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Analyst der Weltlage: Helmut Schmidt (SPD) - eine Aufnahme aus dem Jahr 2010.

Zum Tod von Helmut Schmidt

Kommentar: Die Klarheit im Zigaretten-Nebel

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München - Selten traf die Floskel so zu wie bei Helmut Schmidt: "Seine Stimme wird fehlen". Ein Kommentar zum Tod des Altkanzlers.

Im hohen Alter, wenn andere längst ihre Rente genießen, hat er sogar noch sein eigenes journalistisches Format geprägt: „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ hieß das Interview, das Giovanni di Lorenzo 90 Mal im Magazin der „Zeit“ mit dem Altkanzler führte. Freitags traf man sich zum Gespräch. „Danach kann man den Raum im Prinzip das komplette Wochenende lüften“, hat di Lorenzo einmal erzählt. Schmidt analysierte durch den Zigarettennebel die Weltlage in einer intellektuellen Klarheit, die Freund wie Feind beeindruckte.

Kein anderer Bundeskanzler hat es vermocht, nach der eigenen – übrigens eher nüchtern zu bilanzierenden – Amtszeit zu einer solchen moralischen Instanz aufzusteigen. Der Einheitskanzler Helmut Kohl war zu verbittert, der Reformkanzler Gerhard Schröder zu geschäftsorientiert, um dem Land und vor allem der aktuellen Amtsinhaberin bei wichtigen Weichenstellungen beizustehen.

Es dauerte lange, bis die SPD erkannte, dass nicht der von allen bewunderte Willy Brandt, sondern der hanseatisch-nüchterne Schmidt, an dem man sich so gut reiben konnte, zum großen Vordenker taugte. Ebenso scharfzüngig wie scharfsinnig, eitel wie unterhaltsam. „Seine Stimme wird fehlen“ – selten traf die Floskel so zu wie bei Helmut Schmidt. Gerade in Zeiten, in denen Europa vor einer Jahrhundert-Herausforderung steht.

Mike Schier

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