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Trauerfeierlichkeiten für Altkanzler Kohl

Abschied vom Altkanzler

News-Blog: Militärisches Ehrengeleit für Kohl zum Abschluss der Trauerfeiern

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  • Florian Naumann
    Florian Naumann
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16 Jahre lang war Helmut Kohl Deutschlands Regierungschef. Am Samstag verabschiedet sich die Nation mit einer Trauerfeier in Speyer vom Wiedervereinigungs-Kanzler. Alle Infos im News-Blog.

  • Am 16. Juni war Altkanzler Helmut Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim verstorben.
  • Kohl hatte mit 16 Jahren die längste Amtszeit aller Kanzler der Bundesrepublik und gilt als Architekt der Wiedervereinigung.
  • Am Samstagabend wird Kohl am Dom zu Speyer beigesetzt.
  • Das umfangreiche Trauerzeremoniell soll um 11 Uhr mit einem europäischen Trauerakt in Straßburg beginnen.
  • Ab 14.50 wird ein Trauerkonvoi durch Ludwigshafen fahren.
  • Alleine in Speyer werden mindestens 5.000 Trauergäste erwartet.
  • Ein Großaufgebot der Polizei mit mehr als 1.000 Beamten sichert die Trauerfeierlichkeiten.

Bilder: Europa nimmt Abschied von Altkanzler Helmut Kohl

20.56 Uhr: Die Zeremonie für die Beisetzung von Kohl in Speyer ist beendet. Die Trauergäste haben den Friedhof des Domkapitels, auf dem sich das Grab von Kohl befindet, verlassen. Anschließend fuhren sie in mehreren Fahrzeugen davon. Nach dem Requiem im Dom waren nur der enge Freundes- und Familienkreis zu dem Friedhof am Adenauer-Park gebracht worden.

20.04 Uhr: Mit einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr sind die offiziellen Trauerfeierlichkeiten für den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl zu Ende gegangen. In Speyer spielte das Musikkorps der Bundeswehr am Samstagabend unter anderem einen Trauermarsch und zum Abschluss die deutsche Nationalhymne. Der mit einer Deutschlandfahne umhüllte Sarg von Kohl stand während der Zeremonie aufgebahrt auf dem Domplatz. 

19.09 Uhr: Der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat im Trauergottesdienst für Helmut Kohl an das Lebenswerk des früheren Bundeskanzlers erinnert. „Wir nehmen Abschied von einem wahrhaft großen Staatsmann“, sagte Wiesemann am Samstagabend bei dem Requiem im Dom zu Speyer. Es sei zugleich der Abschied von einem Ehemann und Familienvater. Der Bischof drückte der Witwe Maike Kohl-Richter, aber auch den Söhnen und Enkeln von Kohl sein Mitgefühl aus. „Es ist der Abschied von einem Menschen, mit allem, was Menschsein in Kraft und in Schwäche bedeutet.“ Das Verhältnis zwischen Kohl und seinen Söhnen galt als zerrüttet. Nach dem Trauergottesdienst und einem militärischen Zeremoniell auf dem Domplatz soll Kohl auf einem nahegelegenen Friedhof in Speyer beerdigt werden.

Zu dem Gottesdienst kamen wie zu dem europäischen Trauerakt am Samstagvormittag in Straßburg erneut zahlreiche aktive und frühere Staats- und Regierungschefs. Darunter waren unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, saß zwischen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Auch frühere Weggefährten Kohls aus der CDU wie Heiner Geißler oder Norbert Blüm kamen nach Speyer. Kohls Söhne wurden dagegen nicht im Dom gesehen. Vor allem Kohls älterer Sohn Walter hatte sich kritisch über die Trauerfeierlichkeiten geäußert, weil es keinen nationalen Staatsakt für seinen Vater gab und dieser nicht im Familiengrab in Ludwigshafen beigesetzt wird. Bischof Wiesemann schloss in seine Predigt sowohl Maike Kohl-Richter als auch die Söhne des früheren Kanzlers ein. "Wir nehmen Abschied von einem Ehemann und Familienvater", sagte Wiesemann. Das Mitempfinden gelte seiner Witwe, die ihrem Mann "in guten wie in bösen Tagen, in Gesundheit wie in Krankheit" beigestanden habe. Der Bischof sagte zugleich, das Mitempfinden gelte "den Söhnen und Enkelkindern, die ihren Vater und Großvater verloren haben".

18.23 Uhr: Am Zielort warten schon mehrere Hundert Bürger. „Danke Helmut. Herzlich willkommen zurück in Speyer“, hat ein 48-jähriger Speyerer mit roter Farbe auf ein Leintuch geschrieben, das er an einer Brücke am Rhein aufgehängt hat. „Es gibt hier viele in Speyer, die schimpfen über den Trauerakt und sagen, das kostet doch so viel“, sagt der Mann. Doch Kohl habe die deutsche und europäische Einheit gebracht - und das könne man „gar nicht hoch genug hängen“.

Die Speyerer Innenstadt wird schon ab Mittag mehr und mehr abgesperrt. Hubschrauber der Bundespolizei sind am Himmel zu sehen, Polizei und Feuerwehr sind präsent. Der Dom ist für 1500 geladene Gäste reserviert. Draußen ist eine Leinwand für die Liveübertragung aufgebaut, es ist windig und es nieselt. Mehrere hundert Menschen kommen zunächst zusammen, um die Übertragung des Requiems zu verfolgen. Nach einem militärischen Zeremoniell ist am Abend die Beisetzung im engsten Familienkreis auf einem nahegelegen Friedhof geplant.

17.03 Uhr:

 Der Sarg mit dem Leichnam von Helmut Kohl ist in Speyer eingetroffen. Eskortiert von mehreren Polizeibooten legte das Schiff „Mainz“ am Samstagnachmittag am Rheinufer in unmittelbarer Nähe des Speyerer Doms an. Kurz zuvor hatten drei Hubschrauber der Bundespolizei die Anlegestelle in V-Formation überflogen. Ein achtköpfiges Ehrenbataillon der Bundeswehr trug den Sarg anschließend von Bord. Ein Leichenwagen brachte ihn in den Dom, wo er für das Requiem am frühen Abend aufgebahrt werden sollte. Links und rechts der Straße standen zahlreiche Menschen Spalier, als der Konvoi vorbeifuhr.

Nach dem Requiem im Dom und einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr soll Kohl am Abend auf einem nahe gelegenen Friedhof in Speyer im Freundes- und Familienkreis beigesetzt werden.

16.34 Uhr: "In Liebe, deine Maike" - mit diesen Worten auf dem Kranz vor dem aufgebahrten Sarg hat sich die Witwe von Altkanzler Helmut Kohl von ihrem Mann verabschiedet. In der ersten Reihe mit scharzem Hut und schwarzer Sonnenbrille saß Maike Kohl-Richter am Samstag bei dem europäischen Trauerakt in Straßburg - Kohls beide Söhne hingegen fehlten. Der Familienzwist, der seit dem Tod von Kohl am 16. Juni neu aufgebrochen war, wurde damit für alle Welt noch einmal deutlich. Kohls ältester Sohn Walter hatte sich einen Staatsakt in Deutschland für seinen Vater gewünscht, am Brandenburger Tor, dem Symbol für den Mauerfall. Und Kohls Beerdigung in seiner Heimatstadt Ludwigshafen, neben Walters Mutter und Kohls erster Frau Hannelore. Doch die Witwe lehnte beides ab, forcierte stattdessen den europäischen Staatsakt. In ihrer Traueransprache in Straßburg wich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die ausgiebig Kohls Verdienste würdigte, auch dem heiklen Thema Kohl-Familie nicht aus. Kohls Sarg werde später zurück in seine Heimatstadt Ludwigshafen gebracht, sagte sie. "Hier war er zu Hause, lange Jahre zusammen mit seiner ersten Frau Hannelore, die ihm in guten wie in schlechten Zeiten stets zur Seite stand." Dann wandte die Kanzlerin sich Maike Kohl-Richter zu: "Sie haben ihren Ehemann Helmut Kohl in all den letzten Jahren voller Hingebung und Liebe begleitet, bis zuletzt. Ihnen gehört mein Mitgefühl." Und wohl mit Blick auf die Söhne, die auch bei der Beerdigung am Abend in Speyer nicht dabei sein wollten, schloss die Kanzlerin das Thema mit den Worten ab: "Mein Mitgefühl gehört allen, die in Helmut Kohls Familie um ihn trauern."

15.55 Uhr: Der Sarg mit dem Leichnam des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl ist auf der letzten Etappe in Richtung Speyer unterwegs. Acht Mitglieder eines Wachbataillons der Bundeswehr trugen den in eine Deutschland-Flagge gehüllten Sarg am Samstagnachmittag an einer Anlegestelle auf das Schiff „Mainz“, wo er auf dem Heck aufgebahrt wurde. Das Schiff sollte die sterblichen Überreste von Kohl einige Kilometer auf dem Rhein bis nach Speyer fahren. Nach einem Requiem im Dom und einem militärischen Ehrenzeremoniell der Bundeswehr soll Kohl am Abend auf einem nahe gelegenen Friedhof im Freundes- und Familienkreis beigesetzt werden.

15.43 Uhr: Die versammelte Politik-Prominenz erhebt sich, als der Sarg zu den Klängen des Trauermarschs aus Händels Oratorium "Saul" hereingetragen wird. Staats- und Regierungschefs, Parlamentarier und die Spitzen der EU-Institutionen erweisen Altkanzler Helmut Kohl im EU-Parlament die letzte Ehre - in einem von Huldigungen geprägten europäischen Trauerakt, in dem aber auch humorvolle Erinnerungen und kritische Töne Platz finden. Es ist der Tag des Abschieds vom langjährigen CDU-Bundeskanzler, dessen Verdienste unbestritten sind, der aber nie unumstritten war. Nach Ludwigshafen wird Kohls Sarg zwar im Anschluss an die Trauerfeier in Straßburg mit einem Hubschrauber geflogen - aber nur als Zwischenstation. Der Sarg soll nach einer "Fahrt ohne Zwischenhalt" durch Ludwigshafen, wie es im ausführlichen sechsseitigen Ablaufprotokoll der Bundesregierung steht, mit dem Schiff über den Rhein nach Speyer gebracht werden. Dort soll am Abend der deutsche Teil der offiziellen Abschiedszeremonien stattfinden: Ein Pontifikalrequiem im Dom zu Speyer und ein großes militärisches Ehrengeleit, vor der Beisetzung im engsten Kreis. Es ist der Abschied von einem Kanzler, der schon Einzug in die Geschichtsbücher gehalten hat - über dessen Erbe aber weiter gestritten wird.

15.30 Uhr: Der Fahrzeugkonvoi mit dem Sarg des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl ist am Samstagnachmittag in einem Trauerzug durch Ludwigshafen gefahren. Im Zentrum von Kohls Geburtsstadt standen Menschen links und rechts der Straße und applaudierten, als der mit einer Deutschland-Flagge bedeckte Sarg vorbeifuhr. Beim Trauerakt in Straßburg war der Sarg noch in eine blaue Europaflagge gehüllt. An der Spitze des Konvois fuhren als Ehreneskorte fünf Polizeimotorräder. Nach Angaben der Polizei hatten sich rund 1000 Menschen in der Innenstadt von Ludwigshafen versammelt, um den Trauerkonvoi zu verfolgen. Auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) war darunter.

15.17 Uhr: Mit einem europäischen Trauerakt für Helmut Kohl im Straßburger Parlament haben Spitzenpolitiker und enge Weggefährten aus aller Welt am Samstag dem verstorbenen Altkanzler die letzte Ehre erwiesen. Kohls Sarg war am Samstagmorgen in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim abgeholt und nach Straßburg gebracht worden. Dort wurde er mit einer europäischen Flagge bedeckt zunächst im Protokollsaal des EU-Parlaments aufgebahrt, damit die Trauergäste von dem Altkanzler Abschied nehmen konnten. Auch Merkel und Steinmeier verharrten vor dem Sarg und trugen sich ins Kondolenzbuch ein. Soldaten des Wachbataillons trugen den Sarg später in den Plenarsaal. Nach der Trauerfeier in Straßburg, für deren Sicherheit 2000 Polizisten im Einsatz waren, wurde Kohls Sarg wieder nach Ludwigshafen geflogen und sollte von dort aus mit einem Schiff über den Rhein nach Speyer gebracht werden. Im dortigen Dom findet am frühen Abend ein Pontifikalrequiem statt. Kohl wird anschließend im engsten Kreis auf dem Friedhof des Domkapitels von Speyer beigesetzt.

15.00 Uhr: Nach dem europäischen Trauerakt in Straßburg für den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) ist sein Sarg in seiner Heimatstadt Ludwigshafen eingetroffen. Ein Hubschrauber flog diesen am Samstagnachmittag von Frankreich nach Deutschland. Nach der Landung setzte sich nach Angaben der Polizei der Trauerzug durch Ludwigshafen in Bewegung. Nach der Fahrt durch Kohls Heimatstadt soll der Sarg an Bord eines Schiffes auf dem Rhein nach Speyer gefahren werden. Dort ist am frühen Abend zunächst ein Pontifikalrequiem im Dom geplant, bevor Kohl nach einem militärischen Ehrengeleit im engsten Kreis beigesetzt wird. Am Vormittag hatten zahlreiche amtierende und frühere Staats- und Regierungschefs Kohl bei einem europäischen Trauerakt im Europaparlament in Straßburg gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob dabei die Verdienste des verstorbenen Altkanzlers für die deutsche und europäische Einheit hervor. Neben der Kanzlerin sprachen unter anderem der französische Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der frühere US-Präsident Bill Clinton in Straßburg. Kohl ist der erste Politiker, der mit einem europäischen Trauerakt geehrt wird. Der am 16. Juni verstorbene Altkanzler ist einer von nur drei Ehrenbürgern Europas.

14.58 Uhr: Der frühere „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, der ein enger Freund Helmut Kohls war, hat einen kurzen Film des Hubschrauberflugs von Straßburg nach Ludwigshafen getwittert. „Aus Frankreich zurück nach Deutschland, im Flug entlang des Rheins in seine pfälzische Heimat - Abschied vom Ehrenbürger Europas“, überschrieb er am Samstag die einminütige Videoaufnahme, die den Blick aus dem Hubschrauber auf den Rhein zeigt.

14.37 Uhr: Ein Hubschrauber der Bundespolizei hat den Sarg von Altkanzler Helmut Kohl zurück in seine Heimatstadt Ludwigshafen gebracht. Die Maschine, die nach dem EU-Trauerakt in Straßburg gestartet war, landete am Samstagnachmittag auf dem Gelände der Autobahnpolizei in Ruchheim. Dort war Kohl zu Zeiten seiner Kanzlerschaft auch oft gelandet, wenn er nach Hause kam. Die Polizeistation liegt nur wenige Kilometer entfernt vom Haus der Familie Kohl in Ludwigshafen-Oggersheim. Der Sarg sollte anschließend in einem Trauerkonvoi durch die Innenstadt von Ludwigshafen gefahren werden, damit sich die Menschen dort von Kohl verabschieden können. Anschließend geht es weiter nach Speyer, wo Kohl am Abend beigesetzt wird.

14.22 Uhr: Der frühere spanische Ministerpräsident  Felipe González (75) sprach über seinen persönlichen Freund: „Er hatte ein Gespür für Freundschaft, und Freundschaft bedeutete für ihn auch Vertrauen. (...) Er sprach von einem europäischen Deutschland und wollte nie wieder ein deutsches Europa erleben.“

13.48 Uhr: Beim Trauerakt für Helmut Kohl in Straßburg hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verdienste des verstorbenen Altkanzlers für die deutsche und europäische Einheit hervorgehoben. Ohne Kohl wäre das Leben von Millionen Menschen "völlig anders verlaufen", sagte die Kanzlerin am Samstag in ihrer Ansprache im Europäischen Parlament. Kohls "tiefe europäische Überzeugung und das Vertrauen, das er weltweit genoss", hätten viele Bedenken gegen die deutsche Wiedervereinigung zerstreut. Sie fügte hinzu: "Das wird für immer die alles überragende, einmalige historische Leistung Helmut Kohls bleiben." Merkel verwies darauf, dass Kohl eine klare "außenpolitische Maxime" gehabt habe: Er habe ein Europa gewollt, in dem es nie wieder Krieg gibt. "Gemeinsam mit Partnern bettete er die deutsche Einheit in die europäische Einigung ein", fügte sie hinzu. Dies sei "ein Werk des Friedens" und der Einheit gewesen. Vieles, was heute in Europa selbstverständlich erscheine, gehe auf ihn zurück. Er habe "einen Platz in den Geschichtsbüchern eingenommen". Merkel hob hervor: "Er verkörpert eine Epoche." Merkel beschrieb den Altkanzler, der sie als junge Politikerin aus dem Osten gefördert hatte und unter dem sie jahrelang Ministerin war, als einen "den Menschen zugewandten Weltpolitiker". Für Partner sei auch klar gewesen: "Auf Helmut Kohl war Verlass." Ganz offen verwies Merkel aber auch auf Kohls schwierige Seiten: "So manche Geister schieden sich an ihm, nicht wenige haben sich an ihm abgearbeitet und gerieben. Viele von uns, auch ich, können davon erzählen", sagte sie. All dies aber "tritt zurück hinter dem überragenden Lebenswerk". Mit bewegter Stimme wandte sich Merkel am Ende ihrer Traueransprache direkt an Kohl, dessen Sarg vor den Trauergästen im Straßburger Parlament aufgebahrt war: "Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl", sagte sie. "Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben." Sie dankte auch für die Chancen, die er generell Deutschen und Europäern gegeben habe. "Jetzt ist es an uns, ihr Vermächtnis zu bewahren."

13.33 Uhr: EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hob Mut und Tatkraft Kohls hervor. „Er war ein Kämpfer für die Freiheit und die Demokratie und einer der Protagonisten der Wiedervereinigung unseres Kontinents. Stets und überall verteidigte er die Würde des Menschen gegen Mauern, gegen eiserne Vorhänge und gegen totalitäre Regime.“ Kohl habe maßgeblich den Lauf der Geschichte beeinflusst, so Tajani. „Wir finden kein Kapitel der europäischen Integration, dem er nicht mutig seinen Stempel aufgedrückt hätte.“

13.31 Uhr: EU-Ratschef Tusk nannte Kohl einen Wegbereiter der europäischen Einigung sowohl im Westen als auch im Osten des lange geteilten Kontinents. „Seine Vision ging weit über die deutschen Grenzen und die deutschen Interessen hinaus.“ Der Deutsche habe „verstanden, dass die ersten, die der Berliner Mauer Risse beigebracht haben, die Werftarbeiter von Danzig waren“, betonte der selbst aus Danzig stammende Pole Tusk mit Blick auf die Verdienste der Gewerkschaft Solidarnosc für die demokratische Entwicklung Ost- und Mitteleuropas. Tusk verband seine Würdigung des Altkanzlers vor dem in eine blaue Europaflagge gehüllten Sarg mit einem Appell an die heutigen Politiker des Kontinents, klare Botschaften zu senden: „Ein Ja für die Union, ein Ja für die Freiheit, ein Ja für die Menschenrechte.“

13.20 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Helmut Kohl in einer bewegenden Trauerrede als großen Brückenbauer zwischen Ländern und Menschen gewürdigt. „Er war ein den Menschen zugewandter Weltpolitiker“, sagte Merkel am Samstag beim europäischen Trauerakt für den am 16. Juni gestorbenen Altkanzler am Samstag im EU-Parlament in Straßburg. Jetzt müssten die nächsten Generationen sein Vermächtnis bewahren. Das sei der engagierte, unermüdliche Einsatz für Frieden, Freiheit und Einheit. Merkel dankte Kohl auch ganz persönlich. „Lieber Bundeskanzler Helmut Kohl, dass ich hier stehe, daran haben Sie entscheidenden Anteil. Danke für die Chancen, die Sie mir gegeben haben. (...) Ich verneige mich vor Ihnen und Ihrem Angedenken in Dankbarkeit und Demut“, sagte Merkel, die dabei ihren Blick auf den Sarg richtete und später Tränen in den Augen hatte. Sie schilderte ihn als einen Mann der absoluten Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und unerschütterlichen Überzeugung. Und auch als einen Politiker, an dem sich viele Menschen gerieben haben und der Gegenargumente scharf abwehren konnte. Merkel erinnerte auch an Kohls erste Ehefrau Hannelore, die sich 2001 das Leben genommen hat. „Wir gedenken auch ihrer in Dankbarkeit.“ Über Kohls Witwe Maike Kohl-Richter sagte Merkel, sie habe den Altkanzler „voller Hingebung und Liebe begleitet bis zuletzt“. Ihr Mitgefühl gelte Maike Kohl-Richter und „allen, die in Helmut Kohls Familie um ihn trauen“. Mit seinen Söhnen Peter und Walter hatte sich Kohl nicht mehr versöhnt. Kohl war Merkels politischer Ziehvater und holte die in der DDR aufgewachsene Pfarrerstochter nach dem Mauerfall in sein Bundeskabinett. 1999 rief Merkel als CDU-Generalsekretärin die Partei aber auf, sich von Kohl wegen der von ihm ausgelösten Spendenaffäre zu emanzipieren. Kohl gab seinen Ehrenvorsitz zurück. Zu einer richtigen Versöhnung Kohls mit seiner Nachfolgerin an der Spitze der CDU und im Bundeskanzleramt kam es nicht mehr.

13.15 Uhr: Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Helmut Kohl als großen Freund Frankreichs gewürdigt. „Helmut Kohl reichte uns die Hand“, sagte Macron beim Europäischen Trauerakt für den Altkanzler am Samstag in Straßburg. Er erinnerte an die Annäherung beider Länder in den 1980er Jahren und die Nähe Kohls zum damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand. „Für meine Generation ist Helmut Kohl schon Teil der europäischen Geschichte“, sagte der 39-Jährige. Er bekräftigte in Straßburg auch erneut seinen Willen zur Zusammenarbeit mit Deutschland und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Macron, der seine Rede auf Französisch hielt, sprach am Ende auch Deutsch: „Wir haben heute überhaupt keinen Anlass zur Resignation. Wir haben vielmehr Grund zu realistischem Optimismus.“

13.13 Uhr: Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat an die engen Beziehungen Helmut Kohls zu seinem Land erinnert. Für den Altkanzler sei Russland Bestandteil eines vereinten Europas gewesen, sagte Medwedew beim Europäischen Trauerakt am Samstag in Straßburg, wo er als Privatperson sprach. „Für ihn war das ein Teil eines gemeinsamen Hauses, ohne Stacheldraht“, sagte Medwedew laut Übersetzung aus dem Russischen. „Es war ein Traum von Frieden und Sicherheit für alle.“ Kohl sei eine „Person der Zukunft“ gewesen. „Er ist auch der Architekt der gegenwärtigen Welt“, so Medwedew.

12.30 Uhr: Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat dem Altkanzler Helmut Kohl bei der Trauerfeier in Straßburg eine Liebeserklärung gemacht. Kohl habe in seiner politischen Zeit ganz große Fragen gestellt bekommen mit Verzweigungen in die Gegenwart, und wegen seiner Antworten seien die Vertreter so vieler Länder bei dem Trauerakt, sagte Clinton am Samstag im Europaparlament in Straßburg. „Ich habe ihn geliebt. Ich habe ihn sehr gemocht“, sagte Clinton. Kohl habe eine Welt gewollt, in der Zusammenarbeit als besser gilt als der Konflikt. „Er wollte eine Welt schaffen, in der niemand niemanden dominiert.“ Zum Schluss sagte Clinton: „Du hast das gut gemacht in deinem Leben. Und wir, die wir dabei sein durften, lieben dich dafür.“

„Ich habe ihn geliebt. Hillary sagte, ich (Bill) liebe ihn, weil er der Einzige war mit einem größeren Appetit auf Essen als ich. ... Er liebte es, Deutscher zu sein. Er versuchte, mich dazu zu bringen, ein paar Dinge zu essen, die ich nicht essen wollte.“

11.50 Uhr: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl als "Nachkriegsgiganten" und "kontinentales Monument" gewürdigt. "Helmut Kohl war ein deutscher Patriot, aber auch ein europäischer Patriot", sagte Juncker am Samstag beim europäischen Trauerakt im Straßburger EU-Parlament. Der Kommissionspräsident würdigte insbesondere Kohls Beitrag für die "Versöhnung" Europas. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani nannte Kohl einen "mutigen Mann", "Verfechter der Freiheit und der Demokratie" und "Vorreiter der "Wiedervereinigung unseres Kontinents". "Helmut Kohl hat sicherlich einen Ehrenplatz im europäischen Pantheon verdient." 

11.30 Uhr: Im Europaparlament in Straßburg hat am Samstagvormittag der Trauerakt für den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl begonnen. Mit der Zeremonie wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs Abschied von Kohl nehmen und seine Verdienste für Europa würdigen. 

11.00 Uhr: Im Straßburger Europaparlament verabschieden sich internationale Staats- und Regierungschefs von Helmut Kohl. Der Sarg des früheren Bundeskanzlers wurde dafür am Samstagmorgen in einem Protokollraum aufgebahrt. Vor dem Saal können sich die Trauernden in ein Kondolenzbuch eintragen, sagte eine Parlamentssprecherin. Anschließend wird der Sarg, der in eine blaue Europaflagge gehüllt wurde, vom Wachbataillon des Bundesverteidigungsministeriums in den Plenarsaal getragen. Begleitet werden sie von einer Totenwache des Eurokorps.

10.20 Uhr: EU-Vertreter und Spitzenpolitiker haben im europäischen Parlament in Straßburg Abschied vom verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) genommen. Sie gingen am Samstagvormittag an dem mit einer Europaflagge bedeckten Sarg des Altkanzlers vorbei, der im Protokollsaal des EU-Parlaments aufgebahrt war.

Bilder: Europa nimmt Abschied von Altkanzler Helmut Kohl

8.15 Uhr: In  Straßburg ist am Vormittag (11.00) ein Trauerakt im EU-Parlament geplant. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs wollen dabei Abschied von Kohl nehmen und seine Verdienste für Europa würdigen.

Bei dem Trauerakt in Straßburg werden neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unter anderen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton reden. Vor Beginn der rund zweistündigen Zeremonie können sich die Staats- und Regierungschefs persönlich vom Verstorbenen verabschieden.

Erstmals wird für einen Politiker ein solcher europäischer Trauerakt ausgerichtet. Einen deutschen Staatsakt für Kohl wird es dagegen nicht geben.

Samstag, 7.30 Uhr: Der Leichnam des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl ist am Samstagmorgen aus seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim abgeholt worden. Der Sarg war mit einer Europaflagge bedeckt. Anschließend machte sich ein Fahrzeugkonvoi auf den Weg nach Straßburg. Dort ist am Vormittag ein Trauerakt im EU-Parlament geplant. 

Deutschland und Europa verabschieden sich von Helmut Kohl

Vor gut zwei Wochen ist einer der prägenden Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik aus dem Leben geschieden: Helmut Kohl starb am 16. Juni nach längerer Krankheit im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim. Am Samstag wird der Altkanzler nun in Speyer beigesetzt.

Tatsächlich erstreckt sich die Trauerzeremonie für Kohl aber über den gesamten Tag. Der langjährige deutsche Regierungschef soll unter anderem als erster Politiker überhaupt mit einem „Europäischen Staatsakt“ geehrt werden.

Mehr über Helmut Kohls bewegtes Leben erfahren Sie in diesem Artikel.

Helmut Kohls Beisetzung in Speyer: Der Ablauf

Helmut Kohls letzter Weg ist ein langer - und er wird von vielen hochkarätigen Ehrengästen begleitet werden.

  • um 6.45 Uhr ist in Ludwigshafen Abfahrt Richtung Frankreich; Kohls Sarg wird nach Straßburg gebracht.
  • um 11.00 Uhr beginnt in Straßburg der „Europäische Staatsakt“ für Kohl. Erwartet werden unter anderem Angela Merkel, Emmanuel Macron, Benjamin Netanjahu, Viktor Orbán, EU-Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker und Spaniens König Juan Carlos.
  • im Anschluss wird Kohls Sarg per Hubschrauber zurück nach Ludwigshafen gebracht
  • ab 14.50 Uhr fährt ein sogenannter Trauerkondukt ohne Stopp durch Ludwigshafen Richtung Speyer
  • Vor dem Erreichen der Domstadt wird der Sarg auf ein Rhein-Schiff getragen, das Kohls Leichnam nach Speyer bringt. Die Ankunft ist auf 16.30 Uhr taxiert.
  • Um 18.00 Uhr soll im großen Dom zu Speyer die Totenmesse beginnen, im Anschluss ist ein „Großes militärisches Ehrengeleit“ vor der Kathedrale geplant
  • Um 20.30 Uhr soll Helmut Kohl im Familien- und Freundeskreis auf dem Friedhof des Domkapitels beerdigt werden.

Die Polizei sieht das umfangreiche Zeremoniell nach eigenen Angaben als „besondere Herausforderung“ an. Mehr als 1.000 Beamte aus Rheinland-Pfalz, von der Bundespolizei und dem Bundeskriminalamt sollen im Einsatz sein. Ein deutscher Staatsakt ist übrigens nicht geplant.

Unweit des Doms zu Speyer soll Helmut Kohl beerdigt werden

Helmut Kohls Beisetzung in Speyer: Die Hintergründe

Eigentlich besitzt die Familie Kohl ein Familiengrab in Ludwigshafen - jener Stadt, in der Kohl 1930 das Licht der Welt erblickt hatte, und die er wohl auch Zeit seines Lebens als Heimat begriff. Dort liegt auch Kohls erste Frau Hannelore begraben. Dennoch soll der Altkanzler nun im gut 25 Kilometer entfernten Speyer seine letzte Ruhestätte finden.

Nach Angaben des Bistums Speyer hatte sich Kohls Gattin Maike Kohl-Richter für den Begräbnisort Speyer eingesetzt und erklärt, diese Lösung entspreche Kohls Willen. Der Politiker kannte den Ort seit Kindertagen - im Dom hatte er auch im zweiten Weltkrieg Schutz vor Luftangriffen gefunden. Zugleich habe er in der Kathedrale ein Symbol für große deutsche und europäische Geschichte gesehen.

Helmut Kohls Beisetzung in Speyer: Kommt sein Sohn Walter?

Überschattet wird der außergewöhnliche Trauerakt für Helmut Kohl von familiären Streitereien. Denn Kohls Sohn Walter ist alles andere als glücklich mit einigen der Planungen rund um die Beisetzung, vor allem mit der Ortswahl Speyer. Er hat angekündigt, an der Beerdigung nicht teilzunehmen. Eingeladen ist der 53-Jährige laut Protokoll aber. Bei einer für Bundestagsabgeordnete angesetzten Totenmesse in Berlin wünschte der Priester der Familie Kohl „Versöhnung“.

Erfahren Sie hier, warum Helmut Kohls Trauerfeier für vier Männer aus dem nordrhein-westfälischen Hamm ein besonderer Moment sein wird.

fn (mit dpa)

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