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Peter Gauweiler ist seit rund 49 Jahren Mitglied der CSU.

Diskussion über Populismus

Gauweiler: „Trump-Bashing ist mir auf den Sack gegangen“

München - Gibt es negative und positive Populisten? Darüber haben Heribert Prantl und Peter Gauweiler beim Fernsehsender münchen.tv diskutiert. Warum es dabei auch um Extremismus ging:

Populismus: Ein Begriff, der in der letzten Zeit zunehmend Verwendung findet. Für manch einen wird der Begriff gar inflationär benutzt. Wer im Duden nachschlägt, findet unter Populismus die Definition: „(Politik) von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen.“ Außerdem ist es eine „literarische Richtung des 20. Jahrhunderts, die bestrebt ist, das Leben des einfachen Volkes in natürlichem realistischem Stil ohne idealisierende Verzerrungen für das einfache Volk zu schildern“.

Im „Stadtgespräch“ des Fernsehsenders münchen.tv diskutierten nun SZ-Chefredakteur Heribert Prantl und CSU-Urgestein Peter Gauweiler über den Begriff des Populismus. Schon zu Beginn der Diskussion erklärte Peter Gauweiler: „Ich glaube, diese Populismus-Debatten, das ist so ein Modebegriff geworden. Es ist eine Frage der Rhetorik.“ Gute Rhetorik könne auch für eine schlechte Sache eingesetzt werden, so Gauweiler.  

„Mir ist in den Medien das Trump-Bashing schon im Wahlkampf schwer auf den Sack gegangen“

Wer über Populismus redet, ist schnell bei US-Präsident Donald Trump und der AfD angekommen. So auch in dieser Debatte. So empfindet Heribert Prantl Trumps Zitat „Das einzige, das zählt, ist die Einigkeit des Volkes. All die anderen Menschen, die zählen nicht“, als Extremismus in Reinform. „Die anderen werden nicht bloß zu Gegnern, zu politischen Feinden, sondern die zählen nicht mehr und dann wird es für mich gefährlich. Wenn ich als Volk nur noch diejenigen definiere, die mir anhängen, da spalte ich das Volk“, erklärte Prantl bei münchen.tv

Gauweiler hingegen ist dem Zitat nicht unbedingt negativ zugeneigt. Er selbst hat sich in seiner Politikerlaufbahn des öfteren einen Spaß daraus gemacht, gegen den Strom zu schwimmen. Und so beschwerte sich Gauweiler: „Mir ist in den Medien das Trump-Bashing, schon im Wahlkampf schwer auf den Sack gegangen.“ Denn wenn alles gegen einen einzigen gehe, dann sei das nicht in Ordnung, davon ist der CSU-Politiker überzeugt. Als münchen.tv-Chefredakteur Jörg van Hooven Gauweiler fragt, ob dieser dann für Trump sei, entgegnete dieser: „Warum nicht? Das macht mir in der Diskussion dann mehr Spaß für ihn zu sein als gegen ihn.“

Und schon spannte Gauweiler auch den Bogen zur AfD. Denn wenn die AfD zum Parteitag einlade, und jeder, der von seinem demokratischen Recht Gebrauch mache dorthin zu gehen, beschmutzt und bespien werde, „dann geht etwas in die falsche Richtung“. 

„Das ist kein Populist, des is´a Depp!“

Heribert Prantl.

Prantl erinnerte in diesem Zuge jedoch auch daran, dass die AfD kritische Journalisten von Parteiveranstaltungen ausgeschlossen habe. Das halte Prantl für gefährlich und wirft der AfD vor, sich damit nicht mehr im demokratischen Spektrum aufzuhalten. Und wer hätte es gedacht, doch in diesem Punkt sind sich Prantl und Gauweiler sogar einmal einig. Allerdings wies Gauweiler darauf hin, dass man für die Missachtung der Grundrechte und -Werte den Begriff Populismus nicht hernehmen dürfe, denn „Populismus ist so ein Ausrede-Begriff“. Dieser werde verwendet, wenn man „zu faul oder zu feige“ sei, sich mit einem Argument, das möglicherweise nicht in Ordnung sei, auseinanderzusetzen.
Jörg van Hooven wollte schließlich noch über die Unterscheidung zwischen einem negativen und einem positiven Populisten reden, doch Gauweiler warf ein, ein negativer Populist sei kein Populist, „des is´ a Depp!“ Weiterhin erklärte Gauweiler: „Ich sag es mal so: extremistisch zu sein, ist eine Form von Kopfkrankheit, die jeden befallen kann. [...] Und das muss man erkennen.“ Auch Prantl stimmte dieser Aussage in gewisser Art zu. „Wir können uns drauf einigen, dass der Extremist ein Depp ist, um es mal so zu sagen, dann ist das richtig.“

Kommt es bei Populisten auf das Charisma an?

Der letzte Punkt in der Diskussion bei münchen.tv handelte von der Beziehung zwischen Populisten und Charisma. Bedeutet eine charismatische Ausstrahlung, dass man automatisch ein erfolgreicher Populist sei? Trump wird in den Medien häufig als charismatisch und populistisch beschrieben. Für Prantl ist Trump jedoch lediglich ein Scheincharismatiker. Charisma sei eine Aura, die man habe, das sei nicht die Fähigkeit zu lügen. 

Gauweiler führte das Beispiel Angela Merkel an. Charisma mache etwas anderes aus, so der Politiker, denn Merkel würde „sich niemals solche Blößen geben, wie der ungehobelte Bauunternehmer“. Es gehe in Berlin wesentlich subtiler zu. Der CSUler verwies auf die lange „Abschussliste“ der Kanzlerin. „Ich bin jetzt nicht mehr so scharf auf die Merkel - aber das ist ein anderes Thema - die hat auch schon ihre Andeutungen und ihre Reduktion.“ Sie habe nicht das „Gorilla-mäßige“, sondern eher etwas Verstecktes. Es seien die kaum sichtbaren Gesichtszüge, wie sie sie in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Donald Trump gezeigt habe. Gauweiler bewundert dieses Verhalten von Angela Merkel. „Ich würde das gerne können. Ich rege mich viel zu schnell auf.“ Merkel habe also ein gewisses Charisma. Im Dezember nannte Gauweiler Angela Merkel in einem Zeit-Interview übrigens eine Populistin.  

Generell hat sowohl für Prantl als auch für Gauweiler Charisma nicht viel mit einem erfolgreichen Populisten zu tun. Es gehe eben um die zuvor angeführte Rhetorik, die der sogenannte Populist verwende - nicht allein um dessen Ausstrahlung.

mt

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