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Georg Anastasiadis.

Merkur-Kommentar

Herkunft von Straftätern nennen? Der Presserat irrt

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München - Der Presserat verlangt von Journalisten, die Nationalität von Tatverdächtigen nur dann zu nennen, wenn es "für das Verständnis ein begründbarer Sachbezug besteht" - und irrt damit, findet unser Autor Georg Anastasiadis.

Auf das landauf, landab anschwellende Lügenpresse-Geschrei und die Verschwörungsphantasien im Netz hat der Deutsche Presserat genau die falsche Antwort gegeben: Er verlangt von Journalisten, Herkunft und Nationalität von Tatverdächtigen weiterhin nur dann zu nennen, wenn „für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“ – also in aller Regel nicht. Sein ehrenwertes Ziel, nationale, ethnische und religiöse Minderheiten vor einem Generalverdacht zu schützen, erreicht der Presserat so leider nicht. Im Gegenteil. Wo der Verdacht wabert, die Medien übten Selbstzensur, um bestimmte Gruppen nicht zu stigmatisieren, gedeiht genau jenes Misstrauen, dem man doch eigentlich entgegentreten will. Nach Köln sollte das auch der Letzte begriffen haben. Dort war es übrigens die lokale Presse, die glücklicherweise korrekt berichtete, als Polizei und öffentlich-rechtliche Sender aus Sorge um die Willkommenskultur betreten wegsahen.

Der Presserat klammert sich an die Fiktion, die klassischen Medien könnten die Menschen vor unangenehmen Wahrheiten schützen. So wie früher, als noch nicht jede Information jederzeit im Internet abrufbar war. Er stülpt damit aber seinerseits über Leser, Zuschauer und Zuhörer einen Generalverdacht: nämlich den, die Bürger könnten ungefilterte Informationen nicht richtig einordnen und werten. Dabei liegt doch gerade in der umfassenden Information die entscheidende Chance eines seriösen Journalismus, der Fakten sauber aufarbeitet und sie nicht den Stimmungs-Maschinen Internet und Facebook überlässt. Mut zur Wahrheit ist das Grundprinzip, dem sich jeder Journalist stellen muss. Und wer davon im Einzelfall abweicht, sollte dafür sehr gute Gründe haben.

Was der Bürger aus diesen Informationen für Schlüsse zieht, ist einzig und allein dessen Sache. Der verstorbene Tagesthemen-Moderator Hanns Joachim Friedrichs hat einen berühmten Satz geprägt, den leider nicht alle seine Nachfolger immer und überall beherzigen: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@merkur.de

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