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"Stets von herausragendem Format": Franz Josef Strauß und Helmut Kohl 1986.

Altkanzler feiert Geburtstag

Helmut Kohl wird 85: Eine Hommage von Wilfried Scharnagl

München - Am heutigen Freitag feiert Helmut Kohl seinen 85. Geburtstag. Wilfried Scharnagl, langjähriger Weggefährte und politisches Alter Ego von Franz Josef Strauß, blickt auf den CDU-Chef und Kanzler der Einheit aus bayerischer Sicht.

Gibt es im Leben zweier Politiker Streit und Gegensatz auf der einen sowie Gleichklang und Übereinstimmung auf der anderen Seite, so findet das erste Begriffspaar in der Regel leichter Aufmerksamkeit und auch Schlagzeilen als das zweite. Der 85. Geburtstag von Helmut Kohl ist kalendarischer Anlass, an den langen gemeinsamen politischen Weg zu erinnern, den er mit Franz Josef Strauß ging. Das Miteinander im Grundsätzlichen, aber auch das Gegensätzliche im Pragmatischen begann Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Kohl, 1930 geboren, startete seine Karriere als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Strauß, 15 Jahre älter, hatte zu dieser Zeit bereits zwölf Ministerjahre in Bonn hinter sich, war seit 1961 Vorsitzender der Christlich-Sozialen Union. Im Jahr danach hatte er seine Partei zum ersten Mal zur absoluten Mehrheit im Bayerischen Landtag geführt, welche die CSU – eine Sonderrolle in der deutschen und europäischen Parteienlandschaft – bis 2008 behielt und nach einem kurzen Koalitions-Interregnum 2003 unter Horst Seehofer wieder gewann.

Helmut Kohl verletzte Franz Josef Strauß immer wieder

Schon hier wird, bei aller Übereinstimmung im Grundsätzlichen der Union, ein Unterschied zwischen CSU und CDU deutlich. Für Strauß war immer klar, dass seine Partei nach einer eigenen Mehrheit und einem Regierungsmandat ohne Koalitionspartner streben müsse. Er wusste zwar, dass es keine Sicherheit geben könne, diese 50 plus x-Prozent Höhe zu erreichen – überzeugt war er aber davon, dass dieses Ziel nie zu schaffen sei, wenn es eine Partei nicht mehr in ihren strategischen Genen habe. Bei der CDU sah Strauß dieses Defizit, das Gerede von einer "Lagertheorie" hielt er immer für gefährlich. Und in der Tat musste dieses "Lager" dann auch mangels Belegung geschlossen werden, die Union geriet in die Opposition.

Helmut Kohl sagte einmal: "Franz Josef Strauß war ein Mann voller Leidenschaft, oft hart und schroff, an dem man sich reiben konnte und musste." Dieses Wort über Strauß wurde zwischen den beiden nicht nur einmal in die Wirklichkeit umgesetzt. Wenn in langen gemeinsamen Spaziergängen in Bayern getroffene Vereinbarungen nach Kohls Rückkehr in Bonn nicht oder nur schleppend umgesetzt wurden, verletzte dies Strauß zutiefst. Auch wenn der CSU-Vorsitzende hinter solchem Verhalten nicht zu Unrecht die Umgebung von Kohl, Generalsekretäre zumal, vermutete – kräftige und derbe Worte über Kohl waren die Folge, der es wiederum an entsprechenden Tönen an die Adresse von Strauß ebenfalls nicht fehlen ließ.

Bayern hielt das Tor zur Einheit offen, Helmut Kohl schritt hindurch

In einem zentralen Punkt ihrer persönlichen und politischen Prägung waren Kohl und Strauß in besonderer Weise identisch. Beide waren überzeugte deutsche Patrioten, Freiheit und Einheit für das deutsche Vaterland waren für sie unaufgebbare Ziele. Als der CSU-Vorsitzende Anfang der siebziger Jahre die Klage Bayerns vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den von SPD und FDP mit der DDR ausgehandelten Grundlagenvertrag durchsetzte und damit jeder Anerkennung eines zweiten deutschen Staates und einer zweiten deutschen Staatsbürgerschaft einen Riegel vorschob, hielten Bayern und die CSU das Tor zur Einheit offen. Durch dieses Tor schritt – klug, entschlossen und mutig – Helmut Kohl, als Kanzler der Einheit in die Geschichte eingegangen.

Kohl wie Strauß wussten, auch dies eine ausgeprägte Gemeinsamkeit, dass gute und richtige Politik ein historisches Fundament braucht. Geschichte liefert keine Rezepte für den Einzelfall, aber sie bringt Wissen und schafft Bewusstsein, aus denen die richtigen Lehren zu ziehen sind. "Er war ein Mensch, der die Geschichte kannte und der aus der Geschichte lebte. Er war einer, der wusste, dass die Welt von morgen nur gestaltet werden kann, wenn man die Welt von gestern und heute begreift. Diese gemeinsame Überzeugung war eine wesentliche Grundlage für unsere Gemeinsamkeit im Handeln" – Kohl hat das nach dem Tod von Strauß gesagt.

Mit diesen Worten würde FJS heute wohl Helmut Kohl gratulieren

Und Bundeskanzler Helmut Kohl würdigte damals, im Oktober 1988, Strauß als "eine kraftvolle Persönlichkeit mit all ihren Kanten, aber stets von herausragendem Format".

Umgekehrt hätte dies Franz Josef Strauß auch zum 85. Geburtstag von Helmut Kohl sagen können.

Von Wilfried Scharnagl *)

Wilfried Scharnagl

*) Wilfried Scharnagl, Jahrgang 1938, war von 1977 bis 2001 Chefredakteur der CSU-Parteizeitung Bayernkurier.

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