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„heute journal“: Lauterbach fürchtet neue „Welle im Herbst“ und will EU-Änderung zu Genesenenstatus

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Nach der Impfpflicht-Debatte im Bundestag äußert sich Karl Lauterbach dazu, warum er selbst keinen Vorschlag einreichte. Und was ihm mit Blick auf den Herbst Sorgen bereite.

Berlin – Die Omikron-Welle in der Corona-Pandemie nimmt immer weiter an Fahrt auf. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat im ZDF-„heute journal“ die Maßnahmen der Bundesregierung verteidigt – und sorgenvoll in den Herbst 2022 geblickt.

In das Interview steigt Moderatorin Marietta Slomka direkt mit einer scharfen Frage ein. Sie möchte von dem SPD-Politiker wissen: „Ist es nicht merkwürdig, dass der Mann, der mutmaßlich in der Bundesregierung – vielleicht auch im Parlament – die meiste Ahnung von Corona hat, nicht mal einen eigenen Vorschlag macht?“, legt sie den Finger auf den pikanten Umstand. Am Mittwoch fand im Bundestag erstmals eine Orientierungsdebatte zur allgemeinen Impfpflicht im Kampf gegen die Corona-Pandemie statt. Lauterbach trat zwar als Redner auf, sah jedoch selbst davon ab, einen Vorschlag einzubringen.

Lauterbach verteidigt im „heute journal“ fehlenden Impfpflicht-Vorschlag – und spricht von „Welle im Herbst“

Die implizite Kritik pariert Lauterbach jedoch – und verweist auf die ethische Dimension der Debatte. In seiner Bundestagrede wurde er am Mittwoch gar philosophisch und zitierte Hegel: „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit.“ Es gehe bei der Impfplicht um eine „Moralfrage“ und keine wissenschaftliche, betonte Lauterbach im „heute journal“-Interview. Seine Begründung: „Ich muss ja quasi die körperliche Unversehrtheit angreifen, um einen anderen Menschen oder vielleicht den Menschen selbst zu schützen. Und somit geht es schon um Grundrechte.“

Im Parlament sprach sich der SPD-Politiker für eine allgemeine Impfpflicht aus, allerdings nicht als Minister, sondern als Bundestagsabgeordneter. Ein Impfregister hält Lauterbach für nicht nötig und auch hinderlich, da eine Einführung zu lange dauern würde. Die Kontrolle eines Impfnachweises könnte Lauterbach* zufolge am Arbeitsplatz oder bei der Nutzung bestimmter Verkehrsmittel erbracht werden oder auch bei Arztbesuchen. Es könnte auch einfach sporadische Kontrollen geben wie in Österreich. Er gab sich überzeugt: Wenn die Impfpflicht da sei und es „empfindliche Strafen“ gebe, würden sich die meisten Menschen impfen lassen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu Gast im „heute journal“ mit Moderatorin Marietta Slomka am Mittwoch, 26. Januar 2021.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zu Gast im „heute journal“ mit Moderatorin Marietta Slomka am Mittwoch, 26. Januar 2021. © Screenshot ZDF-Mediathek

Dabei sprach er auch von Corona*-Gefahren im Herbst. „Wir wollen ja die Welle im Herbst verhindern. Das könnte erneut Omikron sein. Das könnte eine Delta-Welle sein. Das könnte auch eine Kombination sein, was noch viel gefährlicher wäre“, sagte Lauterbach im Interview mit Marietta Slomka. „Und wenn ich das erreichen will, dann müssen wir jetzt schnell handeln.“

Corona-Pandemie: Lauterbach will verkürzten Genesenenstatus europaweit umsetzen

Im Streit um die Verkürzung des Genesenenstatus nach Corona-Infektionen in Deutschland hat Lauterbach die Drei-Monats-Frist verteidigt und will sich um Umsetzung auch auf europäischer Ebene bemühen. „Wir werden in Kürze erneut versuchen, die drei Monate auch auf europäischer Ebene umzusetzen“, sagte der SPD-Politiker. „Nach drei Monaten kann sich derjenige, der schon mit der Delta-Variante infiziert war, erneut mit der Omikron-Variante infizieren. Somit sind die drei Monate wissenschaftlich richtig“, betonte Lauterbach.

Die EU-Staaten hatten sich am Dienstag darauf verständigt, dass sich Reisende innerhalb der Union ohne weitere Auflagen frei bewegen können sollen, wenn sie einen gültigen Impf-, Test- oder Genesenennachweis vorlegen. Beim Genesenennachweis wird hier eine Gültigkeit von 180 Tagen genannt, also sechs Monate. In Deutschland war der Status Mitte des Monats überraschend auf eine Zeitspanne von 28 bis 90 Tagen nach einem positiven PCR-Test verkürzt worden. (aka mit dpa)

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