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Kevin Kühnert (li.) und Stephan Weil stritten sich am Donnerstag bei „Maybrit Illner“

Wilde Debatte bei „Illner“

Held oder Totengräber? Darum glaubt ein Experte nicht an einen „Kanzler-Killer“ Kühnert

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Hoffnungträger oder Hasardeur? Bei „Maybrit Illner“ dreht sich alles um den SPD-Rebellen Kevin Kühnert. Ein Experte teilt Kühnerts Kritikpunkte - und warnt den Juso eindringlich.

Berlin - In Berlin passiert dieser Tage Ungewöhnliches. Der üblicherweise kleine Schritt vom Sondierungspapier zu den Koalitionsverhandlungen erscheint der SPD gerade meilenweit. Und so ziemlich alle offenen Fragen der Sozialdemokraten, vielleicht sogar der Republik, werden auf einen 28-Jährigen projiziert: Auf Juso-Chef und GroKo-Gegner Kevin Kühnert. 

Kühnert war dann am Donnerstag auch konsequenterweise der Dreh- und Angelpunkt der letzten großen TV-Talkrunde vor dem Entscheidungsparteitag der SPD. Bei „Maybrit Illner“ drehte sich alles um den Juso-Boss - obwohl mit Stephan Weil (SPD) und Julia Klöckner (CDU) zwei Vizechefs der GroKo-Parteien in der Runde saßen. Ein weiterer, im Prinzip äußerst bemerkenswerter, Umstand: Die Diskussionsfront verlief zwischen Kühnert und dem Duo Weil und Klöckner - und nicht etwa entlang der Parteigrenzen. 

Kühnert ist sich sicher: „Darauf warten ganz viele Menschen“

Inhaltlich waren die Positionen schnell klar. "Die SPD wird gebraucht, aber nicht als Mehrheitsbeschafferin der Union“, sagte Kühnert. Man solle sich nicht wieder auf ein Spiel einlassen, in dem die Konturen zwischen SPD und Union immer weiter verwischen: Man müsse Unterschiede herausarbeiten, „auf die ganze viele Menschen in unserer Gesellschaft warten“. Die Schuld für die Misere sah Kühnert bei der SPD selbst: "Es ist nicht so, dass Angela Merkel ihre Koalitionspartner auffressen würde."

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„In einem entscheidenden Punkt gibt es einen Unterschied zwischen uns beiden“, entgegnete Parteifreund Weil. „Nämlich den, ob man glaubt, man könne sich nur dann erneuern, wenn man aus der Verantwortung in der Regierung herausgeht.“

Rasender Stillstand oder mangelnder Realitätssinn?

Damit war dann der Streit um die Ausdeutung der Rolle des Juso-Bosses eröffnet. Zustimmung erhielten die Kontrahenten Kühnert und Weil jeweils von ungewohnter Seite. Der Herausgeber des wirtschaftsfreundlichen Handelsblatt, Gabor Steingart lobte den Juso. Das Sondierungspapier sei eine „Festschreibung der Verhältnisse, wie sie sind“, „rasender Stillstand“. Nur weil Kühnert sich traue „Nein“ zu sagen, diskutiere die Republik jetzt „über Erstarrung und Status Quo“. 

CDU-Vize Klöckner sprang Weil bei. Jugendorganisationen hätten eine gewisse Freiheit - „aber es hilft schon, wenn man ein bisschen Realitätssinn an den Tag legt“, stichelte sie gegen Kühnert. 

„Dann ist die ganze Führungsspitze der SPD erledigt“

Die nächste überraschende Wendung: Der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke stimmte erst im Wesentlichen Kühnerts Diagnose zu - und warnte dann, der Juso-Chef spiele mit seiner „NoGroKo“-Initiative nur der Union in die Karten. Das Sondierungsergebnis sei für die SPD alles andere als „hervorragend“ beschied von Lucke, sämtliche Führungspersonen hätten das Ergebnis „abgeräumt“, Kühnert habe die gesamte Parteispitze an die Wand gespielt. Trotzdem solle der Juso lieber „inständig hoffen“, dass er am Sonntag beim Parteitag keinen Erfolg hat.

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“Wenn ihr es jetzt am Sonntag zum Schwur bringt, ihr der Partei ‚Nein’ sagt, ist nicht nur Martin Schulz erledigt, sondern die ganze Führungsspitze der SPD“, warnte von Lucke - den Politiker plötzlich duzend. Der Union oder der Kanzlerin werde eine Absage der SPD nicht schaden, prophezeite er: “Glauben Sie ernsthaft, dass die CDU Jens Spahn oder die CSU Alexander Dobrindt aufbieten wollte?”, fragte von Lucke in die Runde. Und auch die Rede von einem „Aufbruch“ im Land sei verfehlt und unnötig.

Einen klaren Sieger gab es in der Debatte Kühnert gegen die GroKo und „Aufbruch gegen Realitätssinn“ kaum - wie auch der Blick auf die Berichterstattung nach dem bedeutungsschweren Talk zeigt. Stunden nach der Ausstrahlung urteilte die Hamburger Morgenpost, die Runde habe den „GroKo-Killer“ Kühnert gefeiert, während die Bild den Juso „übermotiviert“ nannte und die „Ohrfeige des Abends“ kassieren sah. Alles eine Frage des Blickwinkels also - was Kühnerts Initiative letztlich bringt, wird wohl erst die Zeit zeigen. Eine erste Teil-Antwort gibt es am Sonntag beim SPD-Parteitag.

fn

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