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Der Anschlag galt dem vor allem von Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr-City. Foto: Karim Kadim

Mindestens 32 Tote

Terrorserie in Bagdad überschattet Hollande-Besuch im Irak

Die Terrormiliz IS steht im Irak stark unter Druck. Frankreichs Präsident rechnet mit der Befreiung der IS-Hochburg Mossul innerhalb von Wochen. Doch besiegt sind die Extremisten noch lange nicht.

Erneut ist Iraks Hauptstadt Bagdad zum Ziel eines Selbstmordanschlags geworden, der auf das Konto der Dschihadistenmiliz IS geht. Mindestens 32 Menschen starben am Montag, als sich der Täter an einer Kreuzung im Schiitenviertel Sadr City in die Luft sprengte. Frankreichs Präsident François Hollande war am Tag des Anschlags in Bagdad. Der IS müsse besiegt werden, um die Terrorgefahr auch in Europa zu verringern, sagte er.

Die Bagdader Polizei bezifferte die Zahl der Verletzten nach dem Anschlag auf 61. Bilder vom Anschlagsort zeigten eine dichte schwarze Rauchsäule sowie Schwerverletzte, die von dort weggebracht wurden. Erst am Samstag waren bei einem Doppelanschlag der Miliz Islamischer Staat (IS) auf einen Markt im Zentrum von Bagdad mindestens 27 Menschen getötet worden.

Der IS reklamierte auch das Attentat vom Montag für sich. Über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq erklärten die Extremisten, bei dem "Märtyrer-Einsatz" seien rund 40 Menschen getötet worden.

Die sunnitische Miliz wird seit Wochen von Regierungstruppen in ihrer letzten verbliebenen irakischen Hochburg Mossul in die Enge getrieben. In Bagdad und anderen Städten verübt sie immer wieder Anschläge. Opfer sind häufig schiitische Muslime, die den sunnitischen IS-Kämpfern verhasst sind.

Frankreichs Präsident Hollande stattete der Front bei Mossul einen Besuch ab. In einer Gefechtsstellung kurdischer Peschmerga-Kämpfer näherte er sich den Stellungen des IS auf etwa 15 Kilometer. Französische Spezialeinheiten trainieren dort Peschmerga-Kämpfer, ohne selbst an den Kämpfen teilzunehmen.

Zuvor hatte Hollande bei einem Besuch französischer Elitesoldaten im Irak die Bedeutung des Anti-IS-Kampfes auch für die innere Sicherheit Frankreichs hervorgehoben. Der Kampf sei nötig, um "Terrorakten auf unserem Boden vorzubeugen".

Dabei reiche es nicht, den IS nur im Irak zu besiegen. Er müsse auch im benachbarten Syrien geschlagen werden, weil andernfalls "Anschläge hier im Nahen Osten, aber auch in Frankreich und Europa ausgeführt werden". Das Jahr 2017 werde ein "Jahr des Sieges über den Terrorismus" sein, zeigte sich Hollande zuversichtlich.

Frankreich ist nach den USA das zweitgrößte Unterstützerland der internationalen Anti-IS-Militärkoalition. Das Land versorgt die irakische Armee mit Ausbildern, Beratern und Artillerie. Seit dem Beginn des Engagements im September 2014 flog die französische Luftwaffe im Irak und in Syrien mehr als tausend Angriffe und zerstörte rund 1700 Ziele, wie Zahlen des Verteidigungsministeriums zeigen.

in Bagdad traf sich Hollande mit seinem irakischen Kollegen Fuad Massum, Regierungschef Haider al-Abadi und Parlamentspräsident Salim Dschuburi. Der Kampf gegen den IS stand dabei im Mittelpunkt. Kurdenführer Massud Barsani traf Hollande in Erbil.

AFP

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