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Agrarpreiskrise

Hilfe für Bauern: EU sitzt auf größtem Milchpulverberg seit 20 Jahren

Die Agrarpreiskrise der vergangenen zwei Jahre trieb tausende Milchbauern zur Aufgabe. Die EU wollte helfen - und sitzt nun auf einer gigantischen Menge Milchpulver.

München/Brüssel - Die Europäische Union hat zur Unterstützung notleidender Bauern den größten Milchpulverberg seit über 20 Jahren angehäuft. Derzeit befinden sich europaweit fast 358 000 Tonnen Magermilchpulver in den Lagerhäusern, so viel wie seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr. Seit Dezember 2016 sind nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel lediglich 140 Tonnen bei Auktionen verkauft worden.

„Die Mengen wurden bewusst sehr niedrig gehalten“, sagte der für die Landwirtschaft zuständige Sprecher Daniel Rosario. „Mehrfach wurden sämtliche Gebote abgelehnt, weil diese als zu niedrig eingeschätzt wurden.“ Rosario verweist darauf, dass in den siebziger Jahren zeitweise über eine Million Tonnen Magermilchpulver gelagert wurden.

Im vergangenen Jahr war der EU-Durchschnittspreis für die von den Bauern angelieferte Rohmilch auf einen Tiefstand von etwa 25 Cent pro Kilo gesunken, in manchen Regionen lagen die Erzeugerpreise sogar noch tiefer. Da die Preise unter dem von Brüssel festgesetzten Interventionsniveau lagen, kaufte die Kommission. Die Milch wird als lange haltbares Magermilchpulver gelagert. Vollmilchpulver würde wegen des höheren Fettgehalts ranzig werden.

Die Preiskrise hatte mehrere Ursachen: Die EU schaffte 2015 die Milchquote ab, mit deren Hilfe die Produktion vorher begrenzt worden war. Verschärft wurde der Druck auf die Milchpreise noch von einem unerwarteten Rückgang der chinesischen Importe. Allein in Bayern - Heimat der meisten Milchbauern in Deutschland - gaben von November 2015 bis November 2016 gut 1600 Landwirte die Milchproduktion auf, ein Rückgang von fast fünf Prozent. Ende 2016 gab es noch 32 000 Milchbetriebe im Freistaat.

Wann die Lagerhäuser in Europa wieder geleert werden, lässt sich nicht absehen. „Das Tempo des Verkaufs wird von den Marktbedingungen abhängen“, sagte Rosario. Inzwischen haben die Erzeugerpreise laut EU im Schnitt wieder auf etwa 33 Cent pro Kilo angezogen.

Auch für Europas Milchbauern wächst die Abhängigkeit vom Fernen Osten, obwohl China in absoluten Zahlen betrachtet für die meisten Milchprodukte nicht der größte Markt ist. „Alle Prognosen gehen dahin, dass China mehr importieren wird“, sagte Monika Wohlfarth, Chefin der Zentrale Milchmarkt Berichterstattung in Berlin. Magermilchpulver allerdings importieren die Chinesen nur in geringen Mengen, sie bevorzugen fertige Milchprodukte: „Mehr Käse, mehr Butter, mehr Milch“, sagte Wohlfarth.

Dem Trend entsprechend will Agrarminister Helmut Brunner im Herbst nach China fahren, um den Export von Milchprodukten persönlich anzukurbeln. „Ich gehe davon aus, dass die Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft sind“, sagte der CSU-Politiker. „Hier stecken große Chancen für unsere bayerischen Betriebe, gerade auch was den Absatz von Milchprodukten und Käse betrifft.“ Allerdings ist auch die internationale Konkurrenz groß. „Auch andere europäische Länder wie Frankreich drängen auf den chinesischen Markt“, sagte Brunner.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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