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Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus zu den Abgeordneten.

Ergreifende Rede von Ruth Klüger

"Heroisch": Holocaust-Überlebende lobt "Wir schaffen das"

Berlin - Auschwitz-Birkenau und Zwangsarbeit hat Ruth Klüger überlebt. Im Bundestag erzählt sie fesselnd davon - und äußert sich lobend über das Deutschland von heute.

Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger sieht in der deutschen Flüchtlingspolitik einen Wendepunkt für das weltweite Ansehen Deutschlands. "Dieses Land, das vor 80 Jahren für die schlimmsten Verbrechen des Jahrhunderts verantwortlich war, hat heute den Beifall der Welt gewonnen", sagte die in den USA lebende Literaturwissenschaftlerin am Mittwoch im Bundestag.

In ihrer bewegenden Rede während der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus sagte die 84-Jährige im Hinblick auf rund eine Million von Deutschland aufgenommene Flüchtlinge im vergangenen Jahr, "ich bin eine von den vielen Außenstehenden, die von Verwunderung zu Bewunderung übergegangen sind". Dabei hob sie besonders die Bedeutung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hervor, die mit ihrem "Wir schaffen das" einen "schlichten und dabei heroischen Slogan" ausgegeben habe.

Diese Flüchtlingspolitik habe sie auch erst dazu bewogen, als Opfer der Nationalsozialisten die Einladung zur Rede im deutschen Bundestag anzunehmen.

Klüger bekam viel Applaus der Zuhörer, unter denen auch Bundespräsident Joachim Gauck und Merkel waren. Sie ist eine der jüngsten Überlebenden des Holocaust. Sie war als Kind zunächst in das NS-Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden und von dort dann in das Lager Christianstadt gekommen, wo sie Zwangsarbeit verrichten musste. Klüger sagte, viele Deutsche hätten die massenhafte Zwangsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg bestritten - doch die massenhafte Ausbeutung sei bekannt gewesen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) griff Klügers' Lob für die deutsche Flüchtlingspolitik auf und sagte, er bekräftige die Zuversicht der Gastrednerin - "wir schaffen das". In seiner Rede rief er dazu auf, wachsam zu sein gegenüber Unmenschlichkeit und sich gegen Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus zu stellen. "Diese Erwartung gilt ausnahmslos für alle, die in diesem Lande leben, für diejenigen, die hier geboren und aufgewachsen sind, wie für diejenigen, die wann und warum auch immer in dieses Land gekommen sind."

Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die sowjetische Rote Armee im Jahr 1945. Ein eigenes Gedenken dazu gibt es seit zwanzig Jahren, der damalige Bundespräsident Roman Herzog hatte dies initiiert.

afp

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