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Tänzchen unter freiem Himmel: Außenministerin Karin Kneissl und Wladimir Putin.

Außenministerin lud russischen Präsidenten ein

Hochzeits-Knicks vor Putin „keine Unterwerfungsgeste“: So verteidigt sich Ministerin Kneissl

Zur Hochzeit von Österreichs Außenministerin Karin Kneissl tauchte Wladimir Putin auf - ein Knicks der Ministerin sorgte für Aufruhr. Nun verteidigt sich Kneissl.

Update, 25 August: Nach der Kritik an ihrem Knicks vor Russlands Präsidenten Putin bei ihrer eigenen Hochzeitsfeier hat sich nun Österreichs Außenministerin Karin Kneissl selbst zu Wort gemeldet - wie zu erwarten war, verteidigte sie ihre Aktion: „Das wurde in den Kommentaren als Unterwerfungsakt gedeutet, wer mich kennt, weiß aber, dass ich mich nicht unterwerfe!“, versicherte Kneissl im Interview mit dem Radiosender Ö1, wie Focus Online berichtet.

Sie habe lediglich eine Verbeugung Putins erwidert, erklärte Kneissl dem Bericht zufolge. Auch sei sie nicht persönlich mit Putin befreundet - das ginge auch gar nicht „so schnell“. Stattdessen stellte die Außenministerin den Besuch als positiven Schub für das Reiseland Österreich dar: Die Berichterstattung habe „schöne Landschaftsbilder“ gezeigt - das habe einen „Effekt auf die österreichische Fremdenverkehrswirtschaft“ gehabt.

Bereits zuvor hatte Putin seine Teilnahme an Kneissls Hochzeit verteidigt. „Das war eine rein private Reise“, sagte der Kreml-Chef am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö im Schwarzmeerort Sotschi. Putin war vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Kneissls Hochzeit nach Gamlitz, einem Winzerort in der Nähe von Graz, gereist. Während seiner anderthalbstündigen Visite überreichte er der Braut einen Blumenstrauß und ließ den Don-Kosaken-Chor, den er aus Russland mitgebracht hatte, ein Ständchen singen.

Update, 20. August: Auch zwei Tage nach der Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl sorgt der Besuch von Russlands Präsidenten Wladimir Putin bei der Feier noch für Furore in Österreich: Am Montag verbreitete sich ein Video des russischen Staatssenders RT rasant im Internet, auf dem Kneissl und Putin miteinander tanzen - und Österreichs Chefdiplomatin einen tiefen Knicks vor dem starken Mann aus Moskau macht.

Das Bild der knienden Außenministerin wurde von Österreichs Medien weiterverbreitet, mit Überschriften wie "Kneissls Kniefall vor Putin".

Der Publizist Robert Misik schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Wie unprofessionell kann man als Außenministerin sein, Bilder zu produzieren, die einen kniend vor Putin zeigen?" Selbst wenn es sich um einen "lustigen Knicks" nach einem Tanz handele, "weiß man doch, dass man solche Bilder nicht produzieren darf". Österreich hat derzeit den Vorsitz im EU-Rat inne.

Österreichs Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache von der rechtspopulistischen FPÖ, der die Hochzeit am Samstag ebenfalls besucht hatte, verteidigte Kneissl. Sie habe die renommierte Wiener Tanzschule Elmayer besucht und wisse, "was sich gehört", schrieb der FPÖ-Chef auf Facebook. "Tanzende Hochzeits-Diplomatie, mit Höflichkeit, Freundlichkeit und gutem Benehmen, besser kann man Österreich nicht vertreten", fügte Strache hinzu.

Putin tanzt mit der Braut, über deren Hochzeit ganz Österreich diskutiert

Sulztal an der Weinstraße - Wladimir Putin hatte einen großen Blumenstrauß und einen kleinen Männerchor dabei: Der 65-jährige russische Präsident zeigte sich am Samstag als Star-Gast auf der Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl von seiner geselligen Seite. Putin tanzte sogar mit Kneissl auf der Terrasse des Lokals, in dem die Trauung stattfand.

Zuvor hatte Österreichs 53-jährige Chefdiplomatin ihren Lebensgefährten, den Unternehmer Wolfgang Meilinger, das Ja-Wort gegeben. Das Ereignis - am beliebten Hochzeitstermin 18.8.18 - in den Weinbergen der Steiermark war trotz Bilderbuchwetter überschattet von anhaltender nationaler und internationaler Kritik an der Einladung an den Kreml-Chef.

Die Nähe und Vertrautheit signalisierende Geste könne die Vermittlerrolle Österreichs, das aktuell den EU-Ratsvorsitz innehat, zum Beispiel im Ukrainekonflikt beschädigen, hatte es im Vorfeld geheißen. Der Europasprecher der oppositionellen österreichischen Sozialdemokraten, Jörg Leichtfried, legte am Samstag nach und bezeichnete den Vorgang als „befremdlich, naiv und geeignet, nachhaltigen Schaden an Österreichs außenpolitischer Position anzurichten“. Es stelle sich die Frage, der unzulässigen Vermischung privater und öffentlicher Interessen. „Die Optik ist jedenfalls desaströs“, so Leichtfried.

100 Gäste feiern trotz Kritik am prominenten Gast

Unbeirrt von dieser Kritik feierten rund 100 Gäste in dem malerisch gelegenen Gasthof nahe der slowenischen Grenze. Für die Vegetarierin Kneissl gab es als Hochzeitsmenü Kürbis-Tofu, für die anderen Gäste stand Rindfleisch oder Bio-Seesaibling auf der Karte. Unter den Hochzeitsgästen waren auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Strache ist auch Chef der russlandnahen FPÖ, die Kneissl für das Amt der Außenministerin vorgeschlagen hatte.

Putin brachte einen Chor zur Feier mit.

Putin war mit seiner Präsidentenmaschine auf dem etwa 50 Kilometer entfernten Flughafen Graz gelandet und mit einer Wagenkolonne auf der gesperrten Autobahn zum Ort der Trauung gefahren. Als besondere Überraschung hatte der 65-Jährige, der nach vielen auch privaten Besuchen als Österreich-Fan gilt, zehn Don-Kosaken mitgebracht. Sie unterhielten das Brautpaar mit mehreren Liedern. Nach rund 90 Minuten brach Putin wieder auf. Er wurde am Abend von Kanzlerin Angela Merkel zu politischen Gesprächen in Schloss Meseberg bei Berlin erwartet.

Nach der Hochzeit geht es zu Merkel

Merkel und Putin treffen zum zweiten Mal innerhalb von gut drei Monaten zusammen. Themen sind die Konflikte in Syrien und der Ostukraine, ferner der Streit mit den Nachbarländern über die Gas-Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland.

Merkel und Putin hatten sich erst Mitte Mai im russischen Badeort Sotschi am Schwarzen Meer getroffen. Anschließend hatte Merkel Ende Juli den russischen Außenminister Sergej Lawrow und Generalstabschef Waleri Gerassimow in Berlin empfangen - ein ungewöhnlicher Vorgang. Dass jetzt schon wieder ein bilaterales Treffen stattfindet, wird als Zeichen der Entspannung gesehen. Die Beziehungen waren seit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim vor vier Jahren schwer angeschlagen. Es ist der erste bilaterale Besuch Putins in Deutschland seit 2014.

Lesen Sie auch: Erst Hochzeit, dann Besuch bei der Kanzlerin: Darum geht es beim Treffen zwischen Putin und Merkel

dpa

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