Heftige Gefechte im Irak

Tikrit - Die Terrormiliz Isis ruft ein islamisches Reich aus, die irakische Armee antwortet mit neuen Offensiven gegen die Dschihadisten. Die Aufständischen nehmen angeblich einen Luftwaffenstützpunkt ein.

Einen Tag nach der Ausrufung eines Kalifats durch die sunnitischen Isis-Milizen haben sich die irakische Armee und Kämpfer der Terrorgruppe schwere Gefechte geliefert. Einheiten der Regierung setzten ihre Offensive auf Tikrit nordwestlich von Bagdad fort und nahmen nach eigenen Angaben Teile der strategisch wichtigen Stadt ein. Irakische Aufständische meldeten zugleich, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt „Camp Speicher“ in der Nähe von Tikrit erobert.

In Bagdad tritt an diesem Dienstag erstmals das neu gewählte Parlament zusammen. Es soll einen Regierungschef wählen. Der umstrittene schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki möchte im Amt bleiben, braucht dafür trotz seines Wahlsiegs von Ende April jedoch Koalitionspartner.

Die sunnitische Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (Isis) hatte am Sonntag in den von ihr eroberten Provinzen des Iraks und Syriens ein „Islamisches Kalifat“ ausgerufen. In einer Audiobotschaft wurde Isis-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen bestimmt. Im Internet kursierten Aufnahmen aus der ostsyrischen Stadt Rakka, wo Isis-Anhänger die Ausrufung des Kalifats mit einem Autorcorso und Schüssen in die Luft feierten.

Der „Allgemeine Militärrat der irakischen Aufständischen“ teilte am Montag mit, Regierungsgegner hätten die volle Kontrolle über den Luftwaffenstützpunkt „Camp Speicher“. Bei den Gefechten habe es viele Tote gegeben. Die Armee hatte zuvor mitgeteilt, sie habe Angriffe auf den Stützpunkt zwischen Baidschi und Tikrit abgwehrt. Die Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Kampfhubschrauber der Armee attackierten am Montag auch den Ort Baidschi, wie irakische Medien berichteten. Nach Informationen des Nachrichtenportals „Shafaaq News“ starben dabei sechs Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. In Baidschi, 200 Kilometer nördlich von Bagdad, stehen eine große Ölraffinerie und ein Kraftwerk.

Die Armee hatte am Samstag eine Offensive gegen die Isis-Milizen begonnen. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen die Stadt Tikrit, 170 Kilometer nordwestlich von Bagdad. Sie war am 11. Juni von Isis-Kämpfern eingenommen worden. Tikrit ist strategisch wichtig, da die Stadt an einer Hauptverbindungslinie zwischen dem Norden des Landes und Bagdad liegt. Ein Offizier sagte der Nachrichtenagentur dpa, Regierungseinheiten hätten große Teile Tikrits zurückerobert.

Die sunnitische Miliz beherrscht einige Regionen im Bürgerkriegsland Syrien und ist seit Anfang Juni auch im Irak auf dem Vormarsch. Dort hat sie im Norden und Westen des Landes weite Teile eingenommen. Mit der Ausrufung eines Kalifats nimmt die Gruppe Bezug auf die islamischen Reiche in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft.

Das Ringen um den künftigen Regierungschef ging in Bagdad einen Tag vor der Parlamentssitzung unvermindert weiter. Regierungschef al-Maliki braucht Koalitionspartner. Schiitische, sunnitische und kurdische Politiker verlangen seinen Rückzug. Sie werfen ihm vor, seine von Schiiten dominierte Regierung diskriminiere die Sunniten im Land und habe so den Boden für den Isis-Vormarsch bereitet. In Bagdad wurden neben al-Maliki auch die beiden schiitischen Politiker Adel Abdel Mahdi und Ahmed Dschalabi als mögliche Ministerpräsidenten gehandelt. Es sei am Dienstag noch nicht mit der Wahl einer neuen politischen Führung zu rechnen, hieß es.

US-Präsident Barack Obama kündigte an, dass sein Land die Geheimdienst- und Überwachungsaktivität in der Region ausbaue. Spezialkommandos spielten eine große Rolle. „Und es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten“, kündigte Obama an.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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