+
Wenn der Vater mit dem Sohne: die Trumps.

Heikle Affäre seines Sohnes

Druck auf Trump nimmt zu - Präsidentschaft in Gefahr?

  • schließen

Die Enthüllungen über ein Treffen des ältesten Sohnes von US-Präsident Donald Trump mit einer russischen Anwältin im Juni 2016 haben für viel Resonanz gesorgt. Die Russland-Affäre gewinnt weiter an Brisanz.

Washington – Donald Trump junior, der älteste Sohn des US-Präsidenten, ist mit Kontroversen gut vertraut. Proteste von Tierschützern, die seine Vorliebe für die Großwildjagd und das Töten von Elefanten, Giraffen und Wasserbüffeln ins Visier nahmen, ließen ihn ebenso kalt wie eine massive Kritikwelle von Frauen-Organisationen, nachdem er erklärt hatte: Wenn sich eine Frau am Arbeitsplatz nicht erfolgreich gegen sexuelle Belästigung wehre, sei sie eben nicht stark genug – und solle gehen. Starke Worte und das Gefühl, als Mitglied des Trump-Clans sich fast alles leisten zu können: So ging der 39-jährige New Yorker mit der auffälligen Gelfrisur bisher durchs Leben.

Doch nun steht er über Nacht mit dem Rücken zur Wand. Seit bekannt wurde, dass er im Juni 2016 einem Treffen mit einer russischen Anwältin zugestimmt hatte, die angeblich von der Regierung in Moskau gesammelte negative Informationen über die Trump-Gegnerin Hillary Clinton in Aussicht gestellt hatte, stehen er und sein Vater unter enormem Erklärungsdruck. „I love it“, „ich liebe das“, hatte der Junior auf die Termin-Einladung hin geschrieben, bei der der Vermittler des Treffens – ein Freund des Vaters – keinen Zweifel daran ließ, dass die Kreml-Regierung an einem Wahlsieg Donald Trumps enormes Interesse hatte. Und dass Moskau helfen wollte, den Ruf von Hillary Clinton zu beschädigen.

Zahlreiche neue Fragen

Nun will sich laut CNN auch Justiz-Sonderermittler Robert Mueller dem brisanten Termin vom 9. Juni 2016 widmen – ein Treffen, das die Nachrichtenlage dominiert und das die gesamte bisherige Argumentation des Trump-Lagers zu den Russland-Vorwürfen zusammenbrechen ließ: Dass es keinerlei Zusammenarbeit mit Vertretern Moskaus gegeben habe, um den Ausgang der November-Wahl zu beeinflussen. Und dass das Trump-Team keinerlei Interesse an einer solchen Kooperation hatte.

Mueller, die US-Justiz und das FBI werden auch den zahlreichen neuen Fragen nachgehen, die nun in Washington gestellt werden: Ob Trump junior sich strafbar gemacht hat – was nach Ansicht von Juristen dann der Fall gewesen sein könnte, wenn er Schmutz-Informationen über Clinton akzeptierte und im Wahlkampf benutzte. Dafür gibt es bisher allerdings keinerlei Indizien. Aber warum informierte Trump junior nicht sofort das FBI über das Ansinnen der Russen?

Gefragt wird auch, ob – anders als vom Sohn behauptet – der Präsident persönlich bei dem 20-minütigen Termin anwesend war, bei dem auch Schwiegersohn Jared Kushner und Ex-Kampagnenmanager Paul Manafort am Tisch saßen. Sollte dies der Fall sein, so wäre das Desaster bei der öffentlichen Wirkung für die Trump-Familie nicht mehr zu steigern – und die Präsidentschaft Trumps ernsthaft in Gefahr. Donald Trump ist jedenfalls seit dem Rückkehr vom turbulenten G20-Gipfel und den Schlagzeilen über das heikle Treffen des Sohnes abgetaucht. Ein erster Demokrat hat schon einen Antrag auf Amtsenthebung gestellt.

Trump wittert „Hexenjagd“

Der Ärger bei Trump soll groß darüber sein, berichtete am Mittwoch die „Washington Post“, dass der Russland-Skandal weiter als große schwarze Wolke über seiner Regierung hängt und dass nun auch einer seiner Söhne tief in die Affäre verstrickt ist. Zu verdanken hat der Präsident die neuen Enthüllungen über den Russland-Termin den zahlreichen Lecks im Geheimdienst- und Justizapparat. Trump senior beklagte dies einmal mehr über Twitter und sprach von der „größten Hexenjagd in der politischen Geschichte. Traurig.“ Sein Sohn sei „unschuldig“ und habe sich „transparent verhalten“. Trumps Anwalt ließ verlauten, der Präsident habe von den E-Mails, die zu dem Treffen führten, keine Kenntnis gehabt.

Der sonst so selbstbewusste Trump junior gibt sich kleinlaut. Die konservative und sonst Trump wohlgesinnte Tageszeitung „New York Post“ erschien jetzt mit einer eindeutigen Titelseiten-Schlagzeile: „Donald Trump jr. ist ein Idiot“.

Von Friedemann Diederichs

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

G20 warnen vor wirtschaftlichen Risiken des Handelskonflikts - Scholz sieht auch Chance
Angesichts des Handelskonflikts zwischen den USA, China und der EU haben die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer vor Gefahren für die Weltwirtschaft gewarnt. Olaf …
G20 warnen vor wirtschaftlichen Risiken des Handelskonflikts - Scholz sieht auch Chance
Verwirrende Aussage: Trump verwechselt seinen Großvater mit seinem Vater
In einem Fernsehinterview macht US-Präsident Donald Trump verwundernde Angaben zur Herkunft seiner Eltern. Kommt sein Vater etwa aus Deutschland?
Verwirrende Aussage: Trump verwechselt seinen Großvater mit seinem Vater
Özil tritt aus Nationalmannschaft zurück - Rassismus-Vorwürfe gegen DFB-Spitze
Mesut Özil tritt aus der deutschen Nationalmannschaft zurück. Der Weltmeister zieht damit die Konsequenzen aus der Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten …
Özil tritt aus Nationalmannschaft zurück - Rassismus-Vorwürfe gegen DFB-Spitze
Neuer Brexit-Minister stellt Schlussrechnung infrage
Die Uhr tickt, aber die Verhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen weiter sehr zäh. Der neue Brexit-Minister Dominic Raab legt jetzt nochmals in Sachen …
Neuer Brexit-Minister stellt Schlussrechnung infrage

Kommentare