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Schlagabtausch zwischen Scholz und ZDF-Moderatorin: Beim Thema Lauterbach knistert es - „Verstehe schon ...“

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Von: Patrick Mayer

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Im ZDF ausgefragt: Bald-Kanzler Olaf Scholz (SPD), hier im „heute journal“ im Gespräch mit Marietta Slomka.
Im ZDF ausgefragt: Bald-Kanzler Olaf Scholz (SPD), hier im „heute journal“ im Gespräch mit Marietta Slomka. © Screenshot ZDF

Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz wird im „heute journal“ des ZDF von Marietta Slomka ausgefragt. Als es um Karl Lauterbach und die FDP geht, wird der SPD-Mann einsilbig.

München/Berlin - Es war ein Interview, das einem Schlagabtausch glich. Am späten Mittwochabend (24. November) trafen im „heute journal“ ZDF-Moderatorin Marietta Slomka und Bald-Kanzler Olaf Scholz (SPD) aufeinander, nachdem das Ampel-Bündnis aus Sozialdemokraten, Grünen und FDP ihren Koalitionsvertrag als Basis der kommenden Bundesregierung präsentiert hatte.

Die 52-jährige Slomka stellte dem 63-jährigen Scholz reihenweise unbequeme Frage. Der geschäftsführende Bundesfinanzminister und künftige Regierungschef wirkte dagegen regelrecht müde, hatte Mühe, kritische Einwürfe abzuwehren. Corona, die Rolle der FDP in der Ampel, Karl Lauterbach - Merkur.de erklärt, worüber im Live-Interview gerungen wurde.

Olaf Scholz (SPD) über Corona-Politik: ZDF-Frau Marietta Slomka lässt einfach nicht locker

„Sie haben am Anfang über Corona geredet, über den Ernst der Lage. Das waren so viereinhalb Minuten. Ziemlich wenig Zeit, und da wurde auch nicht wirklich Neues verkündet. Mit anderen Worten: Die Warnungen der Kanzlerin, die sich ja auch gestern nochmal mit Ihnen allen getroffen hat, die sind letztendlich verhallt. Richtig?“ Warf Slomka ihm gleich zu Beginn entgegen. Scholz sprach nüchtern über „eine Reihe von Präzisierungen und Verschärfungen“ und darüber, „Angebote auf diejenigen begrenzen, die geimpft oder genesen sind“. Er referierte, „zusammen mit den Ländern einen Krisenstab zu etablieren, in dem wir die Situation jeden Tag neu bewerten“. Auf die angebliche Lockdown-Forderung der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte er nicht eingehen.

Im Video: Überblick - Das steht im Koalitionsvertrag des Ampel-Bündnisses

Slomka hakte dagegen beharrlich nach - recht direkt obendrein: „Herr Scholz, das gibt es ja längst. Es fehlt nicht an Zahlen, Daten, Fakten. Es fehlt auch nicht an Expertise. Und für die täglichen Sachverständigen-Berichte sorgt das RKI. Also, warum brauchen sie jetzt erstmal die Experten?“ Wieder antwortete Scholz sachlich: „Wir müssen die, die aus unterschiedlicher Perspektive Ratschläge geben, zusammenbinden.“ Slomka reichte aber auch diese Antwort nicht. Wieder verwies sie auf Merkel: „Es gab bisher schon Krisenstäbe. Und es gibt eine Kanzlerin, die vor einem Jahr schon mal warnte. (...) Sie hat ja offenbar einen Lockdown vorgeschlagen, ein schnelles ‚hit hard, hit fast‘. Jetzt, wo es noch geht.“

Scholz wurde daraufhin schmallippiger. „Ich weiß nicht, wo Sie das herhaben“, sagte er und meinte schlicht: „Aus meiner Sicht ist es richtig, dass wir jetzt all die Dinge umsetzen, die wir haben.“ Slomka fragte dennoch weiter zu einem möglichen bundesweiten Lockdown, der im neuen Infektionsschutzgesetz nicht vorkommt: „Ich sprach jetzt aber gerade über die (Maßnahmen, d. Red.), die dann nicht mehr möglich sind. (...) Sagen Sie das jetzt aus Rücksicht auf die FDP, die sich ja noch in einer relativ steilen Lernkurve befindet, was Corona angeht?“ Scholz erzählte daraufhin von einem „ganz großes Waffenarsenal (...) Es darf niemals jemanden geben, der sagt, es geht nicht.“ So bestünde die „Möglichkeit, Kontaktbeschränkungen zu verhängen, wenn das möglich ist.“ Die FDP war zuletzt strikt gegen Kontaktbeschränkungen.

Olaf Scholz (SPD) im ZDF über Rolle der FDP in der Ampel-Koalition: Marietta Slomka hakt verbissen nach

Die These, FDP-Chef Christian Lindner habe in der Ampel-Koalition vor allem Vorstellungen seiner Partei durchgesetzt, steht im Raum. „Das wird eine ziemlich gelbe Regierung, kann das sein?“, fragt die TV-Journalistin. Scholz ist mittlerweile einsilbiger: „Soweit ich weiß, werde ich jetzt Kanzler“, meint der Niedersachse schmunzelnd. Zur Einordnung: Lindner wird Bundesfinanzminister.

Es wird gar nicht knallen.

Olaf Scholz (SPD) über die Ampel-Koalition

„Aber Sie wissen, wie mächtig das Amt des Finanzministers ist?“, fragt sie. Er antwortet: „Ich war gerne Finanzminister. Und werde jetzt gerne der nächste Kanzler.“ Slomka: „Aber das ist ja keine Antwort auf die Frage, wie viel Gewicht die FDP mit diesem Ministerium in dieser neuen Koalition hat.“ Scholz: „Alle Ministerien haben Gewicht in dieser Koalition.“ Der Schlagabtausch setzt sich fort. Slomka: „Wie lange dauert es, bis es knallt?“ Scholz: „Es wird gar nicht knallen.“

Olaf Scholz (SPD) im ZDF über Gesundheitsminister: Will Bald-Kanzler Karl Lauterbach nicht?

Und dann wird Olaf Scholz (SPD) auch noch nach den Ministerposten in seinem Kabinett gefragt. Slomka will ihm mutmaßlich entlocken, ob denn nun Corona-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach als Bundesgesundheitsminister dazu gehört. „Als einer der unbeliebtesten Jobs gilt der des Gesundheitsministers. Obwohl die SPD mit Karl Lauterbach gerne einen hätte, der ihn gerne hätte“, heißt es schon im Beitrag vor dem Interview.

Corona-Experte: Karl Lauterbach von der SPD.
Corona-Experte: Karl Lauterbach von der SPD. © Kay Nietfeld/dpa

Es knistert. „Für die Impfstoffbesorgung und -verteilung ist vor allem ein Gesundheitsminister zuständig. Da wirkt die SPD, der das zugefallen ist, die dieses Ressort möglicherweise auch gar nicht wollte ...“, sagt Slomka und wird von Scholz unterbrochen: „Wie kommen Sie darauf?“ Doch Slomka redet einfach weiter: „ ...unvorbereitet! Sie können bisher ja noch nicht mal einen Namen nennen.“ Scholz wirkt irritiert: „Was Sie so hören, weiß ich nicht“, sagt er und kündigt an, „ein erstklassiges Kabinett zu bilden, mit erstklassigen Frauen und Männern“.

Slomka nimmt den Querpass auf: „Ist da dann Karl Lauterbach als Gesundheitsminister dabei?“ Scholz wiegelt ab: „Ich verstehe schon, dass Sie gerne dabei wären, wenn der sozialdemokratische Anwärter auf das Kanzleramt mit verschiedenen anderen sich gut berät über die Frage, wie man ein Kabinett zusammenstellt.“ Auf Lauterbach will er sich offenbar nicht festlegen. (pm)

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