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Schrecksekunden im Landtag: Wird Christine Haderthauer laut? Ihr Ex-Chef Horst Seehofer weiß es selbst noch nicht.

Turbulente Landtagssitzung droht

CSU hofft auf Haderthauers Schweigen

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München - Sondersitzung zum Sturz einer bereits Gestürzten: Der Landtag unterbricht seine Sommerpause für die Debatte über Christine Haderthauer. Die Opposition plant ein Spektakel. Die CSU schickt Boten aus: Die Ex-Ministerin möge bitte, bitte stillhalten.

Im Juli wirkte Christine Haderthauer noch recht munter. „Ich buche das ab unter Sommertheater“, sagte sie in der Staatskanzlei zu Journalisten. Nun ja – das Theater um ihre Modellauto-Affäre wurde bald größer und für die Ministerin zur Tragödie. Morgen steht der nächste Akt an: Der Landtag kommt zur Sondersitzung zusammen, einberufen mit der Minderheitsmacht der Opposition.

Die Dramaturgie aber hat sich geändert. SPD, Grüne und Freie Wähler hatten spekuliert, Haderthauer sei Mitte September noch im Amt und könne vor dem Parlament öffentlich vorgeführt werden. Weil der Maulkorb von Ministerpräsident Horst Seehofer noch galt und die Staatsanwaltschaft ermittelt, hätte die Ministerin sich nicht mal forsch verteidigen können.

Jetzt ist Haderthauer zurückgetreten, der wahre Anlass der Sitzung entfallen; allenfalls die nötige Kabinettsumbildung kann nun vollzogen werden. Dank der Opposition kommt also die designierte CSU-Ministerin Ulrike Scharf früher ins Amt. Trotzdem könnte es brisant werden: Die Grüne Margarete Bause kündigt eine „Generalabrechnung“ an, auch SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher tritt ans Pult. Und: Haderthauer als einfache Abgeordnete kann nun vom Leder ziehen. Wortgewalt fehlt ihr nie. Sie sei gut vorbereitet und mit Dokumenten gerüstet, heißt es, und sei „sehr gefasst“. Die Vorwürfe gegen sich hält sie weiter für unberechtigt, äußerte sie am Samstag laut „Donaukurier“ bei einer Veranstaltung in Ingolstadt: „Vieles, was mir vorgeworfen wird, trifft nicht zu.“ Sie sei bei den Ermittlungen und dem drohenden Untersuchungsausschuss „zuversichtlich – weil ich weiß, was war“.

Einigen in der CSU, die von den Modellautos nichts mehr hören wollen, macht das akut Sorge. Je lauter Haderthauer wird, desto größer sind die lästigen Schlagzeilen. In ein paar Minuten könne sie kaum erklären, was sie zuvor ein Jahr lang nicht vermittelte. Fraktionschef Thomas Kreuzer hat nach Informationen unserer Zeitung vorfühlen lassen, ob sie nicht lieber ganz schweigen wolle. Er beansprucht für die CSU zunächst offenbar selbst die knappe Redezeit von 20 Minuten. „Sprechen werde ich“, sagt Kreuzer auf Nachfrage kurz angebunden.

Dass die Ingolstädterin still dasitzen wird? Vertraute rieten ab. Unwahrscheinlich, sagt auch die oberbayerische Parteifreundin Ilse Aigner. Dann würde es heißen, „sie duckt sich weg – und das tut sie nicht“. Haderthauer wisse genau, was sie sagen könne.

Bisher war in der Affäre darauf allerdings nicht voll Verlass. Vermutlich muss es nun der Ex-Chef richten. Seehofer hat Haderthauer für heute in die Staatskanzlei gebeten. „Wir werden drüber reden“, sagt Seehofer. Er fordert sie nicht zum Schweigen auf, bittet aber: „Da muss man ganz vernünftig abwägen.“

Seehofer will das Wort selbst ergreifen, beim Regierungschef geht das nicht von der CSU-Redezeit ab. Er will betonen, dass Haderthauer trotz Rücktritts ein ehrlicher Umgang und die Unschuldsvermutung zustehe. „Der Maßstab ist Fairness.“ Er spottet, wenn die Opposition in der Sitzung „einigermaßen das Gesicht wahren will, muss sie sich mit mir befassen“.

Von den leidigen Modellautos medial ablenken könnte, so hoffen sie in der CSU, dass zwei andere Sondersitzungen just auf den Dienstag gesetzt wurden: Der Asylgipfel in der Staatskanzlei und eine Sondersitzung des Sozialausschusses.

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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