Angst vor Gewalt und Ausgrenzung

Homosexuelle fürchten sich vor Outing

Den Haag - Die meisten trauen sich nicht einmal, auf der Straße Hand in Hand zu gehen: Homosexuelle in Europa müssen immer noch Gewalt und Beleidigungen fürchten, wie eine neue Studie zeigt.

Die meisten Homosexuellen in Europa leben in ständiger Angst vor Beleidigungen, Diskriminierung und Gewalt. Dies zeigt eine am Freitag in Den Haag veröffentlichte Studie im Auftrag der EU. Danach berichten 80 Prozent der befragten 93 000 Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender von Schikanen zu Schulzeiten. Zwei Drittel trauten sich auch heute nicht, öffentlich Händchen zu halten. Am Freitag, dem Tag gegen Homophobie, verhinderten Schwulengegner in Georgien mit einer Straßenblockade eine große Parade Homosexueller. Bei Rangeleien wurden dort 16 Menschen verletzt.

Die groß angelegte Studie wurde in Den Haag auf einem Gipfel zur Gleichstellung von Homosexuellen präsentiert. Demnach fühlen sich in den 27 EU-Staaten und in Kroatien fast ein Fünftel bei der Jobsuche diskriminiert. Jeder Vierte wurde nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren angegriffen oder bedroht.

Die Europäische Union rief zu mehr Bemühungen im Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt auf. Es sei nötig, „Schranken einzureißen, den Hass zu eliminieren und eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder Mensch seine Rechte voll genießen kann“, sagte Morten Kjaerum, Direktor der EU-Agentur für Grundrechte.

In Georgiens Hauptstadt Tiflis besetzten Tausende Demonstranten eine Straße, die die Aktivisten der Gay-Pride-Parade passieren wollten. Einige trugen Büschel mit Brennnesseln bei sich und drohten, die Homosexuellen damit zu attackieren. Auf Plakaten waren Sprüche wie „Wir wollen kein Sodom und Gomorrha“ und „Demokratie ist nicht gleich Sittenlosigkeit“ zu lesen.

Unter den Demonstranten waren auch orthodoxe Priester, die argumentieren, dass Homosexualität die christlich-orthodoxen Werte Georgiens verletze. Einer der Veranstalter der Anti-Schwulen-Demonstration, Vater David, sagte, die Parade beleidige die Traditionen und das Nationalgefühl der Menschen. Die Polizei nahm Dutzende homosexuelle Aktivisten in Gewahrsam und brachte sie aus Sicherheitsgründen aus dem Stadtzentrum.

Die georgischen Behörden hatten die Parade ursprünglich mit der Begründung genehmigt, alle Georgier hätten das Recht, ungeachtet ihrer sexuellen Ausrichtung öffentlich ihre Meinung zu sagen. Im vergangenen Jahr hatte eine Schwulen-Demo in Tiflis nach kurzer Zeit in einem Handgemenge geendet.

Der georgische Ombudsmann für Menschenrechte, Utschi Nanuaschwili, nannte es bedauerlich, dass die homosexuellen Demonstranten an der Ausübung ihrer verfassungsmäßigen Rechte gehindert worden seien.

ap

Rubriklistenbild: © dpa

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