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Ein schlafendes Kind in einem Flüchtlingslager im Südsudan. In mehreren Regionen Afrikas herrscht Hungersnot. Foto: Matthieu Alexandre/Caritas Internationalis

Hungerkrise in Afrika

Helfer im Südsudan: 100.000 droht unmittelbar der Hungertod

Rund 100.000 Menschen im Südsudan sind vom Hungertod bedroht. Rund die Hälfte der Bevölkerung braucht Unterstützung. Helfer warnen, dass sich die Lage ohne rasches Handeln weiter zuspitzen wird.

Juba (dpa) - Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen warnen vor einer Ausweitung der Hungersnot im Südsudan. Ohne einen raschen und massiven Hilfseinsatz der internationalen Gemeinschaft drohe sich die Hungersnot "auf weite Teile des Landes auszuweiten".

Das erklärte der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Juba, Stefano Temporin. Der UN-Sondergesandte für den Südsudan, David Shearer, sagte, in der nordwestlichen Region Northern Bahr el Ghazal zum Beispiel sei die Lage bereits kritisch. "Ich wäre nicht überrascht, wenn für das Gebiet auch eine Hungersnot ausgerufen würde."

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur forderte Shearer: "Wir müssen jetzt schnell handeln, um zu verhindern, dass die Lage noch viel schlimmer wird." Im Südsudan werden dieses Jahr UN-Angaben zufolge bis zu 5,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein, das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. In vielen Landesteilen essen die Menschen Helfern zufolge aus Verzweiflung bereits Seerosen, Wurzeln und sogar Blätter. Besonders kritisch ist die Zeit bis Juli-August, wenn die nächste Ernte verfügbar sein wird.

Die UN haben Ende Februar für die Regionen Leer und Mayendit im Bundesstaat Unity eine Hungersnot ausgerufen - die erste weltweit seit 2011. Demnach sind 100.000 Menschen unmittelbar vom Hungertod bedroht, eine Million weitere stehen kurz davor. Zur Bekämpfung der Hungerkrise werden für dieses Jahr 1,6 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) benötigt, bislang ist jedoch erst knapp ein Viertel zugesagt, 374 Millionen Dollar.

Die drastische Hungerkrise im Südsudan wurde von dem Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land ausgelöst. Wegen der Kämpfe sind Millionen auf der Flucht, die Landwirtschaft ist vielerorts zum Erliegen gekommen. Zudem haben Helfer zum Beispiel zu den Hungersnot-Gebieten in Unity wegen anhaltender Kämpfe kaum Zugang.

"Es ist entscheidend, dass wir so viel Nahrungsmittel wie möglich zu den Menschen bringen", forderte Shearer. Langfristig brauche es aber eine politische Lösung des Problems. "Ein Waffenstillstand würde uns eine Pause geben, um Verhandlungen aufzunehmen und den Friedensprozess wieder anzuleiern", sagte Shearer. Dann könnten Helfer auch Zugang zu allen Gebieten bekommen.

Der Südsudan erlangte 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Doch Ende 2013 brach in Folge eines Machtkampfes zwischen Präsident Salva Kiir und dessen damaligem Stellvertreter Riek Machar ein Bürgerkrieg aus. Der Konflikt hat auch zunehmend ethnische Hintergründe: Kiirs Gefolgsleute vom Volk der Dinka kämpfen gegen Machars Anhänger vom Stamm der Nuer. Zehntausende Menschen kamen seither ums Leben, rund 3,5 Millionen sind nach UN-Angaben auf der Flucht. 

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat unterdessen die internationale Gemeinschaft zu einem entschlossenen Kampf gegen die Hungerkrise in Afrika aufgerufen. "Nur mit schneller humanitärer Hilfe lässt sich eine Katastrophe noch größeren Ausmaßes verhindern", schrieb Gabriel in einem Gastbeitrag für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir müssen uns der wachsenden Herausforderung durch mehr Verantwortung stellen. Denn Hunger wartet nicht auf eine politische Lösung."

Auch wenn Deutschland einer der größten humanitären Helfer weltweit sei, könne es Hungerkatastrophen aber nicht alleine abwenden. "Auch andere Geber müssen zu ihrer Verantwortung stehen und nun mehr Mittel und Engagement für humanitäre Hilfe bereitstellen."

Unter anderem wegen der prekären Lage in Afrika hat Gabriel für diesen Mittwoch zu einer internationalen Konferenz gegen die Hungersnot eingeladen.

HUNGERTOD: 100.000 Menschen sind im Südsudan unmittelbar vom Hungertod bedroht, eine Million Menschen stehen kurz davor.

HUNGER: Insgesamt 5,5 Millionen Menschen werden in diesem Jahr auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein.

VERTRIEBENE: Rund 1,9 Millionen Menschen haben wegen der Gewalt in anderen Landesteilen Schutz gesucht.

FLÜCHTLINGE: Etwa 1,6 Millionen Südsudanesen sind ins Ausland geflohen, die Hälfte davon nach Uganda.

FLUCHT: Der Exodus geht weiter. Im März sind UN-Angaben zufolge täglich zwischen 2000 und 4000 Menschen nach Uganda geflohen.

HELFER: Seit Beginn des Bürgerkriegs Ende 2013 wurden mindestens 79 humanitäre Helfer getötet.

FINANZIERUNG: Zur Bekämpfung der Hungerkrise werden für dieses Jahr 1,6 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) benötigt, bislang ist erst knapp ein Viertel zugesagt, 374 Millionen Dollar.

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