+
Hunderte Hooligans haben in Brüssel eine friedliche Gedenkveranstaltung für die Opfer der Terroranschläge gestört. Foto: Olivier Hoslet

Hooligan-Randale in Brüssel entfacht politischen Streit

Brüssel (dpa) - Die Randale Hunderter teils rechtsradikaler Hooligans auf dem Brüsseler Börsenplatz hat in Belgien einen politischen Streit entfacht.

Etwa 400 Hooligans hatten dort am Sonntagnachmittag eine friedliche Gedenkveranstaltung für die Opfer der Terroranschläge gestört, zu denen sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte.

Bürgermeister Yvan Mayeur erhob am Abend im Sender RTL schwere Vorwürfe. Die Sicherheitsbehörden hätten ihn bereits am Vortag vor "400 Verrückten" gewarnt, die nach Brüssel kommen wollten. Er beschwerte sich darüber, dass die Polizei des Ortes Vilvoorde nördlich von Brüssel die Hooligans nicht aufgehalten habe. Über Vilvoorde war der Großteil der Unruhestifter überwiegend aus Antwerpen angereist. Auch dem Innenminister Jan Jambon warf Mayeur Nachlässigkeit vor.

Die Hooligans hatten unter anderem "Alle gemeinsam gegen den Islamischen Staat" skandiert. Medien berichteten zudem von ausländerfeindlichen Slogans und vereinzelten Hitlergrüßen.

In den Vorwürfen Mayeurs spiegelt sich die Zerrissenheit Belgiens mit seinem französischsprachigen Süden (Wallonie) und dem Niederländisch sprechenden Norden (Flandern). Der Brüsseler Bürgermeister ist französischsprachiger Sozialist.

Zwar verurteilten die flämischen Christdemokraten, Liberalen, Grünen und Sozialisten die Vorfälle am Börsenplatz in einer Stellungnahme. Der Antwerpener Bürgermeister Bart De Wever verzichtete aber ausdrücklich auf eine Distanzierung. De Wever ist Vorsitzender der flämischen Nationalisten-Partei N-VA von Innenminister Jambon.

Der sozialistische Bürgermeister von Vilvoorde, Hans Bonte, hatte zuvor erklärt, er habe den Mob bewusst passieren lassen, um "zu viel Frust" zu vermeiden. "In Abstimmung mit der Polizei und dem Sicherheitsdienst Securail haben wir entschieden, sie den Zug nehmen zu lassen." Dies sei unter Aufsicht der Vilvoorder Polizei und in Abstimmung mit den Brüsseler Behörden geschehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brasiliens Präsident Temer in Korruptionsaffäre angeklagt
Aus Sicht des obersten Strafverfolgers hat der Staatschef "das brasilianische Volk hintergangen": Michel Temer soll in Schmiergeldzahlungen verwickelt sein. Kommt der …
Brasiliens Präsident Temer in Korruptionsaffäre angeklagt
Totenmesse für Altkanzler Helmut Kohl in Berlin
Berlin (dpa) - Viele Bundestagsabgeordnete gedenken heute des gestorbenen Altkanzlers Helmut Kohl. Die Unionsfraktion im Bundestag hat zu der Totenmesse in der St. …
Totenmesse für Altkanzler Helmut Kohl in Berlin
Report zur sozialen Lage an Hochschulen
Woher die 2,8 Millionen Studenten kommen, wie Bafög zum Leben reichen kann, ob es genug günstigen Wohnraum gibt: Darum geht es im Sozialreport des Studentenwerks. Kurz …
Report zur sozialen Lage an Hochschulen
Trump will schon bald etwas unternehmen, um Nordkorea zu stoppen
Washington - US-Präsident Donald Trump hat die scharfen Warnungen seiner Regierung an die Adresse Nordkoreas wiederholt. Der Präsident sagte, es müsse schon bald etwas …
Trump will schon bald etwas unternehmen, um Nordkorea zu stoppen

Kommentare