Herdenimmunität in den USA

Trump-Berater entsetzt mit Aussagen im Kampf gegen Corona: „Wir wollen, dass sie infiziert werden“

  • Philipp Fischer
    vonPhilipp Fischer
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Nirgendwo auf der Welt wütet das Coronavirus so schlimm wie in den USA. Ein Berater von Donald Trump ist jetzt mit fragwürdigen Aussagen über mögliche Corona-Maßnahmen aufgefallen.

  • In den USA haben sich mittlerweile 17 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.
  • Jeden Tag infizieren sich circa eine Viertelmillionen Menschen in den USA.
  • In den USA gilt weiterhin kein flächendeckender Lockdown.

Washington D. C. - Kein Land der Welt wurde so stark und nachhaltig vom Coronavirus getroffen wie die USA. Trotzdem machen vor allem immer wieder Offizielle aus der Trumpadministration Schlagzeilen mit fragwürdigen Aussagen über Corona und die Maßnahmen gegen den Virus. Kürzlich erst sorgte Ivanka Trump für Aufsehen, als sie sich über die Lockdownregeln in Kalifornien aufregte. Neu geleakte E-Mails geben jetzt weiteren Einblicke, wie und mit welchen Maßnahmen das Weiße Haus versuchte das Coronavirus zu bekämpfen.

US-Präsident Donald Trump im Oval Office

Coronavirus: Trump Berater wollte Herdenimmunität erzwingen

Auch wenn sich Donald Trump mittlerweile als Vorreiter im Kampf gegen den Coronavirus sieht und sich gerne dafür lobt, dass es in den USA bereits einen zugelassenen Impfstoff gibt - noch vor wenigen Monaten hätte er am liebsten gar nichts gegen den Virus unternommen. Wie skrupellos die Trumpadministration im Umgang mit dem Coronavirus war, zeigen jetzt E-Mails eines ehemaligen Beraters von Trump. Die internen E-Mails, die dem US-Portal Politico vorliegen, zeigen, wie viel Druck ein von Trump ernannter Berater auf die Gesundheitsbehörden ausübte, um möglichst schnell die Herdenimmunität in den USA zu erreichen.

Bekämpfung von Corona: Berater will das sich Kinder und Jugendliche anstecken

Die im Sommer verschickten E-Mails zeigen deutlich mit welcher Vehemenz der ehemalige wissenschaftliche Berater Paul Alexander an der Idee der Herdenimmunität festhielt. „Es gibt keinen anderen Weg, wir müssen eine Herdenimmunität schaffen, und das passiert nur, wenn sich die Nicht-Risikogruppen dem Virus aussetzen. PUNKT“ schrieb Paul Alexander am 4. Juli an mehrere Funktionäre der US-Gesundheitsbehörden. „Säuglinge, Kinder, Teenager, junge Leute, junge Erwachsene, Personen mittleren Alters ohne Vorerkrankung, etc., tragen gar kein oder ein kleines Risiko (...) also benutzen wir sie, um die Herdenimmunität zu entwickeln (...) wir wollen sie infiziert haben(...) und genesen (...) mit Antikörpern.“ Paul Alexander wurde persönlich von Donald Trump im April in das Amt eingesetzt. Darüber hinaus erzählten Mitarbeiter gegenüber Politico, dass Paul Alexander für seine Empfehlungen Rückendeckung aus dem Weißen Haus hatte.

Währrend Corona-Pandemie: Trump-Berater setzt sich für „natürliche Immunität“ ein

In einer E-Mail vom 24. Juli schrieb Alexander weiter „Es kann sein, dass es am besten ist, wenn wir aufmachen und sich die Kinder und Jugendlichen infizieren.“ Für Alexander wäre es anscheinend der beste Weg gewesen, wenn Kinder und Jugendliche ihre „natürliche Immunität“ dadurch erhalten, dass sie dem Virus „natürlich ausgesetzt“ werden. Aus diesem Grund protestierte Alexander gegen die Schließung der Universitäten.

Wir haben quasi unsere wirksamste Waffe vom Schlachtfeld genommen“, hieß es vonseiten Alexanders. „Jüngere gesunde Leute, Kinder, Teenager, junge Leute, die wir schnell infiziert brauchen, verteilen [das Virus], entwickeln Immunität und helfen dadurch die Ausbreitung aufzuhalten.“ Mittlerweile versucht sich die Trumpadministration von Paul Alexander und seinen Äußerungen zu distanzieren. Am 16. September wurde der Berater aus dem Dienst entlassen. (phf)

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/dpa

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