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Acht Monate nach einer Messerattacke auf vier Flüchtlinge in Heilbronn steht ein 70 Jahre alter Deutscher wegen Mordversuchs vor Gericht.

Prozess nach Messerattacke in Heilbronn

Vier Flüchtlinge brutal niedergestochen - Täter (70) will sich an nichts erinnern

Ein 70-Jähriger sitzt wegen einer Messerattacke auf vier Flüchtlinge in Heilbronn vor Gericht. In Briefen an die Opfer entschuldigt er sich - will aber keine Erinnerung haben.

Im Prozess um eine Messerattacke auf vier Flüchtlinge in Heilbronn hat der 70 Jahre alte Angeklagte die Taten eingeräumt und die Opfer um Entschuldigung gebeten. „Ich bin kein Fremdenhasser, kein Rechtsextremist“, heißt es in Briefen des Mannes an die Opfer, die am Dienstag am Landgericht Heilbronn zum Prozessauftakt verlesen wurden. Er sei „schrecklich besoffen“ gewesen und wolle sich für das entschuldigen, „für das, was ich Ihnen angetan habe“. An die Tat vor acht Monaten könne er sich überhaupt nicht erinnern.

Der Angeklagte entschuldigte sich im Gerichtssaal auch direkt bei seinem ersten Opfer. Doch der seit der Messerattacke des Seniors berufsunfähige 26 Jahre alte irakische Bäcker schüttelte den Kopf: „Ich nehme das nicht an. Er hat mein Leben zerstört.“

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner vor, am 17. Februar auf dem Marktplatz mit einem Küchenmesser hinterrücks und unvermittelt auf vier junge Männer eingestochen zu haben - weil er sie äußerlich für Asylbewerber hielt. Der Polizei sagte der in Kasachstan geborene Mann mit deutschem und russischem Pass danach, er habe „ein Zeichen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik“ setzen wollen. Laut Staatsanwaltschaft nahm er den möglichen Tod seiner Opfer jeweils billigend in Kauf.

Ein damals 17 Jahre alter Afghane wurde schwer verletzt, der Iraker und ein seinerzeit 19-jähriger Syrer erlitten leichte Verletzungen. Der vierte Attackierte konnte unverletzt fliehen.

70-Jähriger gibt an, betrunken gewesen zu sein

Der 70-Jährige will einen Filmriss gehabt haben. Er habe an dem Tag mit seiner Familie gefeiert und wohl auch den einen oder anderen Schnaps getrunken, was er sonst selten mache, berichtete Gutachter Kristian-Olav Rosenau aus Böblingen von Gesprächen mit dem Angeklagten. Die Erinnerung an die Tat fehle ihm komplett. Er habe irgendetwas in den Keller gebracht, danach sei alles weg - bis er einen Schlag bekam und den Schmerz enger Handschellen spürte. Davor: 20 Minuten Filmriss, in denen er auf den Platz ging und um sich stach. Geplant, gezielt, ist sich die Staatsanwaltschaft sicher.

Der angegriffene Iraker kam vor drei Jahren nach Deutschland. Am Tattag wartete der Bäcker nach Feierabend vor einer Kirche auf den Bus, als er plötzlich von hinten angegriffen wurde. Er versuchte, den Arm hochzureißen, doch das Messer durchbohrte seinen Unterarm. Schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht, notoperiert. Bis heute kann er nicht arbeiten. „Als Bäcker brauch' ich beide Hände.“ Er kann nicht schlafen, hat Alpträume, ist depressiv. „Ich wollte eigentlich Deutschland nicht auf der Tasche liegen und mein eigenes Geld verdienen“, zitierte der Vorsitzende Richter eine Aussage. Der Prozess ist bis zum 31. Oktober terminiert.

dpa

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