Zwei Frauen blicken auf homoöpathische Mittel
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Beliebte Kügelchen: Homöopathie ist schwer umstritten. 

Es geht auch um Homöopathie

Gesundheitsministerium schafft Referat für Integrative Medizin

  • Sebastian Horsch
    VonSebastian Horsch
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Das bayerische Gesundheitsministerium baut ein Referat auf, dass sich mit Integrativer Medizin befassen soll. Auch einen Lehrstuhl kann sich Staatssekretär Klaus Holetschek vorstellen. Ein Homöopathie-Kritiker findet deutliche Worte.

München – Das Referat 74 befindet sich im Aufbau. Zumindest eine Leiterin findet man bereits im Organigramm des Gesundheitsministeriums. Sie und ihre Mitarbeiter sind künftig zuständig für „Gesundheitsnetzwerke, medizinische Rehabilitation, Kur- und Heilbäder und Integrative Medizin“. Dieser Zuschnitt ist neu, sagt Staatssekretär Klaus Holetschek (CSU) – genau wie er selbst. Erst vor neun Wochen ist Holetschek im Zuge eines personellen Umbaus aus dem Bau- ins Gesundheitsministerium gewechselt. Dass er sich dort nun für das Thema Integrative Medizin einsetzt, sorgt allerdings auch für Kritik.

Holetschek ist der Meinung: „Eine moderne Medizin benötigt ein patientenorientiertes Gesundheitswesen, in dem wissenschaftliche und Naturmedizin gleichberechtigt sind.“ Der Anspruch sei es, „die Möglichkeiten der konventionellen Medizin und der Naturheilkunde in einem ganzheitlichen Ansatz bestmöglich zu nutzen“.

Es gehe dabei um Prävention und klassische Naturheilverfahren, wie die überlieferten Lehren von Sebastian Kneipp. Oder zum Beispiel auch darum, ob bei einer Mittelohrentzündung nicht auch Senföle Wirkung zeigen könne. Und was ist mit der umstrittenen Homöopathie? „Ein Thema, zu dem man unterschiedliche Meinungen haben kann“, sagt Holetschek. Aber Fakt sei nun einmal: „Die Menschen wenden es an.“ Man müsse deshalb die rein emotionale Ebene verlassen und sich auch damit auseinandersetzen. „Wir müssen die natürlichen Heilweisen besser erforschen, sie werden sich in nächster Zeit noch mehr entwickeln“, sagt Holetschek. Auch für einen Lehrstuhl für Integrative Medizin in Bayern setzt er sich ein – möglicherweise könne dieser über eine Stiftung angestoßen werden.

Nicht jeder findet das gut. Der Weilheimer HNO-Arzt und Homöopathie-Kritiker Christian Lübbers befürchtet: „Da will jemand unter der Wortschöpfung Integrative Medizin wissenschaftliche Medizin und Pseudomedizin unter einen Hut bringen.“ Schon die Gegenüberstellung von Wissenschaft und Naturheilkunde sei falsch. Tatsächlich wirksame Naturmedizin sei bereits jetzt Teil der wissenschaftlichen Medizin. Anders sei es bei Homöopathie. Es gebe bereits genug Studien, die zeigten, dass diese keine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus habe. „Das Thema ist ausgeforscht“, sagt Lübbers.

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