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Bundestagswahl

CSU holt alle Direktmandate

Sieg auf ganzer Linie: Das zweite Mal in Folge holt die CSU alle vier Münchner Direktmandate. Diesmal aber haben die Sozialdemokraten vorgesorgt: Über sichere Listenplätze ziehen zwei SPDler in den Bundestag ein. Schockstarre hingegen bei der FDP.

Der Trend geht zurück zu den Volksparteien – das gilt bei der Bundestagswahl deutschlandweit, aber auch in München. Die CSU feiert einen Riesen-Erfolg, aber auch die SPD hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Sie hat Stimmen hinzugewonnen – und wieder Abgeordnete in Berlin. 2009 verlor SPD-Mann Axel Berg hauchdünn sein Direktmandat im Norden an Johannes Singhammer, kein einziger Münchner Sozialdemokrat saß mehr im Bundestag. Das wird sich jetzt ändern: Mit Florian Post und Claudia Tausend ziehen zwei SPDler über die Landesliste ein.

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Bei den Zweitstimmen landet die CSU stadtweit bei 37,8 Prozent (plus 5,7), die SPD kann 23,9 Prozent für sich gewinnen, 4,6 mehr als noch 2009. Die Grünen müssen sich mit 14 Prozent zufrieden geben (minus 3,5), die FDP wird mit 7,7 Prozent abgespeist (minus 9,9). Die eurokritische AfD punktet auch in der Großstadt: 4,5 Prozent.

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

Keinerlei Grund zur Klage hat am Sonntag Münchens CSU. Die Christsozialen feiern in der Hanns-Seidel-Stifung, und schnell ist klar: Das wird ein guter Abend. Das Gesamtergebnis: sowieso, die Münchner Zweitstimmenwerte: ein Traum. Und auch als immer mehr Wahllokale ihre Ergebnisse bei den Erststimmen melden, wird das Grinsen der CSUler immer breiter. Die Direktkandidaten konnten die Wähler auf ganzer Linie überzeugen, ja, es ist nicht mal knapp. Sogar im stets umkämpften Norden gewinnt Johannes Singhammer (43,2 Prozent) sehr deutlich gegen SPD-Newcomer Florian Post (31,4 Prozent). Singhammer selbst erklärt den Erfolg so: „Der Wahlkreis Nord ist ja kein typischer CSU-Wahlkreis, man muss Angebote machen, die nicht nur bei der eigenen Klientel ankommen.“

Auch Hans-Peter Uhl darf nochmal in Berlin ran. „Ich bin überaus glücklich, dass ich nach 35 Jahren in der Politik noch einmal einen solchen Abschluss bekomme für meine letzte Legiuslaturperiode“, sagt er am Abend. „Bemerkenswert ist, dass alle vier CSU-Kandidaten in München im Bereich 40 plus liegen – das hat’s vorher nicht gegeben!“

Geradezu bescheiden reagiert eine andere CSU-Legende, Peter Gauweiler, auf seinen Wiedereinzug. Warum er so ein gutes Ergebnis eingefahren hat? „Ich glaube, es war der Bundestrend“, sagt er leise.

Deutlich euphorischer ist Wolfgang Stefinger. Gerade einmal 28 ist der CSU-Kandidat im Münchner Osten. Schon kurz nach neun zeichnet sich ab, dass er das beste Erststimmenergebnis in München einfahren könnte. „Das ist sensationell“, sagt er, „und das als Neuling. Ich habe es anscheinend geschafft, im Wahlkampf alle Schichten anzusprechen, so wie ich es vorhatte.“ Stefinger feiert in Lederhose seine eigene Wahl-Party in der „Nachtkantine“.

Das wäre sicher nichts für Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle. Der bezeichnet sich in der Hanns-Seidel-Stiftung als „altes Wahlkampf-Schlachtross“, trotzdem sei das hier auch für ihn ein besonderer, „großartiger Abend“.

„Großartig“ wäre wohl ein bisschen zu viel des Guten, aber auch bei Münchens SPD ist man am Sonntagabend nicht unzufrieden. Claudia Tausend hat im Münchner Osten gegen Jung-Politiker Stefinger deutlich verloren. Aber die Münchner SPD kann die aussichtsreich auf der Landesliste platzierte Tausend trotzdem nach Berlin schicken. „Unsere Taktik ist voll aufgegangen“, sagt Parteichef Hans-Ulrich Pfaffmann. Claudia Tausend sagt, dass sie jetzt auf ihre neue Aufgabe in Berlin gespannt sei. Übermorgen geht ihr Flieger, zwei Tage ist sie dann erstmal in der Hauptstadt. „Ich habe noch keine Wohnung, kein Büro, keinen Mitarbeiter. Darum muss ich mich jetzt kümmern.“

Eine ganz eigene Lesart legt sich SPD-OB-Kandidat Dieter Reiter zurecht. „Das stabile Zweitstimmenergebnis lässt mich auch nicht hoffnungslos sein, was die Kommunalwahl angeht“, sagt er am Abend unserer Zeitung. „Das gute CSU-Ergebnis in München ist allein Angela Merkels Verdienst.“ Und die, sagt Reiter, „tritt in München nicht an“. Wirklicher Jubel brandet bei der SPD nur einmal auf: als die schwachen Werte für die FDP auf den Bildschirmen erscheinen.

Bei den Liberalen sitzt der Schock tief. „Ein erbärmliches Ergebnis“, sagt Münchens FDP-Chef Daniel Föst im Hofbräukeller. „Wir werden die Partei komplett erneuern müssen.“ Es klingt fast trotzig, als der scheidende bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil sagt: „Die liberale Idee hat nichts an Bedeutung und Faszination verloren.“

Während die einen im Nichts zu versinken drohen, taucht ein neuer Name auf der politischen Landkarte auf. Die euro-kritische AfD darf bis zum späten Abend hoffen, den Sprung über die 5-Prozent-Hürde zu schaffen. Brigitte Stöhr stand auf Platz drei der Landesliste. Das heißt: Kommt die AfD rein, ist Stöhr drinnen im Bundestag. „Auch wenn es nicht reicht“, sagt sie, sei es ein „absolut fantastisches Ergebnis, aber natürlich wäre es ärgerlich“. Ein Umzug nach Berlin würde ihr gefallen, sagt sie. „Es ist eine Herausforderung, und ich mag Herausforderungen.“

Während die einen vom Beginn einer politischen Karriere träumen dürfen, geht sie für andere leise und unspektakulär zu Ende. Jerzy Montag, 66, seit 2002 im Bundestag vertreten und in Berlin hochgeschätzt, hätte bei seinem Listenplatz ein starkes grünes Ergebnis gebraucht. Es hat nicht gereicht. Bei der grünen Wahl-Party in einem Sendlinger Wirtshaus verabschiedet er sich schon um kurz nach halb acht, da ist erst ein kleiner Teil der Münchner Wahllokale ausgezählt. „Meine Zeit ist vorbei“, sagt Montag noch. „Jetzt müssen Jüngere das Heft des Handelns in die Hand nehmen.“ Dann geht er.

von Felix Müller

Mitarbeit: lö, mon, spf, do, akg

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