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Es geht wieder ums Einfamilien-Haus - Nach Grünen will nun Geywitz die Bremse ziehen

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Von: Florian Naumann

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Klara Geywitz Ende März bei einem Rundgang auf einer Baustelle im Süden des Berliner Stadtteils Neukölln.
Klara Geywitz Ende März bei einem Rundgang auf einer Baustelle im Süden des Berliner Stadtteils Neukölln. © IMAGO/snapshot-photography/F.Boillot

Der nächste Ampel-Streit? Die SPD gräbt das Häusle-Thema wieder aus. Bei den Grünen dürfte sie damit offene Türen einrennen. Doch die FDP wittert „Ideologie“.

Berlin - Eingangs des Wahljahres 2021 hatten sich die Grünen mit Warnungen vor dem neuen Einfamilienhaus eine blutige Nase geholt. Nun geht die SPD das Thema in der neuen Ampel-Koalition und einer völlig neuen Energie-Debatte noch einmal an: Bauministerin Klara Geywitz will den Häusle-Neubau „eindämmen“, um Flächenverbrauch zu senken und die Umwelt zu schützen.

Geywitz sagte der taz am Wochenende, nötig sei eine Debatte über „gutes Wohnen“. In den letzten Jahrzehnten sei die Wohnfläche pro Person immer weiter gestiegen. „Wir reden zwar darüber, wie das eigene Ess- oder Mobilitätsverhalten das Klima beeinflusst, beim Wohnen aber noch nicht.“ Der Koalitionspartner FDP reagiert allerdings bereits allergisch auf das Ansinnen.

Einfamilienhaus auf der Ampel-Agenda: Geywitz fordert veränderte Nutzung

Es sei „ökonomisch und ökologisch unsinnig“, wenn jede Generation neue Einfamilienhäuser baue, betonte die SPD-Politikerin. Seit den 1950er Jahren seien hunderttausende Einfamilienhäuser gebaut worden. „In denen leben meist keine Familien mehr, sondern ein oder zwei Senioren.“ Anfangs werde noch zu fünft auf 150 Quadratmetern gewohnt, „aber dann ziehen die Kinder aus - und das Haus schrumpft in dem Moment nicht“.

Die Lösung sei ein anderer Nutzungszyklus, sagte Geywitz. „Gut wäre, wenn die nächste Generation von jungen Familien alte Häuser erwirbt und saniert. Dafür müssen wir staatliche Anreize setzen. Dann kann man beides vereinbaren: Fläche sparen und den Wunsch vom eigenen Haus ermöglichen.“

Geywitz für Bremsung beim Häusle-Bau - FDP rügt „ideologische Debatte“

Es müsse anders gebaut werden, sagte die Ministerin weiter - mit kleineren Wohnflächen, aber größeren Gemeinschaftsflächen. „Aber wir werden keine Vorschriften machen, wie viel Quadratmeter eine Wohnung haben darf. In anderen Bereichen setzen wir auf reparieren statt wegwerfen oder teilen statt besitzen. Wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen, brauchen wir auch ein Umdenken im Wohnbereich, also mehr gemeinsam statt ‚Alles meins‘.“

Gut wäre es aus Sicht der Ministerin zudem, mehr mit Holz und Lehm zu bauen. „Das wäre mein Wunsch. Für die Verbesserung der CO2-Bilanz des Gebäudesektors ist Holz eine super Möglichkeit, man kann auch mehrgeschossig damit bauen.“

Trotz des angekündigten Verzichts etwa auf Vorgaben zu Wohnungsgrößen ging der Koalitionspartner FDP teils noch am Karfreitag auf die Barrikaden. Geywitz könne sich „um steigende Baukosten kümmern, die KfW-Förderung, Lieferketten oder die Beschleunigung der Verfahren und Entbürokratisierung“, twitterte der Münchner FDP-Bundestagsabgeordnete Daniel Föst: „Aber nein, lieber startet sie eine ideologische Debatte um den Traum vom Einfamilienhaus.“

Geywitz‘ Bauministerium in der Kritik: Umwelthilfe reichte Klage ein

Im Jahr 2020 gab es laut Umweltbundesamt rund 42,8 Millionen Wohnungen, gut fünf Prozent mehr als 2011. Im gleichen Zeitraum stieg die tatsächlich genutzte Wohnfläche aber deutlich stärker um 6,5 Prozent - vor allem wegen der größeren Wohnfläche pro Kopf.

Das Bauministerium hatte zuletzt ebenso wie das Verkehrsressort eine Art Rüge erhalten - der Bausektor hat nach Daten des Umweltbundesamtes 2021 mehr Treibhausgase ausgestoßen als im Bundesklimaschutzgesetz als Höchstmenge vorgesehen war. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Bundesbauministerin Geywitz müssen nun binnen drei Monaten Sofortprogramme vorlegen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) teilte am Mittwoch mit, sie habe beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg Klage gegen das Bundesbauministerium eingereicht. Das im vergangenen Jahr wegen der Überschreitung des Klimaziels 2020 vorgelegte Sofortprogramm habe nicht ausgereicht, argumentiert die DUH. (dpa/fn)

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