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Carlos Collado Seidel

Fragen an den Historiker Carlos Collado Seidel 

Katalonien-Konflikt: „Beide Seiten haben Öl ins Feuer gegossen“

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Die katalanische Seele ist auch gut ein Jahr nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum noch immer aufgewühlt. Der Historiker Carlos Collado Seidel erklärt, wie die Dinge in der Krise mit Spanien stehen.

In Katalonien brodelt es weiter. Ist gar kein Ende in Sicht?

Der Konflikt mit Spanien schwelt schon über 100 Jahre, seit sich eine katalanische Nationalidentität herauszubilden begann, und verstärkt sich seitdem sukzessive. Höhepunkt war die Unabhängigkeitserklärung Ende Oktober 2017. Aus meiner Sicht spricht leider alles dafür, dass der Konflikt auch in der Härte weitergeht.

Wer hat Schuld an der Eskalation von 2017?

Beide Seiten haben gewaltig Öl ins Feuer gegossen. Sowohl Madrid als auch die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter gaben sich völlig kompromisslos. Allerdings erinnerten die Bilder der Gewalt am 1. Oktober 2017 unwillkürlich an die Unterdrückung der katalanischen Kultur während der Franco-Diktatur.

Katalonien hat  weitgehende Kompetenzen

Die Katalanen beklagen noch immer, unterdrückt zu werden...

Davon kann kaum eine Rede sein. Katalonien hat, was Kultur, Sprache und viele andere Bereiche betrifft, weitgehende Kompetenzen. Es gibt umgekehrt ernst zu nehmende Stimmen, die eine Verdrängung der spanischen Identität beklagen. Ob an Schulen, Unis, in der Verwaltung – ohne Katalanisch-Kenntnisse kommt man nicht weit.

Die neue linke Regierung in Madrid steht den Katalanen offener gegenüber. Eine Chance?

Die Tonlage ist konzilianter geworden. Aber die heftige Katalonien-Kritik großer Teile der Bevölkerung schränkt den Handlungsspielraum der Regierung ein. Die katalanische Regierung steht ihrerseits durch die autonom auftretenden „Komitees zur Verteidigung der Republik“ unter Druck.

Inwiefern?

Bei diesen Komitees handelt es sich um eine Graswurzelbewegung, die politisch kaum kontrollierbar ist. Die nimmt nun das Heft in die Hand, nachdem die Regionalregierung den Unabhängigkeitsprozess nicht mit der Vehemenz fortsetzt, wie sich die „Komitees“ das wünschen. Als kürzlich der spanische Ministerrat in Barcelona tagte, riefen die „Komitees“ zur Blockade von Hauptverkehrswegen auf.

Das erinnert an die französischen Gelbwesten. Sind diese „Komitees“ ähnlich radikal?

Es droht die Gefahr, dass sie sich radikalisieren, wenn Kataloniens Regierung nicht wieder stärker auf Unabhängigkeitskurs geht.

Interview: Marcus Mäckler

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