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Herbert Grönemeyer macht sich stark gegen Rechts. Foto: Carsten Rehder

Umstrittenes Konzertvideo

Grönemeyer positioniert sich deutlich und löst so enorme Debatte aus - SPD-Politiker reagieren

Dass Herbert Grönemeyer auf der Bühne laut wird und sich gegen Rechts stark macht, ist nichts Neues. Jetzt löst ein Video Wirbel aus, der Name Goebbels fällt.

Update vom 18. September 2019, 11.43 Uhr:

Die Debatte um einen lautstarken Aufruf Herbert Grönemeyers, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken, hat den Landtag in NRW erreicht. Nachdem die AfD-Fraktion den Sänger am Dienstagabend bei Twitter „The Voice of Anti-Germany“ genannt hatte, reagierte die SPD: Zahlreiche Landtagsabgeordnete twitterten am Mittwoch Liedzeilen aus Grönemeyer-Songs, um ihre Solidarität mit dem gebürtigen Bochumer zu zeigen.

„Die Erde ist freundlich. Warum wir eigentlich nicht? Sie ist freundlich. Warum wir eigentlich nicht?“, zitierte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty aus dem Lied „Stück vom Himmel“. Unter dem Hashtag #GrönemeyerLieder schlossen sich zahlreiche Sozialdemokraten und andere Twitter-User an.

Grönemeyer hatte sich in einem Video, das vor einigen Tagen bei einem Konzert in Wien entstanden sein soll, gegen Ausgrenzung, Rassismus und Hetze ausgesprochen. Im Internet gab es daraufhin Stimmen unter anderem von AfD-Politikern, die Grönemeyers teilweise "herausgebrüllten" Aufruf mit Nazi-Propaganda verglichen. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte sich bereits am Wochenende hinter Grönemeyer gestellt.

Hayali mischt sich in Grönemeyer-Debatte ein

Update vom 16. September 2019, Update, 9.45 Uhr: Mit seiner lautstarken Rede gegen Rechts während eines Konzerts hat Herbert Grönemeyer eine Debatte entfacht, die wohl auch der Entertainer nicht erwartet haben dürfte. Während er sich selbst noch nicht weiter dazu geäußert hat, wird in den sozialen Medien über die Art und Weise seiner Politik-Einlage gesprochen.

Einige User kreiden an, dass die Art und Weise seines Vortrags mit Nazi-Propaganda zu vergleichen wäre, obwohl Grönemeyer sich sehr deutlich gegen Rechts aussprach. Gleichzeitig mischen sich mehr und mehr Stimmen ein, die Grönemeyer verteidigen. Unter ihnen die Journalistin Dunja Hayali, die einen Tweet von Beatrix von Storch zum Anlass nimmt, das Geschehnis zu kommentieren. 

Die Fraktionsvorsitzende der AfD bezeichnete Grönemeyers Rede als "furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede", die sie je gehört habe. Hayali kokettiert fragend: "Wer also eine freie Gesellschaft erhalten und die Demokratie verteidigen möchte", sei "ein Fall für den BfV", gehöre "zum Terror von links" und wolle "eine Diktatur", zitiert Hayali in ihrer Äußerung die Ursprungsworte von Beatrix von Storch. Zu Grönemeyers Art schreibt die Moderatorin: "Er diktiert nicht, er hat seine Meinung gesagt. Gut, in diesem Fall sehr laut! Na und?"

Auch Künstler Shahak Shapira springt Grönemeyer auf Twitter zur Seite und wirft eine Frage in den Raum: "Vergleichen Leute jetzt Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat? Mein Föhn ist ungefähr so laut wie eine Kettensäge und ich bekomme trotzdem unterschiedliche Ergebnisse, wenn ich sie mir an den Kopf halte", schreibt der Satiriker. 

Herbert Grönemeyer löst heftige Debatte aus - sogar Maas mischt sich ein

Ursprungsartikel vom 16. September, 8.35 Uhr: Berlin  - Außenminister Heiko Maas hat sich in eine politische Debatte um Herbert Grönemeyer eingeschaltet. Er stärkte dem Musiker nach einem umstrittenen Konzertvideo den Rücken für sein Engagement.

"Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen", schrieb der SPD-Politiker am Sonntag auf Twitter. "Danke an Herbert #Groenemeyer und allen anderen, die das jeden Tag tun."

Dazu stellte Maas das Video eines Konzerts, das vergangene Woche bei einem Auftritt in Wien entstanden sein soll. Darin ruft Grönemeyer dazu auf, "keinen Millimeter nach rechts" zu rücken. Der 63-Jährige hat sich bereits oft so geäußert. Diesmal bekam er aber Kritik wegen des Stils und seines Tonfalls. Bei Twitter gab es am Wochenende Stimmen unter anderem von AfD-Politikern, die Grönemeyers teilweise herausgebrüllten Aufruf mit Nazi-Propaganda verglichen.

Grönemeyer sagt in dem Konzertvideo etwa, auch wenn Politiker schwächelten, und das sei in Österreich nicht anders als in Deutschland, "dann liegt es an uns zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so 'ne Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze (...)."

Herbert Grönemeyer: Kritik nicht nur von rechts

Kritik an dem Auftritt kam nicht nur aus dem rechten Lager. Der Autor und Dramaturg Bernd Stegemann, Unterstützer der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen", schrieb auf Twitter: "Der Tonfall, mit dem Grönemeyer sein Publikum politisch anheizt, macht mir ein wenig Angst. Ich sags ungern, aber er klingt wie ein Redner vor 1945."

Verteidigt wurde der Musiker etwa vom Kabarettisten Florian Schroeder. Als Besucher des Berliner Grönemeyer-Konzerts könne er bestätigen und beruhigen: Grönemeyer brülle alle seine Moderationen so wie diese. "Grönemeyers Aufruf mit einer Sportpalast-Rede zu vergleichen, ist infam und vor allem dumm", schrieb Schroeder auf Twitter. Entscheidend sei der Inhalt einer Rede, nicht der Ton. "Wer den Ton, die Form, vom Gesagten trennt oder darüber stellt, betreibt gerade das Geschäft der Faschisten."

Der Satiriker Shahak Shapira schrieb: "Vergleichen Leute jetzt Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat? Mein Föhn ist ungefähr so laut wie eine Kettensäge und ich bekomme trotzdem unterschiedliche Ergebnisse, wenn ich sie mir an den Kopf halte."

Herbert Grönemeyer schweigt bislang

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, twitterte: "Das ist die furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede, die ich je gehört habe." Das sei Ton und Furor "des neuen Terrors von links", schrieb sie. "Wer das unterstützt, ist - wie Heiko Maas - ein Fall für den Verfassungsschutz."

Dass Maas sich mit Musikern gegen Rechts solidarisch zeigt, ist nicht neu: So lobte er 2016 neben Campino von den Toten Hosen und dem Rapper Marteria die linke Punkrockband Feine Sahne Fischfilet für ihr Engagement. Das brachte dem SPD-Politiker auch Ärger ein.

Grönemeyer äußerte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht. Maas' Bundestagsbüro schrieb, es werde am Sonntag keine weitere Stellungnahme geben.

dpa

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