Erdogan-Zeitung

Hetze in türkischen Medien: Merkel „schlimmer als Hitler“

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Die Stimmung in der Türkei gegen Deutschland spitzt sich zu. Jetzt sorgt ein neuer Fall einer regierungsnahen Zeitung für Aufsehen. 

Istanbul - Seit der Verhaftung des Berliner Menschenrechtlers Peter Steudtner (45) letzte Woche ist das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland auf einem neuen Tiefpunkt. Steudtner wurde bei einem Workshop in Istanbul festgenommen, ein Gericht ordnete Untersuchungshaft an (wir berichteten ausführlich). 

Die angespannte Lage nimmt nun auch zunehmend Einfluss auf die Berichterstattung in der Türkei. Am Dienstag titelt die islamistische Zeitung „Yeni Akit“: „Schlimmer als Hitler“ - neben einer Fotomontage der Bundeskanzlerin Angela Merkel (63) mit Hakenkreuz und folgenden Zeilen: „Bei der Unterdrückung und beim Hass hat Merkels Deutschland Hitler überholt.“

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, behauptet das Blatt, „in Deutschland würden kranke Türken nicht behandelt, türkische Arbeiter würden entlassen, Wohnungen würden nicht mehr an Türken vermietet.“ Auch in anderen Zeitungen wird gegen Deutschland gehetzt. Im regierungsnahen Blatt „Daily Sabah“ kritisiert ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan (63) die deutschen Medien. Ibrahim Kalin sagte: „Eine Beziehung zwischen der Türkei und Europa auf der Grundlage von Vertrauen, gemeinsamen Interessen, Gleichheit und Respekt ist möglich und notwendig. Türken, Deutsche und Europäer müssen hart daran arbeiten, irrationale Haltungen und unverantwortliche Politik zu vermeiden, die am Ende allen wehtut“. 

undeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan


Und weiter: „Es gibt für Deutsche und andere ausländische Staatsbürger keine Bedrohung, wenn sie die Türkei besuchen oder Geschäfte machen.“ Der Sprecher kritisierte, die deutschen Medien seien besessen von Erdogan. Demnach würden sich die Berichte nicht wie seriöse Kommentare, sondern „wie die abschweifenden Gedanken von Geistesgestörten“ lesen. 

Erdogan wirft Bundesregierung Spionage vor

Am Dienstag hat Erdogan Spionagevorwürfe gegen die Bundesregierung erhoben. "Du erlaubst dem Präsidenten und den Ministern der Türkei nicht, in deinem Land zu sprechen", sagte Erdogan vor der AKP-Fraktion im Parlament in Ankara. "Aber deine Agenten kommen und tummeln sich hier in Hotels und zerteilen mein Land."

Erdogan kritisierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag, dass eine "diplomatische Krise" ausgelöst werde, wenn Menschen in der Türkei wegen "Spionagetätigkeiten" festgenommen würden, die "gesellschaftliches Chaos" zum Ziel hätten. Entweder könne man mit der Türkei eine Partnerschaft und Freundschaft unter gleichen und gerechten Bedingungen eingehen, indem man ihr Recht auf Souveränität respektiere. "Oder ihr werdet die Antwort auf jede zur Schau gestellte Respektlosigkeit erhalten."

Mit Blick auf die Ankündigung der Bundesregierung, wirtschaftliche Maßnahmen gegen die Türkei zu prüfen, sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu: "Wenn sie glauben, die Türkei mit Drohungen über Handelssperren zu verängstigen, müssen sie in Kauf nehmen, selber einen viel höheren Preis zu bezahlen." Erdogan warf deutschen Politikern vor, den Streit mit seinem Land zu eskalieren.

Zu der Liste terrorverdächtiger Firmen, die die türkische Regierung kürzlich zurückgezogen hatte, sagte der Präsident erneut, gegen kein deutsches Unternehmen werde ermittelt. Bei gegenteiligen Behauptungen handele es sich um "Lügen".

mk

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