Bilder der Zerstörung: Altenahr im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.
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Bilder der Zerstörung: Altenahr im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.

Kommunen im Stich gelassen?

Hochwasser-Katastrophe: Ex-Feuerwehr-Chef erhebt harte Vorwürfe gegen Politik - „Jahrelang zu wenig gemacht“

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Der Ex-Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes übt nach der Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz deutliche Kritik an Bund und Ländern. Seiner Meinung nach wurden Jahre verschenkt.

München/Eifel - Hätte das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe in Deutschland vermieden werden können? Hätten mehr Menschen bei den schweren Unwettern und der Flut in NRW sowie in Rheinland-Pfalz gerettet werden können? Diese Fragen stellen sich nicht nur die Menschen im Westen der Bundesrepublik. Stattdessen rätseln sie, wer gegebenenfalls die Verantwortung für den offenbar gescheiterten Katastrophenschutz trägt.

Hochwasser-Katastrophe und Flut in West-Deutschland: Verantwortung beim Bund und den Ländern?

Eine Theorie: Der Bund und die Länder haben die Kommunen vor Ort bei Vorbereitungen auf eine etwaige Natur-Katastrophe im Stich gelassen. Diese These bekräftigte nun Hartmut Ziebs, der von 2016 bis 2019 Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes war und gelernter Gerüstbauer ist. Also ein Praktiker, ein Handwerker.

„Er will ja umsetzen“, sagte Ziebs am Dienstagabend (20. Juli) in der ZDF-Sendung „Frontal“ und nahm den in die Kritik geratenen Chef des Bundesamtes für Katastrophenschutz, Armin Schuster, in Schutz: „Dann muss man ihn auch lassen.“ Der 62-Jährige, selbst Politiker bei der CDU, erhob stattdessen deutliche Vorwürfe gegen die Politik. „Man hat das auf die Kommunen abgewälzt und ihnen gesagt: ‚Ihr müsst das machen‘“, meinte Ziebs mit Blick auf den Katastrophenschutz. „Wir wissen, wo die Schwachstellen sind, wir müssen es nur umsetzen.“

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Dass genug für den Katastrophenschutz getan worden sei, verneinte der Westfale. „Nein, nicht in letzter Konsequenz. Wir brauchen mehr Prävention, müssen dem Wasser Platz geben“, sagte er und schlug unter anderem den Bau „unterirdischer Rückhaltebecken“ vor wie in seiner Heimatstadt Schwelm, die „seit Jahren vom Hochwasser verschont“ geblieben sei.

Zur Einordnung: Schwelm ist geprägt von Talmulden und von Hängen umgeben. Den Schutz vor Fluten und Hochwasser wie in der Eifel könne „man den Gemeinden nicht alleine aufbürgen“, erklärte CDU-Politiker Ziebs und meinte: „Solche Hochwasser werden uns immer wieder ereilen, wenn wir keine Maßnahmen ergreifen. Es wurde Jahre lang zu wenig gemacht. Eigentlich sollten das Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam machen. Die Bürger sind die Leidtragenden.“

Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz: Große Verwüstung in der Eifel

Von seinen Politiker-Kollegen im Bund und in den Ländern forderte der Kommunalpolitiker, der sich in seinem Wahlkreis um ein Mandat nach der Bundestagswahl 2021 bewirbt: „Endlich mal Ernst machen und den Schutz der Bevölkerung dahin heben, so wie es gebraucht wird.“ (pm)

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