Als „Sklavin“ mehrfach vergewaltigt

Heftiger Fall: Jesidin begegnet in Deutschland IS-Peiniger - und flieht in den Irak

Im Irak verschleppt und verkauft, sucht eine junge Jesidin Zuflucht in Deutschland. Dort fühlt sie sich sicher - bis sie eines Tages ein Mann anspricht, den sie als ihren früheren Peiniger erkennt.

Schwäbisch Gmünd - Eine nach Deutschland geflohene Jesidin soll in Schwäbisch Gmünd einem IS-Mann begegnet sein, der sie im Irak drei Monate lang gefangengehalten und mehrmals vergewaltigt hat. Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Freitag, dass eine 19-Jährige im Februar entsprechende Angaben bei der Polizei gemacht hat. Zuvor hatten Welt und Bild über den Fall berichtet. Bild berief sich dabei auf einen Bericht des kurdischen Nachrichtenportals basnews und ein Youtube-Video, in dem die Frau den Fall schildert.

Junge Frau auf Sklavenmarkt verkauft - böses Wiedersehen in Deutschland

Die Frau soll 2014 im Alter von 15 Jahren von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verschleppt und auf einem Sklavenmarkt an ein IS-Mitglied verkauft worden sein. Nach drei Monaten sei ihr die Flucht gelungen, berichtete basnews. Im Juni 2015 sei sie dann nach Deutschland geflohen, wo sie in einem Flüchtlingsheim in Schwäbisch Gmünd bei Stuttgart untergekommen sei. Im Februar 2018, sagte die Frau basnews, sei ihr ein Mann gefolgt und habe sie angesprochen.

Er kenne sie, sie hätten in Mossul zusammen gelebt, habe der Mann ihr auf Deutsch gesagt. Sie habe so getan, als kenne sie ihn nicht, ihn aber tatsächlich als ihren Peiniger aus dem Irak erkannt. Sie habe dem Flüchtlingsheim und der deutschen Polizei von der Begegnung erzählt. Die Polizei habe ihr gesagt, dass sie nichts für sie tun könne, außer ihr eine Telefonnummer für den Notfall mitzugeben. Daraufhin habe sie beschlossen, Deutschland für immer zu verlassen.

Bundesanwaltschaft bestätigt Angaben

Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass eine 19-Jährige Ende Februar entsprechende Angaben bei der Polizei gemacht habe. Sie widersprach jedoch der Schilderung der Reaktion der deutschen Behörden. Die Polizei habe mit den Angaben der 19-Jährigen ein Phantombild erstellt und versucht, den Mann zu finden. Leider seien ihre Angaben nicht sehr präzise gewesen und der Name, den sie nannte, habe sich keiner Person zuordnen lassen, sagte eine Sprecherin. 

Im Juni habe die Bundesanwaltschaft von dem Fall erfahren und versucht, die Jesidin erneut zu befragen. Zu diesem Zeitpunkt sei sie allerdings bereits bei ihrer Familie im Irak gewesen und habe daher nicht erneut gehört werden können. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg bestätigte auf Twitter, dass es in dem Fall ermittele. Die Frau sei derzeit jedoch nicht für Befragungen erreichbar.

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dpa

Rubriklistenbild: © AFP / MARWAN IBRAHIM

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