurer „vor sich selbst schützen“.

Für Enttäuschung habe sie Verständnis, sagt Noichl. Sie glaubt trotzdem, dass der Ude-Auftritt entscheidend gewesen sei. „Wenn jemand meint, er wäre besonders schlau, dann geht das manchmal nach hinten los.“ 

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