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Eine rechtsradikale Facebook-Gruppe machte aus der Redakteurin Ellen Häring die Obdachlose "Marlies T."

Erfundene Texte, gefälschte Fotos

So perfide ist die Flüchtlingshetze auf Facebook

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München - Die Flüchtlingshetze im Internet nimmt immer neue Auswüchse an. Jetzt verfälschen Rechtsradikale auf Facebook Meldungen von Asylbewerbern und stellen damit Medien wie auch die Betroffenen falsch dar.

Rechtsradikale versuchen zunehmend mit falschen Meldungen und verfälschten Bildern auf Facebook den Hass auf Asylbewerber zu schüren. Dazu nehmen sie Fotos und Nachrichten über Flüchtlinge und setzen sie in einen erfundenen Zusammenhang. 

Asylbewerber werden als reich dargestellt

Ihr Ziel ist dabei laut dem Medienportal meedia, die Asylbewerber als wohlhabend darzustellen. So soll sich der Leser fragen, wieso sie überhaupt nach Deutschland kommen würden und warum der deutsche Staat ihnen Geld geben sollte, wenn es ihnen doch anscheinend so gut geht. Dabei hat sich die Strategie der "Findermeldungen" herausgebildet.    

Strategie: "Findermeldung"

Diese funktioniert ganz einfach: Nachrichten und Fotos aus den Medien werden aus dem Kontext gerissen und verfälscht. Die Geschichte ist dabei immer die gleiche: Asylbewerber finden Geld oder Schmuck und geben ihn zurück. Doch damit möchten die Rechtsradikalen auf Facebook nicht für die Ehrlichkeit der Flüchtlinge werben, sondern deren angeblichen Reichtum demonstrieren.

Mit den erfundenen "Findermeldungen" soll sich der Leser aber auch die Frage stellen: "Wieso finden Asylbewerber eigentlich ständig etwas?" (verbunden mit der erhofften Antwort: Sie finden es nicht, sie stehlen es). Die Unterstellung, dass die "Mainstream-Medien" nur Lügen verbreiten würden, soll hingegen den rechtsgerichteten "alternativen" Medienseiten mehr Leser verschaffen.

Ein drastisches, etwas anders gelagertes Beispiel ist das von Ellen Häring. Wie meedia berichtet, wurde die Journalistin Opfer einer dieser Fake-Meldungen. Im Rahmen einer Reportage für Deutschlandradio Kultur, die aufzeigte, welche Schwierigkeiten Asylbewerber beim Einkauf mit Lebensmittelgutscheinen haben, entstand ein Foto, auf dem Häring vor einem Discounter drei Lebensmittelmarken hochhält. Einige Monate später erschien das Bild auf Facebook - versehen mit einer neuen, erfundenen Geschichte.

Aus Redakteurin Ellen Häring wird Obdachlose "Marlies T."

Das Gesicht Härings war nun verpixelt. Die Bildunterschrift - in mäßig guter deutschen Sprache - lautet nun: "Junge Flüchtlinge mit Herz, schenken Obdachlosen deutschen Frau ihre Einkaufsgutscheine". Aus der Redakteurin Ellen Häring wird die obdachlose und leberkranke "Marlies T.", die sich über die Großzügigkeit der Flüchtlinge aus Afrika freut. Die Intention der Rechtsradikalen ist klar: Asylbewerbern geht es so gut - sie benötigen keine Essensgutscheine.

Unter dem Facebook-Post sammelten sich aufgebrachte Kommentare, wie Häring in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur berichtet. Neben Vorwürfen, den Asylbewerbern gehe es in Deutschland viel zu gut und sie würden sich alles zusammenklauen, kommen oft auch sexuelle Anspielungen zum Tragen. Beispielsweise der Kommentar "Die kaufen sich Frauen mit Lebensmittelgutscheinen."

Deshalb sind Facebook-Nutzer umso mehr dazu aufgerufen, bei entsprechenden Meldungen nicht alles zu glauben und kritisch zu hinterfragen was sie lesen. 

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